Karin Emken
Die psychosoziale Versorgung für Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen verbessern
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Essstörungen gehören in unserer Gesellschaft zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen und nehmen insbesondere bei jungen Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren dramatisch und besorgniserregend zu. Sie machen mittlerweile die Hälfte aller Fälle aus: 6 000 Klinikeinweisungen pro Jahr - und Klinikeinweisungen erfolgen nur bei akuter Gesundheitsgefahr. Essstörungen sind also kein vorübergehender Diätversuch. Sie sind ernsthafte, komplexe Erkrankungen, die durch gestörtes Essverhalten, verzerrte Körperwahrnehmung und starke psychische Belastungen gekennzeichnet sind. Unbehandelt können sie zu schwerwiegenden Langzeitfolgen führen: Herzproblemen, Knochenschwund, lebensbedrohlichen Zuständen. Die bekanntesten Essstörungen, unter anderem die sogenannte Magersucht, treten besonders häufig bei Mädchen im Jugendalter auf. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Genetik, familiäre Einflüsse, gesellschaftlicher Druck und Schönheitsideale. Unsere Gesellschaft bestimmt unsere Schönheitsnormen, beeinflusst, wie wir uns selbst und andere sehen und beurteilen. Gerade in der heutigen Zeit, in der soziale Medien eine so große Rolle spielen, steigt der Druck auf junge Menschen, einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen zu müssen. Dabei entfaltet Social Media zunehmend toxische Energie mit dem Propagieren extrem schlanker, in ihrer Perfektion unerreichbarer, Glück und Erfolg versprechender Körperbilder und der Illusion der Erreichbarkeit dieses Schönheitsideals durch Disziplin und Kontrolle über den eigenen Körper. Laut Studien besteht ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von Social Media und der daraus resultierenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Direkte negative Effekte zeigen sich schon nach weniger als zehn Minuten passiver TikTok-Nutzung. Deshalb sind soziale Medien starke Risikofaktoren bzw. Verstärker für Essstörungen. Essstörungen sind nicht leicht zu erkennen. Doch eine frühzeitige Behandlung und ganzheitliche Unterstützung sind entscheidend, um Folgeschäden und Todesfälle zu vermeiden. Aber Therapieplätze sind rar, lange Wartezeiten die Regel. Deswegen brauchen wir dringend mehr Beratungs- und Hilfsangebote. Niedersachsen verfügt über einzelne, sehr gut qualifizierte Beratungsstellen, die unterstützen, Wartezeiten überbrücken und Nachsorge anbieten, doch ein flächendeckendes Angebot an spezialisierter Beratung besteht nicht. Deshalb bitten wir die Landesregierung mit diesem Entschließungsantrag und den über die politische Liste bereitgestellten Mitteln, mehr und bessere Beratungsangebote zu schaffen, bestehende Angebote sichtbarer zu machen und die verschiedenen Akteurinnen und Akteure besser zu vernetzen. Außerdem sollen gezielte Konzepte zur Prävention entwickelt und die psychosoziale Beratung langfristig verbessert werden. Das Leid der jungen Frauen und Mädchen und ihres Umfelds ist groß. Sie brauchen verlässliche Informationen und Hilfe. Unser Ziel ist es, diese flächendeckend anbieten zu können. Danke schön. Vielen Dank. - Als Nächstes hat sich zu Wort gemeldet: Frau Dr.in Meyer aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Bitteschön!
