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Marten Gäde

SPD 12.09.2025 6:19 min Tagungsabschnitte 19/27

Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung: Chancen nutzen, Effizienz schaffen

Bitteschön! Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich eine Ärztin auf dem Land vor: Sie kommt gerade von der Visite, will eigentlich ihre Patientinnen und Patienten beraten - und sitzt dann über Formularen. Oder eine Pflegekraft im Krankenhaus, die die Hälfte ihrer Schicht nicht am Bett, sondern am Computer verbringt. So sieht der Alltag vieler Beschäftigter im Gesundheitswesen aus. Genau da setzt unser Antrag an. Wir wollen, dass Digitalisierung nicht zum Selbstzweck wird, sondern dem Menschen dient: den Patientinnen und Patienten und denjenigen, die sie jeden Tag versorgen. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits wichtige Schritte unternommen. Insbesondere die Einführung neuer Verfahren wie aktuell der elektronischen Patientenakte, der Telemedizin, des E-Rezepts, der digitalen Gesundheitsanwendungen und KI-gestützte Diagnosetools führen zu signifikanten Verbesserungen im Gesundheitswesen. Hervorzuheben sind auch die Fortschritte in der Digitalisierung des öffentlichen Gesundheitsdienstes. In den letzten Jahren sind über 3 Millionen Euro in Projekte investiert worden. Mit der Einführung digitaler Anwendungen und durch die Umsetzung des Krankenhauszukunftsgesetzes haben wir entscheidende Impulse gesetzt. Diese Initiativen zeigen, dass wir den digitalen Wandel nicht nur theoretisch beschreiben, sondern ganz konkret gestalten. Aber klar ist auch: Wir haben noch nicht das volle Potenzial ausgeschöpft. Ein zentrales Problem kennen wir alle: Bürokratie frisst Zeit. Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte verbringen Stunden mit Dokumentationen. Eine Reduktion dieses administrativen Aufwands um nur eine Stunde würde rechnerisch über 1 700 ärztliche und rund 4 000 pflegerische Vollzeitstellen freisetzen. Viele dieser Tätigkeiten sind zwar notwendig, tragen aber nicht unmittelbar zu einer besseren Versorgung bei. Deshalb suchen wir gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft und der Ärztekammer nach Lösungen. Es geht nicht um den Verzicht von Dokumentation, sondern um die intelligente Nutzung vorhandener Daten, um die Entlastung von Doppelarbeit und um den Einsatz innovativer Technologien wie sprach- oder KI-gestützter Dokumentationssysteme. Das schafft Freiräume. Das bedeutet mehr Zeit für Menschen und weniger für Papier. Wir wollen, dass Ärztinnen und Ärzte wieder Ärztinnen und Ärzte sein können und nicht Verwaltungsfachkräfte in weißen Kitteln. Besonders im ländlichen Raum zeigt sich, wie groß die Chancen der Digitalisierung sind. Wenn der nächste Facharzt viele Kilometer entfernt ist, eröffnet Telemedizin neue Wege für Beratung und Behandlung ohne lange Anfahrten. Die Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen greift genau dieses Problem auf. Die Zielsetzung der Reform ist es, durch den Einsatz digitaler Instrumente wie videobasierter Ersteinschätzungen und telemedizinischer Leistungen eine bessere Steuerung und höhere Erreichbarkeit zu schaffen. Entscheidend dabei ist aber: Wir dürfen keine neuen Lücken reißen, sondern die Versorgung muss sich tatsächlich verbessern. Ein weiterer Schlüssel bei der Digitalisierung ist die elektronische Patientenakte. Sie kann verhindern, dass Informationen verloren gehen, Untersuchungen doppelt gemacht werden oder Behandlungen aneinander vorbeilaufen. Aber Technik alleine reicht nicht. Die elektronische Patientenakte muss nicht nur technisch funktionieren, sie muss auch im Alltag akzeptiert und genutzt werden. Dazu braucht es Barrierefreiheit, Nutzerfreundlichkeit und eine klare Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Digitalisierung darf nie Selbstzweck sein. Sie ist dann erfolgreich, wenn sie die Arbeit erleichtert, die Versorgung verbessert und die Forschung beflügelt. Sie muss den Menschen dienen, den Patientinnen und Patienten ebenso wie den Beschäftigten im Gesundheitswesen. Sie muss dazu beitragen, dass Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Therapeutinnen und Therapeuten mehr Zeit für das Wesentliche haben: die unmittelbare Versorgung. Deshalb ist es wichtig, dass wir digitale Lösungen nicht nur einführen, sondern auch ihre Nutzung begleiten. Fortbildungsangebote für Fachkräfte spielen dabei eine zentrale Rolle. Nur wer die Systeme versteht und ihnen vertraut, kann sie sinnvoll einsetzen. Schließlich eröffnet Digitalisierung neue Chancen für Forschung und Innovation. Der verantwortungsvolle Umgang mit Gesundheitsdaten kann einen enormen Beitrag zur Entwicklung personalisierter Medizin leisten und die Grundlage für bessere Therapien schaffen. Dabei ist klar: Datenschutz und IT-Sicherheit müssen jederzeit Priorität haben. Nur so schaffen wir Akzeptanz, die wir für den Erfolg dieser Projekte brauchen. Nur wenn wir Vertrauen sichern, können wir diese Chancen nutzen. Zusammengefasst: Wir wollen Bürokratie abbauen, neue Technologien nutzbar machen, Beschäftigte entlassen und Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellen, um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Vielen Dank. Vielen Dank. - As Nächstes hat das Wort: aus der Fraktion der AfD die Kollegin Klages. Bitteschön!

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