Barbara Becker-Hornickel
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Vielen Dank für das Thema „Verantwortungsvoller Umgang mit KI im Schulalltag“. Erlauben Sie mir diese eine Bemerkung: Ich bin 1960 in die Schule gekommen, ich glaube, das teilen hier nicht allzu viele mit dieser Erfahrung. Ich bin jedes Mal begeistert, ich muss wirklich sagen, begeistert, welche Möglichkeiten heute unsere Schülerinnen und Schüler in den Schulen haben und wie sich der Schulalltag wirklich gewandelt hat. Deshalb bin ich auch dankbar für dieses Thema, dass wir dieses Thema hier positiv besetzen können. Denn jetzt ist auch die Zeit zu gestalten, zu handeln. Und ich denke, da ist es wirklich toll zu wissen, hier in Mecklenburg-Vorpommern zu sein, weil Mecklenburg-Vorpommern hat die ersten Schritte, mehr als die ersten Schritte schon gemacht. Und auch hier ist es ganz existenziell wichtig, Ängste, Widerstände von vornherein abzubauen und im Vordergrund die Vorteile und Chancen, die unsere Lehrkräfte, die auch unsere Schülerinnen und Schüler heute haben – vielleicht nicht unbedingt vom ersten Tag, ich denke, Einmaleins sollte man trotzdem noch im Wesentlichen beherrschen –, ja, KI wird im schulischen Kontext in Mecklenburg-Vorpommern eben schon bereits im Pilotprojekt FelloFish, das vor allem beim Feedback zu Texten unterstützt und individuelle Lernstände sichtbar macht, verwendet. Das wurde hier von allen auch so, denke ich, schon gesagt. Und die Lehrkräfte berichten, dass gerade bei Schreibaufgaben und der Überarbeitung von Texten eine spürbare Entlastung entsteht und Schülerinnen und Schüler schneller Rückmeldung erhalten. Und genau hier liegt eine zentrale Frage, die wir weiter denken müssen. Und da unterscheide ich mich nicht von meinen Vorrednern, es muss wirklich geprüft werden, wie kann KI Lehrkräfte bei der Korrektur von schriftlichen Leistungsnachweisen stärker entlasten, ohne pädagogische Qualität zu gefährden, wie kann sie helfen, typische Fehler schneller zu erkennen und Feedback zu strukturieren. Klar, wir müssen KI weiter denken, wir müssen auch grundsätzlich werden. Unser Bildungssystem ist in seinen Strukturen über Jahrhunderte gewachsen, geprägt von festen Zeitrastern und standardisierten Abläufen, wie ich sie noch kennengelernt habe. Doch die Anforderungen haben sich längst verändert. Deshalb müssen wir Bildung neu denken, Inhalte stärker verzahnen, interdisziplinär arbeiten und Lernprozesse flexibel gestalten. Länder zum Beispiel in Skandinavien zeigen bereits, wie themenorientierter und fachübergreifender Unterricht erfolgreich umgesetzt werden kann, und Künstliche Intelligenz kann genau hier eine Schlüsselrolle spielen. (Zuruf von Christian Brade, SPD) Sie kann helfen, Lerninhalte intelligent zu verknüpfen, individuelle Lernpfade sichtbar zu machen und Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, Zusammenhänge zu erkennen, statt nur Einzelfakten zu lernen. Prüfung, Unterricht und Kompetenzen werden sich verändern. Hier haben wir die ersten wichtigen Schritte gemacht, habe ich schon erwähnt, aber KI kann keine pädagogischen Beziehungen ersetzen. Sie darf nie Ersatz pädagogischer Verantwortung werden, sondern muss ein unterstützendes Werkzeug bleiben. Lassen Sie uns deshalb KI nicht primär als Risiko, sondern als Chance begreifen (Beifall David Wulff, FDP) für uns alle und zugleich als klare Verantwortung der Politik, eine Verantwortung, die Möglichkeiten dieser Technologie so zu gestalten, dass sie echte individuelle Förderung ermöglicht und mehr Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem schafft. Eines muss ich noch loswerden. Wir waren letzte Woche in der DiLaS. Ich muss ehrlich sagen, ich war überrascht und begeistert. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD und David Wulff, FDP)
