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Dr. Andreas Philippi

18.06.2024 8:43 min Tagungsabschnitte 19/17

Gefahren der Humanen Papillomviren: Welche Maßnahmen unternimmt die Landesregierung zur Bekämpfung?

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Humane Papillomviren gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen und stellen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar: Nach Daten des Krebsregisters am Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 6 250 Frauen und ca. 1 600 Männer an HPV-bedingten Karzinomen - eine ebenso hohe wie vermeidbare Zahl an Krebserkrankungen. Die effektivste Maßnahme gegen HPV-Infektionen ist die prophylaktische Schutzimpfung im Sinne einer primären Prävention. Das heißt, die rechtzeitige Impfung kann an dieser Stelle Karzinome verhindern. HPV-Impfstoffe schützen zu fast 100 % vor einer Infektion mit in den Impfstoffen enthaltenen HPV-Typen. Insgesamt gibt es über 60 HPV-Subtypen, von denen insbesondere die mit den Nummern 16 und 18 Krebs induzieren können. Durch die Verwendung von Kondomen kann eine HPV-Infektion nicht sicher verhindert werden. Trotzdem schützen sie natürlich vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Bestimmte HPV-Typen können außer auf den Schleimhäuten auch auf der Haut im Genital- und Analbereich vorkommen, sogenannte Condylome oder Genitalwarzen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit 2007 für Mädchen und seit Juni 2018 auch für Jungen die Impfung gegen HPV im Alter von 9 bis 14 Jahren. Eine verpasste Immunisierung sollte bis zum Alter von 17 Jahren unbedingt nachgeholt werden. Für eine komplette Grundimmunisierung sind im Alter von 9 bis 14 Jahren zwei Impfungen im Abstand von mindestens 5 Monaten notwendig. Wenn die erste HPV-Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter verabreicht wird, sind insgesamt drei Impfungen notwendig. Die Impfung sollte optimalerweise vor Aufnahme erster sexueller Kontakte durchgeführt werden, da sonst kein sicherer Schutz mehr erreicht werden kann. Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland haben gezeigt, dass 94 % der Mädchen und 97 % der Jungen zum Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs älter als 14 Jahre sind. Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen wie folgt: Zu Frage 1: Die HPV-Impfquoten sowohl in Niedersachsen als auch deutschlandweit steigen kontinuierlich, aber zu langsam an. Niedersachsen liegt laut den aktuellsten Zahlen mit einer Impfquote von 54,8 % der Mädchen unter 15 Jahren und 18,1 % der Jungen unter 15 Jahren leicht über dem Bundesdurchschnitt. Das Präventionspotenzial ist also bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Zahlen zeigen: 45 % der Mädchen und über 80 % der Jungen sind noch ungeimpft. Die HPV-Impfquoten sind im Vergleich zu anderen empfohlenen Schutzimpfungen niedrig, sodass hier ein besonderer Bedarf besteht. Wenn Sie sich zum Beispiel auch mal selber über den Stand Ihrer Impfungen oder möglicherweise über den Stand der Impfungen Ihrer Kinder oder Enkelkinder informieren wollen, empfehle ich Ihnen den ganz alten analogen Impfausweis. Hier steht hinten drauf, gegen was wann geimpft werden soll - unter anderem auch Jugendliche von 9 bis 17 Jahren gegen HPV. Aber auch alle anderen Impfungen können da nachgeprüft werden. Es empfiehlt sich, das von Zeit zu Zeit zu tun. Zu Frage 2: Was waren der Zweck und der Anlass der HPV-Aktionswoche der Landesregierung? In der vergangenen Woche haben wir die Aktionswoche unter dem Motto „T(w)o be safe - 2 HPV-Impfungen für 2-fachen Schutz“ durchgeführt. Ziel dieser Aktionswoche war es, über die HPV-Impfung aufzuklären, Ängste zu reduzieren und Vertrauen zu stärken und vor allen Dingen die Impfmotivation zu steigern. Der langfristige Zweck der Aktionswoche ist die Erhöhung der Impfquote bei der HPV-Impfung. Die Ziele können durch diese landesweite Informations- und Aufklärungsaktion an allen weiterführenden Schulen in Niedersachsen umgesetzt werden. Hier können Schülerinnen und Schüler von der 5. bis zur 10. Klasse, also im STIKO-empfohlenen impffähigen Alter 9 bis 14 Jahre, exzellent erreicht werden. Durch den aufsuchenden Charakter ist das Angebot besonders niederschwellig. Zu Frage 3: Die Initiative und Federführung der HPV-Aktionswoche liegt im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. Im Rahmen der ressortübergreifenden Arbeiten haben wir mit dem Kultusministerium kooperiert. Diese Zusammenarbeit mit dem MK im Kontext Impfen hat sich schon lange bewährt. Über viele Jahre hinweg sind wir hier eng miteinander unterwegs. Um die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen in Niedersachsen auf die Schutzmöglichkeit durch die HPV-Impfung aufmerksam zu machen, wurden im Vorfeld alle weiterführenden Schulen über die HPV-Aktionswoche mit zwei Infoschreiben informiert. Hierbei wurden unter anderem auf die ausführlichen Infoseiten des MS hingewiesen sowie eine Plakatdatei zum Ausdrucken für die Schulen übermittelt. Die Seiten des MS enthalten umfangreiche Informationen zu den Materialien. Im Vorfeld wurden die Schulen gebeten, die Informationen der Schulgemeinschaft bekanntzumachen. Um die Schulen weiter zu unterstützen standen die örtlichen Gesundheitsämter sowie Studierende der Medizin aus Hannover und Oldenburg bereit, um Lehrkräfte zum Beispiel im Rahmen eines Schulbesuches zu unterstützen. Für alle Lehrkräfte wurden zudem kostenlose Onlinefortbildungen zum Thema HPV des Krebsinformationsdienstes angeboten. Auch die Schüler- und Elternvertretungen wurden über die Aktionswoche informiert. In der vergangenen Woche waren wir zudem mit einem großen Aktionsstand auf der IdeenExpo. Ein Teil dieses Aktionsstandes steht draußen in der Portikushalle, nämliche unsere Fotobox, die Sie heute benutzen können, indem Sie sich fotografieren lassen, um sozusagen die „T(w)o be safe“-Kampagne mit nach draußen zu tragen. Sie werden somit auch zu Mitgliedern unserer Kampagne. Machen Sie ein Foto, und posten Sie die positive Botschaft, dass zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs oder auch Karzinome der Rachenmandeln, induziert durch HPV, mit einer einfachen Impfung zu nahezu 100 % verhindert werden können! Werden Sie also Botschafter in Ihren Familien, werden Sie Botschafter in Ihrem Freundeskreis! Achten Sie auf den Impfstatus Ihrer Kinder und möglicherweise Ihrer Enkel und Urenkel! Zwei Pikse schützen. Vielen Dank.

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