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Jörg Hillmer

CDU 26.06.2025 4:30 min Tagungsabschnitte 19/26

Beförderung der Exzellenz für Niedersachsens Universitäten durch Entideologisierung

Kollege Jörg Hillmer. Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wissenschaft ist ein Suchprozess, der häufig mit einer Idee, mit einer These beginnt, die sich in Versuchen verifizieren lässt - oder eben auch nicht. Vernunftbegabte Menschen akzeptieren das Ergebnis ihrer Versuche und folgen dem Verifizierungspfad vielleicht mit einer neuen These, die sich dann bewahrheitet - oder auch nicht. Andere wiederum hadern mit den Versuchsergebnissen und der Wirklichkeit und halten an ihren Ideen fest. Sie entwickeln Ideologien, die es erlauben, auch ohne Wahrheitsbeweis recht zu behalten. Mit Wissenschaft hat das dann nichts mehr zu tun. Meine Damen und Herren, Ideologie ist das Gegenteil von Wissenschaft. Ich würde nicht behaupten, dass die niedersächsischen Hochschulen ein ideologiefreier Raum sind. Aber in dem Maße, in dem sich Ideologie ausbreitet, geht Wissenschaftlichkeit verloren. Das sehen wir dann in internationalen und nationalen Rankings und auch in Bewerbungen um Exzellenz. Wir haben heute Morgen darüber gesprochen. Selbst die wohlwollendste Betrachtung des Ministers war nur: Wir treten auf der Stelle. Unsere Hochschulen haben da noch viel Luft nach oben. Meine Damen und Herren, die Lösung sind aber nicht Ideologiebefreiungskommandos oder Wahrheitskommissionen. Die Lösung liegt im wissenschaftlichen Ehrgeiz. Forscherinnen und Forscher, die sich um Relevanz und Anerkennung in der wissenschaftlichen Community bemühen, verzichten nämlich auf Ideologien, und Hochschulleitungen, die ihre Einrichtungen nach vorne bringen wollen, suchen keine Ideologen für ihre Lehrstühle. Veröffentlichungen, Zitationen, internationale Rankings und die Exzellenzinitiative des Bundes mögen fehlerhafte Indikatoren sein. Aber wer in allen Kategorien durchfällt, hat sicher ein Problem. Wer bei allen Indikatoren vorne liegt, leistet sicher einen Beitrag dafür, dass dieses Land auch in Zukunft erfolgreich sein wird. Zum vorliegenden Antrag der AfD: Bis zur ersten Hälfte der Überschrift gehe ich sogar mit: „Beförderung der Exzellenz für Niedersachsens Universitäten". Aber was dann kommt, ist doch erschreckend! Sie wollen die Universitäten entideologisieren mit einem Antrag, der seinerseits nur so von Ideologie trieft. Entideologisierung durch Gegenideologie - Frau Schülke, wer hat Ihnen das aufgeschrieben? Dieser Antrag, der von Ihrer Fraktion kollektiv beschlossen und vom Parlamentarischen Geschäftsführer Herrn Brockmann unterschrieben ist, geißelt sogenannte Agendawissenschaften und gipfelt in der Aussage: „Es ist somit ein Gebot der Wissenschaftshygiene, derartige Strömungen aus den deutschen Universitäten zu entfernen ..." Was soll das denn? Ich wiederhole das noch mal: „Es ist somit ein Gebot der Wissenschaftshygiene, derartige Strömungen aus den deutschen Universitäten zu entfernen ..." Ist das dann entartete Wissenschaft? Was soll das? Was unhygienisch ist, muss gereinigt und desinfiziert werden. Das steckt in dem Wort „Hygiene". Meine Damen und Herren, die Wissenschaftsfreiheit ist eine Konkretisierung der Meinungsfreiheit. Gibt es dann bei Ihnen auch eine Meinungshygiene? Wie stellen Sie sich eine Desinfektion dann genau und konkret vor? Wir haben uns mit gutem Grund in diesem Haus darauf verständigt, Vergleiche mit dem Nationalsozialismus zu vermeiden und darauf zu verzichten. Aber wenn etwas quakt und watschelt wie eine Ente Ich halte diese Drucksache 19/5643, die Sie ganz offiziell und ohne Not eingereicht haben, für viel radikaler als jede Remigrationsdebatte oder sonstige, die Sie geführt haben mögen. Vielen Dank für den offenen Einblick in die Seele Ihrer Partei und Fraktion!

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