Marie Kollenrott
Grüner-Wasserstoff-Standort Niedersachsen - wie entwickelt sich die Infrastruktur?
Bitteschön! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen! Lieber Minister! Schön, dass es heute Morgen hier schon so wach und launig zugeht. Was haben Jonas Pohlmann und ich gemeinsam? Wir reichen uns auf jeden Fall bei Georgsmarienhütte die Hand, und zwar, weil die Geschäftsführung von Georgsmarienhütte absolut grüne Konzepte verfolgt, und zwar stets unterstützt von unserer grünen Landrätin Anna Kebschull. Der heutige Austausch zeigt doch einmal mehr, wie entscheidend Niedersachsen in der Entwicklung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft ist. Niedersachsen hat das Potenzial, das Wasserstoffland Nummer eins zu werden. Mit 50 % der Elektrolyseure, 40 % des Wasserstoffkernnetzes und der Mehrheit der Wasserstoffspeicher, die hier errichtet werden, stehen wir aktuell im Zentrum der Wasserstoffrevolution in Deutschland. Dennoch stehen wir, wie ich finde, erst am Anfang eines industrietechnologischen Paukenschlags in Niedersachsen. Nach den derzeitigen Leuchtturmprojekten müssen wir die Rahmenbedingungen für eine umfassende Transformation schaffen. Und diese Transformation ist nicht nur zukunftsweisend, sie ist notwendig, um wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu bleiben. Wenn wir die Treibhausgasneutralität bis 2040 erreichen wollen, brauchen wir eben nicht nur grünen Strom, sondern auch grüne Moleküle, also grünen Wasserstoff. Die Transformation der Energiewirtschaft hin zu einer klimaneutralen Zukunft bedeutet Arbeitsplätze, wirtschaftliche Stabilität und die Schaffung ganzer neuer Industriezweige. Wir werden das nachher in Bezug auf die Glasindustrie das wurde schon gesagt ja noch beispielhaft diskutieren. Aber natürlich betrifft die Wasserstoffplanung zahlreiche Industriezweige und ist daher zentral für uns in Niedersachsen. Dabei ist es für die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Betriebe entscheidend, einen Wasserstoffanschluss zumindest in Aussicht zu haben. Mit Umwelt- und Wirtschaftsministerium kämpfen wir dafür und das hat der Minister bereits gesagt, aber ich möchte es gerne wiederholen, dass alle Regionen in Niedersachsen so schnell wie möglich von dieser Entwicklung profitieren können. Gebetsmühlenartig muss deswegen wiederholt werden: Wir können es uns zum Schutz unserer Wirtschaftskraft, aber letztlich auch zum Demokratieschutz nicht leisten, in diesem Land abgehängte Räume zu haben. Mit Leuchttürmen wie in Emden, Lingen und Salzgitter auch das wurde schon ausgeführt zeigen wir, dass wir mithilfe des Bundes in Niedersachsen die Weichen für eine klimafreundliche Industrie stellen. Investitionen sowohl in Elektrolyseure als auch in Speicher- und Transportinfrastruktur sind ein fettes Ausrufezeichen hinter der Verantwortung, die wir energie- und wirtschaftspolitisch in diesem Land übernehmen. Und dazu sagen wir: Wir sind stolz darauf! Gestern wurde bei der Debatte um „Das Aus vom Verbrenner-Aus", wie ich finde, von konservativ bis ganz rechts außen mächtig geirrlichtert. Heute, wo es um Wasserstoff geht, erzählt uns bestimmt auch gleich noch irgendwer, Wasserstoff wäre der Weg, weiter was im eigenen Haus zu verbrennen. - So ein bisschen in die Richtung ging das schon. Aber, wer beim Thema Heizung von Technologieoffenheit spricht, offenbart eben entweder seine unzureichenden Fachkenntnisse oder ist einfach populistisch unterwegs. Beides gilt für Sie da drüben! In der Fachwelt ist dagegen unumstritten, dass Wasserstoff lediglich dort eine Rolle spielen wird, wo Prozesse nicht ohne Weiteres elektrisierbar sind. Wasserstoff wird in der Beheizung von Gebäuden ausschließlich indirekt in Form von Fernwärme zum Einsatz kommen. Und wir alle müssen auch aufpassen, dass wir Menschen nicht aufs Glatteis führen, die mit dem Werbeslogan „H2-ready" meinen, eine Anlage zu kaufen, die irgendwann auf reinen Wasserstoffbetrieb umgestellt werden wird. Das ist nach jetzigem Stand der Technik eben nicht der Fall bei diesen Anlagen. Diese Anlagen vertragen maximal 20 % Wasserstoffanteil. Insofern sind sie gerade jetzt leider kein Weg, der zur Klimaneutralität führt. Mit 80 % bis 90 % Wirkungsgrad sind diese Anlagen gegenüber der Effizienz von Wärmepumpen jenseits der 400% heute hoffnungslos unterlegen. Und es gibt auch einen kleinen Funfact dazu: Wärmepumpen - das ist diese hocheffiziente Technik, die Friedrich Merz im Rahmen der Debatte um das Heizungsgesetz der Bundesregierung erst so wahnsinnig verteufelt hat und jetzt dann doch ganz gut findet, wo er eben merkt: das läuft. - Na ja, manchmal ist man hinterher eben schlauer, und im Sinne der Verantwortungsübernahme ist es auch gut. Aber gut wäre auch, vorher dann eben nicht so populistisch rumzupoltern. Zurück zum Thema. Umwandlungsverluste bei Elektrolyseuren und Spitzenlast-Wasserstoff-Kraftwerken fallen als Abwärme an. Wir können diese Abwärme nutzen, um unseren Wärmebedarf per Fernwärme zu decken. Die Standorte von Elektrolyseuren und Wasserstoff-Kraftwerken sollten daher mit Blick auf die Einspeisemöglichkeit in Fernwärmenetze oder Wärmebedarfe benachbarter Industrie gewählt werden. Auch das wurde schon gesagt. Hier muss man vernetzt denken. Die Fragen nach der Kopplung von Wasserstoffproduktion mit dem Stromnetz und der Wärmewende sind hier zentral. Denn wir müssen sicherstellen, dass der Hochlauf der Wasserstoffproduktion nicht isoliert betrachtet wird, sondern im Kontext einer umfassenden Energiewende. Abschließend möchte ich betonen: Niedersachsen hat die Chance, Vorreiter im Bereich der grünen Wasserstoffwirtschaft zu sein. Weichen wurden zielführend gestellt, das hat der Minister ausgeführt. Machen wir doch bitte genau da weiter! Vielen Dank.
