Anne Kura
Niedersachsens Biotopverbund stärken und der Biodiversitätskrise begegnen
geehrter Herr Präsident! Liebe KollegInnen! Alles neu macht der Mai. In ein paar Tagen ist es wieder so weit, und wer jetzt gerade draußen unterwegs ist, der spürt, was damit gemeint ist: das frische Grün an den Bäumen, die singenden Lerchen über den Feldern, summende Hummeln in duftenden Obstbaumblüten. Ich freue mich schon richtig drauf, bzw. ein bisschen ist es jetzt auch schon so: Der Frühling leuchtet, duftet und klingt. Aber das Leuchten wird blasser, der Duft schwächer und der Klang leiser. Grund dafür ist der dramatische Rückgang der Artenvielfalt. Der Mai kann nur das erneuern, was der Mensch nicht vorher zerstört hat. Gefällte Bäume ergrünen nicht, geteerte Wiesen blühen nicht auf. Mit jedem neu versiegelten Quadratmeter schwächen wir unser Ökosystem und damit unsere Lebensgrundlage. Deshalb haben wir, hat die rot-grüne Landesregierung in den letzten Jahren wichtige Maßnahmen ergriffen: Moorschutz, Biodiversitätsschutz in der Landwirtschaft, Stärkung der Ökologischen Stationen, Wiesenvogelschutz und vieles mehr. Liebe KollegInnen, Schutzgebiete und Renaturierungen sind wichtig, aber isolierte Inseln in einer intensiv genutzten Landschaft reichen nicht. In möglicherweise trockenen Worten wie Verbundkorridoren oder Trittsteinbiotopen, die in unserem Antrag stehen, steckt etwas sehr Lebendiges. Gemeint sind nämlich Hecken, Uferstreifen an Bächen und Flüssen, Blühflächen, Waldränder, Lebensadern. So, wie unsere Organe die Blutbahnen brauchen, so braucht das Ökosystem Verbindungen, und genau das ist der Biotopverbund: die Lebensadern unserer Landschaft und vernetzte Lebensräume. Liebe KollegInnen, dieses Haus hat das in seiner Gesamtheit auch bereits erkannt, und mit dem „Niedersächsischen Weg" wurden Ziele für den Schutz des Biotopverbunds festgelegt. Diese Ziele sind aber noch nicht erreicht. Zu lange ging es nämlich nicht schnell genug. Es ist gut, dass unter Rot-Grün in den letzten Jahren intensivere Maßnahmen für die Stärkung des Biotopverbunds auf den Weg gebracht wurden, unter anderem in den Arbeitsgruppen des „Niedersächsischen Weges". Es gibt Konzepte, es gibt Arbeitshilfen, es gibt Förderratgeber. Aber, liebe KollegInnen, es ist wichtig, dass wir jetzt nicht nachlassen. Mit diesem Antrag, den wir heute verabschieden wollen, untermauern wir, dass die Realisierung des Biotopverbunds noch konsequenter verfolgt werden muss. Es ist zum Beispiel wichtig, dass der Biotopverbund bei der Novellierung des Landes-Raumordnungsprogramms planungsrechtlich verbindlich gesichert wird. Das Land geht bei eigenen Flächen mit gutem Beispiel voran. Für die kleinräumige Vernetzung vor Ort ist die kommunale Ebene entscheidend, und deswegen unterstützen wir sie: mit Fördermaßnahmen, bei der Sicherung im Rahmen von Regionalen Raumordnungsprogrammen, bei der Bauleitplanung, bei der Aktualisierung von Landschaftsrahmenplänen, mit Praxisleitfäden, Best-Practice-Beispielen und Arbeitshilfen. Der Biotopverbund braucht Fläche, und Fläche ist knapp. Der Nutzungsdruck wächst: Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft, Energie - alles wichtige Gründe. Damit wir sorgsam damit umgehen können, brauchen wir auch aktive Instrumente wie Flächentausch, Kompensationsflächenpools, Flurneuordnung, aber auch den Flächenkauf zusätzlich zum langfristigen Vertragsnaturschutz. Es ist auch wichtig, dass wir die Zerschneidung minimieren. Da, wo Infrastruktur auch neue unvermeidbar ist, soll sie gebündelt werden, und dort, wo sie bereits trennt, braucht es eine Wiedervernetzung. Liebe KollegInnen, in der Anhörung haben alle Verbände unterstrichen, dass das Ziel des Biotopverbunds richtig ist, und wir haben auch noch einige Anregungen in den Antrag aufgenommen. Denn jede Schutzfläche für die Artenvielfalt ist wichtig, aber erst mit den Brücken, mit dem Netzwerk können wir Arten wie Heidehummel, Feldhamster, Igel und Birkhuhn wirksam schützen. Zudem stärkt der Biotopverbund die natürliche Klimavorsorge und übernimmt Verantwortung für kommende Generationen. Damit der leuchtende, duftende, klingende Frühling in Niedersachsen nicht nur als Erinnerung bleibt und damit der Mai auch zukünftig alles neu machen kann, bitte ich um Zustimmung zu diesem Antrag.
