landtag-niedersachsen.de ↗

Lena Nzume

GRÜNE 29.04.2026 4:39 min Tagungsabschnitte 19/33

Zukunftssichere Lehrkräfteausbildung gestalten - den Vorbereitungsdienst stärker auf schulpraktische Anforderungen der inklusiven Schule ausrichten!

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Dass die AfD eine düstere Zukunft ausmalt, ist nichts Neues und spricht ja auch dafür, dass sie nicht verstanden hat, worauf wir hinauswollen. Ich erinnere mich im Gegensatz dazu noch an meine Grundschullehrerin Frau Meentzen. Ich war acht Jahre alt, ich kam mit wenig deutschen Sprachkenntnissen aus Kamerun nach Deutschland, und meine Lehrerin Frau Meentzen hat mir nicht nur die deutsche Sprache beigebracht, sie hat mir auch das Gefühl gegeben: Ich gehöre dazu, ich werde gesehen, ich kann etwas. Das ist Schule in der besten Form, und Lehrkräfte, die das leisten können, sind gestützt durch ein System, das ihnen den Rücken stärkt, und sie sind gut ausgebildet. Und genau darum geht es heute. Der Vorbereitungsdienst ist eine entscheidende Brücke zwischen Studium und Beruf. Aber diese Brücke hat Risse. Viele angehende Lehrkräfte erleben den Berufseinstieg nicht als professionelle Lernphase, sondern als Belastungstest in Dauerschleife. Der sogenannte Praxisschock ist ein Ergebnis struktureller Defizite, und genau diese werden wir mit unserem Antrag beheben. Ich möchte aber auch klar benennen, was hinter diesen Strukturen steckt, was Referendare berichtet haben, was der Verein „Rettet das Ref" seit Jahren dokumentiert und öffentlich gemacht hat: psychischer Druck als Dauerzustand, Angstkultur obwohl Fehler dazugehören, starre Hierarchien, willkürliche Bewertung. Genau das müssen wir ändern, und genau das werden wir ändern. Zu viele bleiben im Referendariat auf der Strecke - nicht, weil sie schlechte Lehrkräfte wären, sondern weil das System sich schlicht nicht trägt, weil es kein fest verankertes Beschwerdemanagement gibt. Genau das ändern wir mit unserem Antrag. Wir schaffen ein wirksames, niedrigschwelliges Beschwerdemanagement. Wir schaffen auch einheitliche Ausbildungsstandards denn es kann nicht sein, dass die Qualität der Ausbildung davon abhängt, wo man sein Referendariat absolviert hat: gleiche Regeln, gleiche Unterrichtsbesuche, gleiche Bewertungen und nachvollziehbare Kriterien bei der Notengebung, Transparenz von Anfang an, systematische Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung durch regelmäßige Befragungen, ein strukturiertes System. Denn genau so schaffen wir, dass wir mehr Lehrkräfte ins System kriegen - Lehrkräfte, die wir dringend brauchen, Lehrkräfte, die gut ausgebildet sind. Leider gibt es aber auch einige in diesem Haus, die behaupten, die Probleme unserer Schulen ließen sich lösen, indem wir Inklusion rückabwickeln, Diversität als Bedrohung sehen und Lehrkräfte auf Drill und Disziplin reduzieren. Meine Herren und Damen von der AfD: Ihre Politik ist postfaktisch. Sie ignorieren, was Wissenschaft und Praxis seit Jahren zeigen: dass Inklusion funktioniert, wenn sie richtig unterstützt wird, dass Mehrsprachigkeit eine Stärke ist, dass Kinder keine homogene Masse sind, die man nach einem Schema von 1933 unterrichten kann. Zukunftsfeindlichkeit ist kein Bildungskonzept, Angstmacherei ist keine Pädagogik. Wir brauchen stattdessen Kohärenz zwischen Studium und Vorbereitungsdienst, echtes Lernen im Referendariat, weniger Leistungsdruck, mehr Reflexion, Peer Learning, Teamteaching - all das. Drittens brauchen wir Diversität im Zentrum, Diagnostik, Deutsch als Zweitsprache, diskriminierungskritische Ansätze, Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das alles sind keine Randthemen. Viertens brauchen wir moderne Prüfungsformate. Die schriftliche Arbeit gehört abgeschafft. Wir haben es schon gehört. Wir brauchen aber auch neue Lernformen. Wenn wir sagen, Lehrkräfte sind EntwicklungsberaterInnen, sie sind LernentwicklungsunterstützerInnen unserer Kinder, dann brauchen sie auch Handwerkszeug dafür, und dann braucht es nicht mehr diese Schaustunde von 45 Minuten. Dazu hatte mein Kollege Herr Meyn gerade ausgeführt. Wir brauchen angemessene, zukunftsorientierte Prüfungsformate. Frau Kollegin Nzume, lassen Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Fühner zu? Sehr gerne. Bitteschön, Herr Kollege Fühner! Vielen Dank, Frau Kollegin, dass Sie die Zwischenfrage zulassen.

Alle Reden von Lena Nzume Rede ansehen ↗