landtag-mv.de ↗

Barbara Becker-Hornickel

FDP 03.06.2026 Sitzungen 8/133

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Kinder brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und echte individuelle Förderung. Genau deshalb sprechen wir heute auch über die Gruppengrößen, Betreuungsschlüssel und die Zukunft unserer Kitas in Mecklenburg-Vorpommern. Eines ist klar – und da sind wir uns alle einig, jeder, der bisher vor mir hier gestanden hat –, frühkindliche Bildung ist die Grundlage für Chancengerechtigkeit, Sprachentwicklung, soziale Kompetenzen und späteren Bildungserfolg. Aber es bedurfte eines Volksbegehrens, um hier etwas zu verändern, einen politischen Schritt herbeizuführen, der schon lange überfällig war. Und wir wissen um den Kompromiss, der in meinen Augen eigentlich auch nicht weit genug geht, aber es ist ein Kompromiss, der durchaus auch weit hinter den Forderungen des Volksbegehrens zurückbleibt. Ich habe noch sehr gut im Ohr, wie unsere Bildungsministerin jede Kritik an der Qualität der Kitas ablehnte. Meine Kollegin Sabine stand damals hier und musste sich anhören, nur die kostenfreie Kita wäre das Prinzip für Qualität. Das konnten wir so damals auch schon nicht mittragen. Und die Erzieherinnen und Erzieher leisten jeden Tag Herausragendes, wir wissen das, sie arbeiten oft am Limit. Und es ist auch richtig, dass die Debatte um den Zukunftsplan Kita Bewegung in die Bildungspolitik gebracht hat. Die geplante schrittweise Verbesserung des Betreuungsschlüssels ist ein wichtiges Signal, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Gerade in den Krippen entscheidet doch die intensive Betreuung darüber, ob Kinder die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. So, wie meine Vorrednerin schon gesagt hat, die Zeit am Kind, mit dem Kind ist die wichtigste, die wir dort in den Kitas haben. Und wer einmal eine Krippengruppe begleitet hat, der weiß, es macht durchaus einen Unterschied, ob eine Fachkraft gleichzeitig für sechs oder fünf Kinder verantwortlich ist oder idealerweise noch weniger. (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP) Es ist ein Unterschied, wie viel Zeit für Sprache, emotionale Entwicklung und individuelle Förderung bleibt oder ob der Alltag nur noch aus Organisation besteht. Doch ehrlich gesagt, die jetzt angekündigten Schritte lösen nicht die Probleme. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei der Fachkraft-Kind-Relation seit Jahren hinter wissenschaftlichen Empfehlungen zurück und bleibt es auch weiterhin. Aber als Freie Demokraten sagen wir deshalb auch klar, Qualität in der frühkindlichen Bildung darf nicht nur von Haushaltslagen abhängen. Wer immer neue Aufgaben an Kitas überträgt, muss auch dauerhaft für ausreichende Finanzierung und verlässliche Strukturen sorgen. Und genauso wichtig ist der Blick auf die Fachkräfte. Die Erzieherinnen und Erzieher wünschen sich mehr Zeit für pädagogische Arbeit und weniger Bürokratie. Pädagogische Fachkräfte sollen Kinder fördern und begleiten können, statt immer neue Dokumentationspflichten erfüllen zu müssen. Gute Arbeitsbedingungen sind heute eine der wichtigsten Voraussetzungen gegen Fachkräftemangel. Und wir haben richtig gut ausgebildete Fachkräfte, und diese Fachkräfte müssen wir im System halten, sie müssen dort bleiben, sie brauchen Planungssicherheit und nicht Angst vor einem eventuellen Kitaschließen. Kleinere Gruppen entlasten nicht nur Kinder, sondern auch Beschäftigte. Kleine Gruppen schaffen bessere Arbeitsbedingungen und erhöhen Langfristigkeit, auch die Attraktivität des Berufs. Der Zukunftsplan Kita kann ein wichtiger Schritt sein, wenn er nicht bei einzelnen Verbesserungen stehen bleibt. Ich bin gar nicht so kritisch gegenüber den vorgesehenen Runden Tischen. Man muss ja eine Form finden, es weiterzuentwickeln. Ein Kompromiss, der geschlossen ist, kann eigentlich dazu führen, dass die tatsächlichen Forderungen irgendwann auch erfüllt werden können. Und das kann man mit diesem Instrument. Ich denke, da sollten wir den Runden Tischen durchaus eine Chance geben. Entscheidend ist es, dass wir bereit sind, frühkindliche Bildung als echte Zukunftsinvestitionen zu behandeln. Jeder Euro, den wir in Kitas bereit sind, in frühkindliche Bildungschancen, soziale Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stecken, der ist wichtig. Unser Anspruch muss sein: kleine optimale Gruppen, bessere Förderung und verlässliche Qualität in allen Regionen unseres Landes. Und wir müssen dem Vertrauen und dem Anspruch der Eltern, das Beste für ihre Kinder zu bekommen, Rechnung tragen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU und der Gruppe der FDP)

Alle Reden von Barbara Becker-Hornickel Protokoll ↗