Jutta Wegner
Ganz noch nicht, sehr geehrte Frau Präsidentin, Kolleginnen und Kollegen, aber ja, der Antrag ist in Würde gealtert. (Heiterkeit bei Torsten Koplin, Die Linke: Das Papier ist vergilbt.) Ich freue mich, dass ich ihn heute vorstellen darf und zur Abstimmung stellen darf, und ich fange mal an. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, doch gleichzeitig sind unsere Ressourcen endlich. Mit unseren Ressourcen weiterhin so verschwenderisch umzugehen wie bisher, das können wir uns schlicht nicht mehr leisten. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deshalb begrüßt unsere Fraktion ausdrücklich, dass die Europäische Union das Recht auf Reparatur eingeführt hat. Aber ein Recht allein reicht nicht aus, wenn die Strukturen fehlen, um es wahrzunehmen. Genau hier setzt unser Antrag an. Es sind zumeist Ehrenamtliche, die in den Reparaturcafés einen enorm wichtigen Beitrag zur Schonung der Ressourcen und zur Vermeidung von Elektroschrott beitragen. Reparaturcafés sind wahre Schatzkammern der Nachhaltigkeit. Hier treffen sich Menschen, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einbringen, um kaputten Geräten ein zweites Leben zu schenken. Hier werden nicht nur Toaster, Lampen und Radios repariert, sondern es entstehen Gemeinschaften, Wissenstransfer und ein neues Bewusstsein für den Wert unserer Ressourcen, und das alles kostenlos. Die engagierten Ehrenamtlichen in diesen Initiativen leisten einen unschätzbaren Beitrag für unsere Gesellschaft und für den Klimaschutz. Sie verdienen unsere volle Unterstützung. Doch bislang arbeiten sie oft unter schwierigen Bedingungen. Es fehlt bisweilen an Geld für geeignete Räume, kleinem Geld in der Regel, Werkzeuge und Ersatzteile. Meine Damen und Herren, lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Reparaturinitiativen in Mecklenburg-Vorpommern die Unterstützung von uns bekommen, die sie verdienen! Mit unserem Antrag fordern wir die Landesregierung auf, die Arbeit der Reparaturinitiativen in Mecklenburg-Vorpommern konkret zu unterstützen, nicht nur finanziell, sondern auch durch Öffentlichkeitsarbeit oder Qualifizierungsangebote. Wir wollen, dass Reparaturinitiativen leichter an kommunale Räume kommen. Wir wollen ihnen den Zugang zu Ersatzteilen erleichtern, etwa durch die Möglichkeit, auf Recyclinghöfen abgegebene Elektrogeräte für Reparaturzwecke zu nutzen. Und wir wollen eine bessere Vernetzung der bestehenden Initiativen, um den Erfahrungsaustausch zu fördern. Besonders wichtig ist mir dabei, dass wir nicht über die Köpfe der Engagierten hinweg entscheiden. Deswegen haben wir zur Vorbereitung dieses Antrages um Feedback bei allen Repair-Cafés des Landes gebeten. Dabei sind immer wieder die gleichen Forderungen an uns herangetragen worden, die wir deswegen in unserem Antrag aufgeschrieben haben. Es ist Zeit, dass die Landesregierung diesen Prozess startet, mit den Reparaturinitiativen ins Gespräch kommt, ihre konkreten Bedarfe erfragt und gemeinsam mit ihnen politische Maßnahmen entwickelt. Und nicht zuletzt, das Land selbst muss mit gutem Beispiel vorangehen. Wir fordern die Landesregierung auf zu prüfen, wo in der öffentlichen Beschaffung bisher Neuanschaffungen einer Reparatur vorgezogen werden, und dies, wenn möglich, zu ändern. Meine Damen und Herren, die Wegwerfgesellschaft hat keine Zukunft. Die Zukunft gehört dem Reparieren, dem Wiederverwenden, dem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen. Dabei stärken wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das Ehrenamt und die Menschen, die sich keine Reparatur leisten können. Das sind doch alles Ziele, hinter denen Demokraten sich versammeln können (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und die in der Umsetzung auch leistbar für das Land sind. Unterstützen Sie unseren Antrag, damit Mecklenburg-Vorpommern hier zum Vorreiter wird! – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
