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Julia Willie Hamburg

GRÜNE 27.03.2025 5:45 min Tagungsabschnitte 19/24

Resolution des Niedersächsischen Landtages zum Evangelischen Kirchentag 2025 und zur besonderen Bedeutung der Kirchen und des interreligiösen Dialoges in Niedersachsen

Kommen Sie gerne nach vorne! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Welt ist vielfältig. In ihr treffen verschiedene ethnische Identitäten, Kulturen sowie religiöse und weltanschauliche Einstellungen tagtäglich aufeinander. Menschen mit den unterschiedlichsten Herkünften begegnen sich und leben miteinander. Leider aber ist unsere Welt gleichermaßen von Krisen geprägt. Denken wir an die Corona-Pandemie! Denken wir an den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine! Denken wir an die aktuelle Veränderung der Weltordnung, die vielen Menschen in Atem hält! Hinzu kommt, dass wir in Teilen unserer Gesellschaft eine abnehmende Bereitschaft zu Toleranz und Akzeptanz anderer Lebensentwürfe beobachten mit entsprechenden Auswirkungen auf unsere Debattenkultur. Menschen werden angefeindet, weil sie vermeintlich anders sind, wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder aber auch ihres Glaubens. Die Chancen einer vielfältigen Gesellschaft werden ausgeblendet oder gar zum Risiko umgedeutet. Genau an dieser Stelle ist es entscheidend, dass die Politik, die Zivilgesellschaft und auch die Religionsgemeinschaften gemeinsam für die Wahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts einstehen und sich engagieren. Die Kirchen das möchte ich deutlich betonen sind für die Landesregierung an dieser Stelle und auch in vielen anderen Bereichen wichtige Partnerinnen. Wir arbeiten sehr intensiv und gut mit den Kirchen zusammen und sind für diese vertrauensvolle Zusammenarbeit ausgesprochen dankbar. Am Ende liegt es an uns allen, hier Verantwortung zu übernehmen und die Gesellschaft zu gestalten. Die Rolle der Kirchen ist in dieser Hinsicht meines Erachtens eine ganz besondere. Mit ihren verschiedenen Einrichtungen und Angeboten gerade im karitativen Bereich sind sie von jeher am Wohl des Einzelnen und am Gemeinwohl orientiert. Wir haben diese Woche 70 Jahre Loccumer Vertrag, aber auch 60 Jahre Niedersachsenkonkordat und damit in diesem Sinne eine echte Erfolgsgeschichte gefeiert: Die Landesregierung und die Kirchen halten gemeinsam partnerschaftlich fest, wie sie arbeiten wollen und wie sie sich für Niedersachsen einsetzen. Uns als Landesregierung, mir als Kultusministerin und dem Kultusministerium ist der interreligiöse Dialog besonders wichtig. Wir als Kultusministerium kooperieren mit den verschiedensten Glaubensgemeinschaften, aber auch mit explizit konfessionsfreien Verbänden. Auch die Kirchenleitungen und Kirchengemeinden pflegen den Austausch mit jüdischen, mit muslimischen, mit alevitischen oder mit jesidischen Gemeinden. Ich muss deutlich sagen: Das wirkt sich positiv auch auf die Zivilgesellschaft aus. Durch das Vorbild der Begegnung in den Gemeinden oder in Institutionen wie dem bundesweit einzigartigen Haus der Religionen wird sichtbar, wie Gemeinschaft, wie die Auseinandersetzung mit den Gemeinsamkeiten, auch aber auch mit dem Trennenden funktioniert. Dafür sind wir sehr dankbar. Ein aktuelles Beispiel ist sicherlich der Weg des christlichen Religionsunterrichts. Die katholische und die evangelische Kirche in Niedersachsen arbeiten da in beispielloser Weise zusammen und bringen dieses wichtige Thema voran. Sie zeigen: Man muss sich auf die Gemeinsamkeiten fokussieren, aber auch den eigenen Standort bestimmen, um am Ende zueinanderzufinden. Insofern an dieser Stelle herzlichen Dank an die Konföderation und das Katholische Büro! Ich freue mich wirklich besonders, dass der 39. Kirchentag in wenigen Wochen hier in Hannover stattfinden wird und dass er Raum bieten wird für kirchliche, für religiöse, aber auch für gesellschaftliche Debatten. Das zeigen in der Tat Herr Mennen, Sie haben es ausgeführt die Programme vergangener Kirchentage. Zum Beispiel wurden auch in diesem Zusammenhang die Friedensfrage in den 80er-Jahren, das Zusammenwachsen von Ost und West und die Klimafrage diskutiert. Das Besondere an Kirchentagen ist, dass Menschen aller Generationen zusammenkommen und ein sehr außergewöhnliches und attraktives Programm die vielfältigsten Perspektiven enthält. Sie prägen damit die gastgebende Stadt und setzen damit Signale in die Öffentlichkeit. Ich bin den Kirchen in der Tat dankbar, dass sie dieses wichtige zivilgesellschaftliche Engagement weitertragen, und das, obwohl wir wissen, dass auch die Kirchen immer wieder auf den Euro gucken müssen. Danke, dass es Ihnen das wert ist, dass Sie die Menschen in Hannover und in ganz Deutschland zusammenbringen, um hier „mutig, stark und beherzt" zu sein, wie es im 1. Brief des Paulus an die Korinther heißt - ein Motto, das für diese Zeit, wie ich glaube, kaum treffender formuliert werden kann. Insofern freuen wir uns sehr darauf, dass Sie das ausrichten. Ich hoffe, dass ich viele von Ihnen bei diesem Kirchentag sehen kann. Ich erinnere mich gerne an 2005 zurück, als ich mich bei dem Kirchentag in Hannover ehrenamtlich engagieren konnte. Dieses Miteinander, diese Solidarität, diese Gemeinschaft sind beispiellos. Kirchentage sind großartig, und sie sind auch ein gutes Vorbild für das Zusammenleben außerhalb dieser Kirchentage. Deswegen bin ich den Fraktionen von SPD, CDU und auch Bündnis 90/Die Grünen sehr, sehr dankbar, dass sie das große Engagement der evangelischen Kirchen auch ihrer Konföderation und auch der Bundesebene würdigen; denn dieses Engagement ist überhaupt nicht selbstverständlich. Dass es aber für die Kirchen selbstverständlich ist, ist ein riesiger Wert für sich. Wir als Landesregierung freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit den Kirchen. Ich hoffe, dass Sie hier im Landtag dieser Resolution mit einer breiten Mehrheit zustimmen werden.

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