Dr. Andreas Philippi
Gesetzliche Unterbindung der "Gehsteigbelästigung" vor Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen durch sogenannte Lebensschützer
<v UU>Dr.</v> <v UU>Andreas Philippi, Minister für</v> <v UU>Soziales, Arbeit, Gesundheit und <v UU>Gleichstellung:</v> <v UU>Frau Präsidentin!</v> Meine sehr geehrten</v> <v UU>Damen und Herren Abgeordnete!</v> <v UU>Das Niedersächsische Ministerium für</v> <v UU>Soziales, Arbeit, Gesundheit und</v> <v UU>Gleichstellung unterstützt</v> <v UU>ausdrücklich die vorgesehenen</v> <v UU>Ergänzungen im</v> <v UU>Bundes-Schwangerschaftskonfliktgesetz</v> <v UU>gegen „Gehsteigbelästigungen“.</v> <v UU>Von dieser einheitlichen Regelung auf</v> <v UU>Bundesebene geht eine wichtige</v> <v UU>Signalwirkung aus.</v> <v UU>Und sie schafft Rechtssicherheit.</v> <v UU>Damit werden Schwangere explizit auf</v> <v UU>dem Weg zu Konfliktberatungsstellen</v> <v UU>und Einrichtungen, welche</v> <v UU>Schwangerschaftsabbrüche durchführen,</v> <v UU>vor Belästigungen von</v> <v UU>Abtreibungsgegnerinnen und ‑gegnern</v> <v UU>geschützt, und damit wird auch das</v> <v UU>Personal dieser</v> <v UU>Einrichtungen entlastet.</v> <v UU>Das Recht auf freie Meinungsäußerung</v> <v UU>und das Versammlungsrecht sind</v> <v UU>absolut schützenswerte Rechte.</v> <v UU>Sie dürfen aber nicht dazu</v> <v UU>missbraucht werden, schwangere Frauen</v> <v UU>an der Wahrnehmung ihrer Rechte auf</v> <v UU>Beratung und medizinische Leistungen</v> <v UU>zu hindern oder in unzumutbarer Weise</v> <v UU>zu stören.</v> <v UU>Innerhalb von 100 m im Umkreis dieser</v> <v UU>Einrichtungen wird es nach dem</v> <v UU>Gesetzentwurf nunmehr</v> <v UU>klare Verbote geben.</v> <v UU>Verboten sind das Aufstellen und</v> <v UU>Bereiten von Hindernissen, verbales</v> <v UU>Bedrängen und unwahre</v> <v UU>Tatsachenbehauptungen - auch auf</v> <v UU>Flyern und Plakaten.</v> <v UU>Außerdem können</v> <v UU>Bußgelder verhängt werden.</v> <v UU>Dies vorausgeschickt, beantworte ich</v> <v UU>Ihre Fragen wie folgt: Zu Frage 1:</v> <v UU>In Niedersachsen liegen uns keine</v> <v UU>Erkenntnisse vor, dass es bisher zu</v> <v UU>organisierten „Gehsteigbelästigungen“</v> <v UU>gekommen ist.</v> <v UU>Zu Frage 2: Wie bei jedweder</v> <v UU>Gruppierung, die</v> <v UU>öffentlichkeitswirksam für oder gegen</v> <v UU>etwas auftritt, wird zu</v> <v UU>differenzieren sein.</v> <v UU>Es gehört zum demokratischen</v> <v UU>Verständnis, auch Ansichten zu</v> <v UU>respektieren, die der eigenen</v> <v UU>diametral entgegenstehen.</v> <v UU>Das massive und missionarische</v> <v UU>Einwirken auf Menschen in einer</v> <v UU>schwierigen Lebenslage oder gar</v> <v UU>strafrechtlich relevantes Verhalten</v> <v UU>sind davon ausdrücklich ausgenommen.</v> <v UU>Zu Frage 3: <v UU>Eine von der</v> Bundesregierung eingesetzte</v> <v UU>wissenschaftliche Kommission hat sich</v> <v UU>sehr dezidiert und ausgewogen mit</v> <v UU>einer Reform der Regelung zum</v> <v UU>Schwangerschaftsabbruch</v> <v UU>auseinandergesetzt und einen</v> <v UU>ebensolchen Bericht vorgelegt.</v> <v UU>Es lohnt sich wirklich, ihn zu lesen,</v> <v UU>wenn Sie die Zeit haben.</v> <v UU>Er geht genau auf sehr viele kleine</v> <v UU>Details ein.</v> <v UU>In Deutschland ist ein</v> <v UU>Schwangerschaftsabbruch im Gegensatz</v> <v UU>zu vielen anderen Ländern immer noch</v> <v UU>ein Straftatbestand.</v> <v UU>Die Kommission empfiehlt,</v> <v UU>Abtreibungen unbedingt</v> <v UU>zu entkriminalisieren.</v> <v UU>Konkret soll ein Abbruch in der</v> <v UU>Frühphase bis zur 12. Woche</v> <v UU>ohne weitere Voraussetzungen</v> <v UU>möglich sein.</v> <v UU>Dieser Empfehlung ‑ das war ja Ihre</v> <v UU>Frage an mich ‑</v> <v UU>habe ich mich angeschlossen.</v> <v UU>Das reproduktive</v> <v UU>Selbstbestimmungsrecht der Frauen</v> <v UU>würde damit gestärkt, und der ganz</v> <v UU>überwiegende Teil der Abbrüche</v> <v UU>ungewollter Schwangerschaften könnte</v> <v UU>in einem neuen Verfahren als</v> <v UU>medizinische Leistung eingeordnet und</v> <v UU>abgerechnet werden.</v> <v UU>Keine Frau trifft eine Entscheidung</v> <v UU>zum Abbruch</v> <v UU>einer Schwangerschaft leichtfertig.</v> <v UU>Ich stehe als Gleichstellungsminister</v> <v UU>dafür, dass Frauen diese Entscheidung</v> <v UU>ohne bürokratische Hürden und</v> <v UU>Bevormundung treffen können.</v> <v UU>Zum zweiten Teil der Frage: Zu</v> <v UU>Abbrüchen über die zwölfte</v> <v UU>Schwangerschaftswoche hinaus hat sich</v> <v UU>die Kommission ebenfalls sehr</v> <v UU>dezidiert und</v> <v UU>sachverständig geäußert.</v> <v UU>Hier findet eine fundierte Abwägung</v> <v UU>zwischen dem Selbstbestimmungsrecht</v> <v UU>der Frau und dem Schutz des</v> <v UU>ungeborenen Lebens statt, die</v> <v UU>wiederum die sozialen und</v> <v UU>medizinischen Umstände einbezieht.</v> <v UU>Einen solchen Abwägungsprozess im</v> <v UU>Rahmen einer Gesetzesreform</v> <v UU>unterstütze ich</v> <v UU>ebenfalls nachdrücklich.</v> <v UU>Vielen Dank.</v> <v UU>Vielen Dank, Herr Minister.</v> <v UU>- Zur ersten Zusatzfrage hat sich aus</v> <v UU>der Fraktion der AfD die Kollegin</v>
