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Swantje Schendel

GRÜNE 20.11.2025 3:20 min Tagungsabschnitte 19/29

Starker Start ins Leben: Babybegrüßungsgeld einführen und Familien entlasten!

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe KollegInnen! Ich freue mich immer, nach so einer Rede wieder zur Sache kommen zu dürfen und ein bisschen runterzufahren. Der Antrag der AfD macht ganz große Worte, er verfehlt aber den Kern der Sache. Denn wer glaubt, dass ein paar Tausend Euro wirklich darüber entscheiden würden, dass Menschen mehr Kinder bekommen, der ignoriert die Realität von Familien und vor allem die Realität von Frauen. Warum gibt es schon seit Jahrzehnten einen Geburtenrückgang? Das hat nichts mit fehlenden Einmalzahlungen zu tun. Das hat mit Strukturen zu tun, die das Leben mit Kindern schwerer machen und vor allem Frauen belasten. Frauen bekommen nicht weniger Kinder, weil sie kein Begrüßungsgeld erhalten. Sie bekommen weniger Kinder, weil unsere Gesellschaft noch immer von ihnen erwartet, den Großteil der Sorgearbeit zu übernehmen - und das auch dort, wo Kindertagesstättenstrukturen und Betreuung sehr gut ausgebaut sind. Das zeigt sich ganz klar an den Zahlen. Nur 6 % der Väter in Deutschland mit kleinen Kindern arbeiten in Teilzeit, aber über 70 % der Mütter. Das ist kein persönlicher Wunsch, das ist ein System, und zwar eines, das Frauen Einkommen, Rente und berufliche Perspektiven kostet. Mit zwei Kindern verlieren Frauen im Durchschnitt 64 % ihres Erwerbseinkommens gegenüber Männern. Das ist strukturelle Benachteiligung, die es zu beseitigen gilt. Und die AfD schlägt ein Begrüßungsgeld vor, aber nur für deutsche Staatsangehörige. Eine Maßnahme, die Kinder nach Pass sortiert, ist aber nicht lösungsorientiert, sondern nur eines: diskriminierend. Was führt tatsächlich dazu, dass Familien mehr Kinder zu bekommen? Das ist doch die eigentlich spannende Frage. Und was führt dazu, dass sich auch Frauen dafür entscheiden, die bisher kinderlos sind? Dazu hat die Nobelpreisträgerin Claudia Goldin in ihren Studien Folgendes gezeigt: je gerechter die Aufteilung von Kinderbetreuung und Hausarbeit, desto höher die Geburtenrate. Nicht Herkunft, nicht Staatsangehörigkeit und schon gar nicht Einmalzahlungen entscheiden darüber, sondern Gleichberechtigung. Das sage nicht ich, das sagen die Fakten, liebe Herren. Länder, in denen Väter selbstverständlich Verantwortung übernehmen, haben stabilere Geburtenzahlen. Bei uns aber nehmen viele Väter noch immer keine Elternzeit. Über 80 % der unbezahlten Sorgearbeit bleibt weiterhin an Frauen hängen. Und solange das so bleibt, solange entscheiden sich Frauen gegen Kinder. Eine moderne Familienpolitik stärkt Familien und Gleichberechtigung. Sie sorgt für gute Betreuungsstrukturen, aber auch für faire Arbeitsbedingungen für ErzieherInnen, für flexible Arbeitszeiten für beide Elternteile und ein Steuersystem, das Gleichstellung ermöglicht, anstatt das Einverdienermodell zu belohnen. Vor allem aber traut sie Männern zu, Verantwortung zu übernehmen. Liebe KollegInnen, Familien brauchen keine symbolischen Schecks, sie brauchen gerechte Strukturen, und das ist unser aller Aufgabe. Leugnen wir das nicht, sondern packen wir es an!

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