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Christian Schroeder

GRÜNE 22.02.2023 5:24 min Tagungsabschnitte 19/5

Keine Exoten in Zirkussen - Tierhaltung und -transportbedingungen weiter verbessern

Ich warte auch einfach, bis die Herren etwas ruhiger sind. Vielleicht können Sie jetzt neuen Gesprächsstoff liefern. - Bitte! Jetzt haben Sie das Wort. Christian Schroeder (GRÜNE): Frau Präsidentin! Meine Damen und meine Herren! „Ein Tiger ist ein Tiger ist ein Tiger... Er trägt die Farben des Feuers. Seine Bewegungen sind gleitend und gemessen.“ (Dr. Jozef Rakicky [AfD] lacht) Sie können ruhig lachen! „Er mag sein Verhalten im Umgang mit Menschen verändern, nicht aber sein Wesen - es bleibt edel. Viele Kenner, die jemals einem Tiger nahe (oder zu nahe) kamen ob Jäger, Wildhüter oder Dompteure , haben das übereinstimmend bezeugt.“ Diese Textzeilen stammen aus einem Artikel der Tageszeitung vom 31. August 1989. Das ist lange her. 13 Jahre alt war ich zu dem Zeitpunkt. Genaugenommen ist es 34 Jahre her. Und seit mindestens 34 Jahren diskutieren wir also schon in der Gesellschaft, ob wir wilde und exotische Tiere in unseren Zirkussen halten wollen oder eben auch nicht. Seit mehr als 34 Jahren diskutieren wir, ob wir diese Tiere zu unserem kurzweiligen Vergnügen und gegen ihr natürliches Verhalten Kunststücke vorführen lassen. Seit mehr als 34 Jahren diskutieren wir also, ob wir wilde und exotische Tiere täglich in ihnen unvertrauten Umgebungen bei nicht artgerechten Bedingungen und unter hohem Stress immer neuen Situationen aussetzen wollen oder nicht. Und das alles nur, damit wir unseren Kindern mal einen echten Tiger oder einen echten Bären zeigen wollen? Ich frage Sie, meine Damen und Herren, ernsthaft: Möchte denn hier irgendjemand ernsthaft behaupten, dass die Wildtiere und Exoten unter diesen Bedingungen in den Zirkussen artgerecht gehalten werden können? (Ansgar Georg Schledde [AfD]: Es sind ja keine mehr da!) Frau Jensen, der Kollege Domeier hat Ihnen eben genau diese Fragen fachkundig und fundiert argumentiert dargelegt. (Zuruf von der CDU: Nein!) Nicht nur, dass die Argumente gegen eine Zurschaustellung von exotischen Tieren und Wildtieren in unseren Zirkussen sprechen, nein, die gegenwärtigen Haltungsbedingungen tun dies ebenfalls nicht! Sowohl Tierschutz- als auch Naturschutzorganisationen weisen seit Jahren immer wieder auf die Probleme mit den Haltungsformen hin. Es ist Zeit, dass wir diesen Expert*innen endlich auch mal zuhören. Es ist Zeit, dass wir die Probleme mit der Haltung von exotischen und wilden Tieren in den Zirkussen endlich einmal angehen, und es ist Zeit, dass diese Haltung endlich verboten wird. (Beifall bei den GRÜNEN sowie Zustimmung von Jörn Domeier [SPD]) Ich bin mir sicher, Sie alle kennen genau diese Bilder von Elefanten, die unter Hospitalismus leiden. Sie alle haben sicherlich schon mal Tiger gesehen, die sich in ihren Boxen praktisch im Kreis drehen, weil sie ihrem Bewegungsdrang nicht nachkommen können. Ich bin mir sicher, dass Sie diese Bilder kennen. Warum auch nicht? Sie sind auf allen Fernsehkanälen gelaufen. Ich bin mir sicher, Sie alle wissen, dass diese Verhaltensauffälligkeiten eben nichts mit glücklichen, zufriedenen Tieren zu tun haben. (Volker Bajus [GRÜNE]: So ist das!) Aber die Kinder dürfen endlich mal einen echten Tiger sehen! - Wirklich? Ist das ein echter Tiger? Eigentlich sollen Zoos diesen Bildungsauftrag erfüllen. Und das tun sie auch. Das tun sie, wie ich finde, inzwischen auch sehr gut. Von daher ist über ein Verbot in Zoos nie die Rede gewesen. (Beifall bei den GRÜNEN und Zustimmung bei der SPD) Das liegt vor allem daran, dass die Zoos sich weiterentwickeln können, weil sie oft den Platz dafür haben. In den Zoos, wo der Platz nicht da war, haben sie darauf reagiert und ihre Tierhaltung angepasst. (Volker Bajus [GRÜNE]: So ist das!) Schon heute haben ca. 70 Kommunen häufig im Alleingang ein Verbot von Wildtieren auf städtischen Flächen ausgesprochen. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich von Verboten. Und zugegebenermaßen: Einige Verbote wurden durch Gerichte gekippt. (Jens-Christoph Brockmann [AfD]: Rechtswidrig!) Genau das ist ja der Punkt. Genau das zeigt doch, dass wir eine bundeseinheitliche Lösung brauchen, damit Klarheit geschaffen wird. Es braucht diese Lösung, um auch für Rechts- und Planungssicherheit für die Kommunen, für die Zirkusse und vor allem auch für gleiche Behandlung zu sorgen. Viele renommierte Zirkusse der Zirkus Roncalli hat nur noch Tauben und Pferde, wenn ich richtig informiert bin, der Cirque de Soleil hat gar keine Tiere mehr, (Ulf Thiele [CDU]: Der Cirque de Soleil hat noch nie Tiere gehabt! Das ist ein „Turnverein“!) der Cirque Bouffon hat auch keine Tiere mehr verzichten komplett auf alle Arten von Tieren und schaffen es trotzdem, zu überleben und nicht nur zu überleben. Da können Sie ruhig lachen. Das ist so. (Beifall bei den GRÜNEN) Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die Besucherinnen und Besucher das danken werden. Ich komme zum Schluss. Die Haltung von wilden und exotischen Tieren in Zirkussen ist aus heutiger Sicht nicht mehr zu rechtfertigen. Weder ist sie artgerecht noch beinhaltet sie irgendeinen pädagogischen Mehrwert. Allein das Halten von Wildtieren und ihre Zurschaustellung in Zirkussen ist mit unserem Selbstverständnis nicht vereinbar und in einer aufgeklärten und empathischen Gesellschaft unvermittelbar. Ich bedanke mich und hoffe, dass wir am Ende doch dazu kommen, dass wir gemeinsam einen Antrag stellen. (Beifall bei den GRÜNEN und Zustimmung von Teilen der SPD - Ulf Thiele [CDU]: Sicher nicht!) Vizepräsidentin Meta Janssen-Kucz: Vielen Dank. - Für die Landesregierung hat sich zu Wort

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