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Karin Emken

SPD 04.03.2026 6:53 min Tagungsabschnitte 19/32

Landesaktionsplan Gute Geburt: Eine gesunde und gute Geburt für Mütter und Kinder sicherstellen

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie es mich gleich zu Beginn sagen: Die flächendeckende geburtshilfliche Versorgung in Niedersachsen ist gegeben und insbesondere in unseren Städten gut bis sehr gut. Aber in bestimmten ländlichen Regionen sieht es anders aus. Dort kann man sie nur noch als ausreichend bezeichnen; denn dort kann es passieren und es passiert, wie mir berichtet wurde, dass sich Frauen nicht mehr ganz sicher sein können: nicht ganz sicher, eine wohnortnahe Klinik zu finden und dort nicht wegen Überfüllung abgewiesen zu werden; nicht ganz sicher, von einer Hebamme betreut zu werden, die Ruhe und Zeit hat, sich intensiv um sie zu kümmern, und nicht gleichzeitig zwei, drei andere werdende Mütter zu betreuen hat; nicht ganz sicher, eine Hebamme zu finden, die die Wochenbettbetreuung übernimmt; nicht sicher, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche aufgrund der strukturellen Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Für uns hat eine wohnortnahe, sichere und frauenzentrierte Geburt höchste Priorität. Frauen und ihre Familien müssen sich überall in unserem Land darauf verlassen können. Doch in den letzten Jahren wurden auch in Niedersachsen viele Geburtsstationen geschlossen. Mit jeder Geburtsklinik, die wegfällt, verschwindet ein Geburtsort ersatzlos von der Landkarte. Die Wege für viele Frauen in ländlichen Regionen haben sich dadurch verlängert, und es ist ein riesiger Unterschied, ob sie für den Weg zur Klinik 10 Minuten oder 40 Minuten brauchen und bei einer Abweisung nochmals 40 Minuten oder länger weiterfahren müssen. Denn die Geburt eines Kinds ein Ausnahmeereignis, eine einzigartige Erfahrung, ja im Grunde ein Wunder und einer der prägendsten Momente im Leben der Mutter und ihres Kinds ist nicht planbar. Sie beginnt, wenn es so weit ist, und dauert so lange, wie sie dauert. Und wir wissen: Eine längere Fahrzeit erhöht das Risiko von Komplikationen; sie ist häufig mit einem schlechteren Geburtsverlauf und negativen Geburtserfahrungen verbunden. Verschärfend kommt hinzu: Aufgrund des neuen Hebammenhilfevertrags, der seit November 2025 in Kraft ist, haben auch bei uns in Niedersachsen Hebammen gekündigt: 14 bis Ende Januar 2026. Jede Hebamme, die kündigt, ist für das fragile System eine zu viel und verschärft die Gefahr eines Mangels an Hebammen, die Geburten betreuen, und die Gefahr von überlasteten Kreißsälen. Wir beobachten auch bedenklich steigende Kaiserschnittraten, die durch den strukturellen Druck bedingt sein könnten. Denn Unsicherheit, Angst und Stress beeinflussen den Geburtsverlauf erheblich und können Komplikationskaskaden auslösen. Erfahrungen aus anderen Ländern bestätigen, dass eine kontinuierliche, zugewandte Betreuung unter der Geburt zu mehr physiologischen Geburten, zu wenigen Interventionen und zu einer kürzeren Geburtsdauer führt. Eine professionelle Betreuung durch eine Hebamme verbessert nachweislich den Prozess für Mutter und Kind. Ich möchte Herrn Minister Philippi an dieser Stelle dafür danken, dass er diese Entwicklungen im Blick hat und sich intensiv dafür einsetzt, dass der Hebammenhilfevertrag auf Bundesebene zeitnah evaluiert und überarbeitet wird, um Verbesserungen zu erreichen. Ich weiß, dass Minister Philippi diese Thematik auch bei der Gesundheitsministerkonferenz auf die Tagesordnung setzen wird. Denn die Auswirkungen des Hebammenhilfevertrags beschäftigen momentan fast alle Länderparlamente. Noch einmal: Für uns hat eine wohnortnahe, sichere und frauenzentrierte Geburt höchste Priorität. Die Frau, ihre Perspektive, ihre Selbstbestimmung, ihr Wohlbefinden und das ihres Kindes müssen im Mittelpunkt stehen. Darauf sollten Entscheidungen, Maßnahmen und Regelungen ausgerichtet sein. Eine gute Hebammenversorgung ist dabei zentral und unabdingbar. Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche. Es gibt den Antrag auf eine Zwischenfrage von Herrn Holsten. Würden Sie die zulassen? Nein, danke. Die Frage ist also: Wie und wann ermöglichen wir allen Frauen durch beste Rahmenbedingungen Geburten, die sicher, würdevoll und bestärkend für Mutter und Kind sind? Wir haben strukturelle Probleme, und strukturelle Probleme erfordern politisches Handeln. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, damit sich die Situation nicht weiter verschärft. Deshalb bitten wir die Landesregierung mit diesem Entschließungsantrag, einen Landesaktionsplan Gute Geburt aufzulegen, um die Versorgung in Niedersachsen sicherzustellen und den Hebammenberuf zu stärken. Wir brauchen diesen Landesaktionsplan schnell. Das wurde in der Anhörung hierzu im Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung von den geladenen Verbänden immer wieder eindringlich betont. Ich freue mich, dass heute Vertreterinnen der Verbände hier sind, und begrüße Frau Huhndorf vom Hebammenverband Niedersachsen, Frau Scholz-de Wall und Frau Lindemann Frau Emken, Sie dürfen sie nicht aus dem Parlament heraus begrüßen. Aber Sie können sich natürlich für das Kommen bedanken. Okay: Und ich bedanke mich sehr. Vielen herzlichen Dank! Bei dem Prozess zur Erstellung des Landesaktionsplans sind die maßgeblichen Berufsfelder im Gesundheitswesen in runde Tische oder ähnliche Formate einzubinden. Darum bitten wir. Eine gute Geburtspolitik ist Familien-, Gesundheits- und Gleichstellungspolitik zugleich. Wenn wir den Gebärenden Fürsorge, Respekt und Sicherheit gewährleisten, legen wir den Grundstein für eine gesunde Gesellschaft. Eine gute, selbstbestimmte Geburt ist kein Luxus, sie ist ein Menschenrecht. Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die allen Frauen eine selbstbestimmte Geburt sicherstellen. Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, einen sicheren und würdevollen Start ins Leben zu ermöglichen. Das wollen tun. Danke schön.

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