Pascal Mennen
Sprache als Schlüssel zur Bildung von Anfang an stärken: Frühkindliche Sprachförderung neu denken!
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte KollegInnen! Tue Gutes, und sprich darüber! Ich übernehme das mal für Sie, sehr geehrte KollegInnen von der CDU. Denn vor acht Jahren hat das Land Niedersachsen unter Regierungsbeteiligung der CDU die Sprachförderung im Niedersächsischen Kita-Gesetz geregelt, und Sie tun heute hier so und haben das auch im Ausschuss schon getan, als gäbe es eine solche Feststellung und Förderung kaum bis gar nicht - frei nach dem Motto: Tue Gutes, und vergiss es wieder! Oder: Wirf anderen vor, sie wären nicht informiert! Auch das ist ja heute passiert. Es ist aktuell nicht nötig, das bestehende Konzept der Feststellung und Förderung gänzlich neu aufzustellen. Und es ist auch nicht nötig, die Grundschullehrkräfte in diesen Kita-Prozess vor der Einschulung stärker einzubeziehen. Ich habe mich gestern mit VertreterInnen des Deutschen Kitaverbandes getroffen. Liebe CDU, Sie kennen die Fachleute des Verbandes, und ich nehme an, Sie schätzen ihren Rat. Der lautete unmissverständlich man sagte mir, das habe auch Sie erreicht: Die Förderung sollte alltagsintegriert passieren. Eine Überprüfung durch Lehrkräfte von außen in der Form des Antrags wird abgelehnt. Obwohl Sie das wissen, beharren Sie auf Ihrer Position. Das erstaunt, ehrlich gesagt, nicht nur mich. Die Kita ist ein geschützter Raum, eine in gegenseitigem Vertrauen gewachsene Gruppe - Kinder, Eltern und ErzieherInnen kennen und respektieren einander. In diesem Zusammenspiel findet die alltagsintegrierte Sprachförderung statt. Es sind doch die ErzieherInnen, die die Kinder jeden Tag erleben, die mit ihnen sprechen, die ihnen zuhören und in diesem Setting Bedarfe erkennen und Maßnahmen zur Unterstützung auf den Weg bringen: Dokumentieren, Eltern informieren usw. - das ist die geübte Praxis. Gerade weil ein so starkes Vertrauen zwischen Kindern und ErzieherInnen gewachsen ist, ist auch die Akzeptanz für notwendige Sprachfördermaßnahmen höher, als wenn sie durch externe Personen verordnet werden. Es ist pädagogisch nicht klug, von außen stärker in diesen hoch sensiblen Kita-Raum einzudringen. Auch die Wissenschaft zeigt im Übrigen, dass das kindliche Gehirn bis zum siebten Lebensjahr eigentlich nur in der Lage ist, alltagsintegriert Sprache zu erlernen und zu erwerben. So würde es nach Ihrem offiziellen Diagnoseverfahren im Prinzip weitergehen wie auch bisher. So wird ein wichtiger Prozess erstens überflüssigerweise bürokratisiert und zweitens entfremdet. Gerade für Kinder mit Sprachdefiziten und Sprachförderbedarfen kann eine solche Situation belastend sein und den Lernprozess am Ende eher hemmen als fördern. Liebe KollegInnen der CDU, im Kern verfolgen wir hier in Niedersachsen doch ein gemeinsames Ziel: sicherzustellen, dass Kinder mit Sprachdefiziten eine qualitativ hochwertige Förderung erhalten. Wir sind uns doch völlig einig, dass Sprache das Instrument der Lernfähigkeit, des sozialen Miteinanders oder auch der Integration ist. Anstatt hier ohne jede Not in ein funktionierendes System einzugreifen, sollten Sie lieber Ihre Unions-Innenminister in Berlin auffordern, den völlig absurden Kahlschlag bei freiwilligen Integrationskursen zu stoppen. Ich könnte Ihnen jetzt die Geschichte meines syrischen Nachbarn erzählen, der plötzlich 1 500 Euro für einen Sprachkurs bezahlen müsste - Geld, das er nicht hat, das er aber braucht, um die Krankenpflegeausbildung beginnen zu können. Ich weiß, das ist ein anderes Alter, aber trotzdem das gleiche Thema. Investitionen in Sprache sind immer kluge Investitionen. Wir haben in dieser Legislatur bereits in Lesen und Schreiben, in Sprach-Kitas und Spracherwerb in Schule investiert und werden das weiterhin tun. Die Liste ist länger, sie wurde uns im Kultusausschuss vorgestellt. Darum ist es aber auch gut und richtig, dass Ministerin Hamburg noch einmal darauf hinweist: Der Integrationsbooster Sprachförderung muss immer weiterentwickelt werden. Bundesweit einheitliche Standards Stichwort: Qualitätsentwicklungsgesetz sind erstrebenswert. Herr Kollege Mennen, kommen Sie bitte zum Schluss! Nehmen Sie auch das gerne mit. Auch wir werden natürlich weiterhin die Sprachförderung verbessern. Danke schön. Vielen Dank, Herr Kollege Mennen. - Als Nächstes hat
