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Christian Schroeder

GRÜNE 22.05.2025 3:39 min Tagungsabschnitte 19/25

Für Artenschutz und Biodiversität: Einführung eines "Bodenbrüterbonus" zur Intensivierung des Prädatorenmanagements

Herr Schroeder, bitteschön! Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich glaube, bei der Problembeschreibung an sich sind wir uns sogar einig. Sie haben die Habitate angeführt, die nicht mehr da sind. Dann frage ich mich: Wenn kein Lebensraum mehr da ist, wen will ich denn eigentlich vor den Prädatoren noch schützen? Das vielleicht mal zur Reihenfolge, die Sie bedenken sollten. Sie schreiben in Ihrem Antrag ziemlich viel, und Sie schreiben sogar einiges Richtiges. Aber Sie ziehen am Ende die falschen Schlüsse daraus. Die meisten hier wissen es: Der Rückgang der heimischen Bodenbrüter ist eben nicht allein durch Fuchs und Waschbär bedingt, sondern vor allem durch den dramatischen Verlust der Lebensräume, der teilweise in der Industrialisierung der Landwirtschaft begründet ist, der zunehmend in der Flächenversiegelung begründet ist, im Pestizideinsatz und in der zunehmenden Strukturarmut unserer Kulturlandschaft. Genau das wurde eben beschrieben. Der Kollege sprach heute Morgen unter anderem von der „Verbrombeerung des Harzes". Unter anderem unter diesen Brombeeren brüten aber Amseln, Rotkehlchen, Zaunkönige, Neuntöter. Aber auch die Bodenbrüter wie Laubsänger brüten dort. Ich will gar nicht sagen, dass das einfach zu lösen wäre. Aber es sind immer Eingriffe ins Ökosystem, die wir vornehmen, auch beim Abschuss von Prädatoren, und das muss eben sehr genau abgewogen werden. Der von Ihnen eingangs zitierte Landesjagdbericht aus Niedersachsen sieht als treibenden Faktor für den Rückgang der Fasanenbesatze das Insektensterben. Und erst später, im weiteren Verlauf, werden die Prädatoren als mögliche Ursache genannt. Sie verdrehen da also die Tatsachen. Und die Aussage zur Bekassine findet sich anders als Ihr Antrag vielleicht vermuten lässt, liebe AfD im Jagdbericht überhaupt nicht. Meine Damen und Herren, wer ernsthaft die Artenvielfalt schützen will, muss genau dort ansetzen, wo die eigentlichen Probleme liegen. Was die AfD hier vorschlägt, ist keine Lösung, sondern, wie der Kollege schon gesagt hat, ein reines Ablenkungsmanöver. Mit dem Antrag wollen Sie lediglich finanzielle Anreize schaffen, um mehr sogenannte Raubwildarten zu töten. Was aber fehlt, sind belastbare wissenschaftliche Belege dafür, dass die flächendeckende Tötung wirklich Lösungen bringt. Eine differenzierte ökologische Bewertung fehlt gänzlich. Und es fehlt auch jede Spur von ganzheitlichem Ansatz in Richtung Artenschutz. Von extensiver Bewirtschaftung, Blühstreifen, Feuchtgebieten oder Biotopvernetzung ist in Ihrem Antrag nichts zu lesen. Stattdessen gibt es eine einseitige Fixierung auf die Jagd, versehen mit dem Vorschlag, künftig die 10 Euro auszuzahlen, als wäre Biodiversität ein Abschussgeschäft, und die Jägerinnen und Jäger wären Schädlingsbekämpfer oder gar Kammerjäger. Ich glaube, das sollten sich Ihre Jägerinnen und Jäger anhören, Ihre sogenannten Freunde, die Sie immer zitieren. Ich glaube, das ist beschämend. Natürlich ist das Prädatorenmanagement der Kollege hat es gesagt im Rahmen einer ausgewogenen Naturschutzstrategie ein legitimes Mittel und auch ein Bestandteil. Im Bereich eingeschleppter, invasiver Arten machen wir das ja auch. Aber in diesem Antrag wird ignoriert, dass Raubwild Teil einer funktionierenden Ökolandschaft sein kann. Wir benötigen keine finanziellen Jagdanreize. Wir benötigen die Förderung von Lebensraumqualität, naturschutzorientierte Landwirtschaft, kooperative Schutzvereinbarungen, die wir mit dem „Niedersächsischen Weg" auch haben. Dementsprechend: Überlegen Sie noch mal, ob der Ansatz, den Sie hier fahren, der richtige ist! Danke schön. Herr Schroeder,

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