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Dr. med. vet. Ingo Kerzel

AfD 22.05.2025 4:50 min Tagungsabschnitte 19/25

Wie ist die Wiederbewaldung des Harzes geplant?

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das Spiel der Natur geht auf und ab. In den trockenen Jahren ab 2018 hat die Natur eindrucksvoll bewiesen, wie ausbleibende Niederschläge Wälder großflächig absterben ließen. Die forstliche Situation ist im Harz ohne Frage eine besondere Herausforderung. Ich war zuletzt im März dort und konnte begutachten, wie sich Waldflächen entwickeln. Zum Teil sehen wir Naturverjüngung, die naturgemäß aus viel Fichte besteht. Zum Teil sehen wir aber auch weite Flächen ohne Baumbewuchs mit Gras und dichten Flächen dorniger Bombenbeeren. Hier wird ohne menschliches Zutun kein neuer Wald von selbst wieder Fuß fassen können. In Fachkreisen sieht man für den weiteren Umgang mit den Schadflächen im Harz grob gesagt drei Strategien vor, jeweils auf rund einem Drittel der Fläche: erstens Naturverjüngung, zweitens eine aktive Gestaltung und drittens die natürliche Sukzession. Zur Naturverjüngung: Da, wo sie hochkommt, sollte man genau diesen Baumaufwuchs nutzen, den uns die Natur dort dankenswerterweise kostenlos schenkt. Dies wird in der Regel die Fichte sein. Das ist akzeptabel. Auch zukünftige Generationen werden sich über Fichtenholz zum Bauen freuen. Ein Schmankerl nebenbei für CO2-Gläubige unter Ihnen! Die CO2-Bilanz von Holz ist viel besser als die des Betons. Das gilt auch für den K-Wert. Und wenn man die Holznutzung kaskadenartig angeht, wird es noch besser: erst die Nutzung als Bauholz und am Schluss noch die energetische Nutzung. Zur aktiven Gestaltung: Das heißt, im Wesentlichen in Voranbau zu gehen, neue Setzlinge zu pflanzen mit Baumarten, die man für richtig hält - eine sehr teure Variante, bedingt durch Umzäunung, Räumen der Fläche und Vorbereiten für die Pflanzung. Fachleute schätzen die durchschnittlichen Kosten für die Anlage eines Mischwaldes, je nachdem, ob mit Wildschutzzaun oder ohne, auf 15 000 bis 20 000 Euro pro Hektar. Die Frage, wie viel Steuergeld hier hineingehen soll, muss man sich stellen. Die dritte Variante: die natürliche Sukzession, also das Sich-selbst-Überlassen der Flächen, ohne menschliche Übergriffe, vermutlich vorrangig auf den vergrasten oder verbrombeerten Flächen oder auf denen, wo immer noch sehr viel Totholz liegt, und dies zum Teil so dicht, dass Naturverjüngung oder gar Voranbau nahezu unmöglich sind. Auch das erscheint zum jetzigen Zeitpunkt allein aus ökonomischen Gründen sinnvoll. Es wird, realistisch betrachtet, nicht möglich sein, kurzfristig den gesamten Harz zu bewalden. Ein Beispiel: Der Jagdkäfer Peltis grossa war mehr als 100 Jahre verschwunden; erst Waldsterben, Stürme, Borkenkäfer und viel Totholz brachten Peltis grossa zurück. Zu dem von vielen von Ihnen als Heilsbringer vergötterten Laubmischwald möchte ich anmerken: Auch Laubmischwälder sind kein Wundermittel. Bei der großen Trockenheit ab 2018 litten auch Laubwälder sehr. Die Buche ist oh Wunder! nämlich auch wasserbedürftig und kann große Hitze auch nicht so ab. Fakt ist: Im Moment können selbst die Waldbauprofis keine Aussage treffen, welche Baumart für die Zukunft die Beste ist. Das können seltsamerweise immer nur Politiker - und vielleicht mancher Beamter, der an politische Weisungen gebunden ist. Es bleibt uns für die Zukunft nur übrig, möglichst viel zu probieren, Baumarten zu streuen, neue Wege zu gehen, aber auch Bewährtes gelten zu lassen, um für die uns nachfolgenden Generationen sozusagen einen bunten und diversen forstlichen Gemischtwarenladen bereitzuhalten. Übrigens: Manche Spechte vermehren sich besonders gut, wenn sich der Borkenkäfer massenhaft vermehrt. Wir müssen mit dem arbeiten, was da ist und was andere Mittel zulassen. Wir sollten Dogmen ausblenden und verantwortungsvoll mit Steuergeld umgehen. Dieser Akkord besteht aus vielen einzelnen Tönen. Vielen Dank. Vielen Dank. - Als Nächstes hat sich zur Aussprache

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