Dr. Monique Wölk
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt in diesem Saal wahrscheinlich nur sehr wenige Personen, die noch nie in Ihrem Leben eine Künstliche Intelligenz genutzt haben. Herr Renz, Sie haben es gerade gesagt, ich brauche nur eine Internetrecherche zu starten, und schon bekomme ich das Ergebnis, ein KI-generiertes Ergebnis als Zusammenfassung meiner Anfrage präsentiert. Aber ich glaube, es gibt auch sehr wenige Leute in diesem Raum, die sich tatsächlich mit der Gestaltung eines Prompts schon einmal auseinandergesetzt haben, beziehungsweise sich nicht damit auseinandergesetzt haben. Ich glaube, die Zahl dieser Leute, vor allem der Kinder und Jugendlichen, wird zukünftig gegen null tendieren, denn KI gewinnt in allen Lebensbereichen immer mehr an Bedeutung. Ihre Einsatzfelder reichen mittlerweile weit über den Forschungs- und Wissenschaftskontext hinaus und haben längst den beruflichen Bereich und natürlich auch den privaten Bereich erreicht. Und für Schüler/- innen gehört Künstliche Intelligenz bereits jetzt zur Lebensrealität. Und ja, darauf muss Schule reagieren – einmal mit der Vermittlung von Wissen über die zugrunde liegende Technik, natürlich mit der Vermittlung von Kompetenzen zur reflektierten, aber auch gewinnbringenden und kritischen Nutzung dieser Technik und ganz besonders mit der Veränderung von Lernprozessen und von Leistungsbewertungen. Denn Künstliche Intelligenz, das haben auch meine Vorredner hier bereits betont, ist ein sehr wirkmächtiges Instrument, dessen Anwendung erlernt werden muss, und zwar systematisch begleitet und kritisch. KI liefert Texte, Bilder, Töne, Sprache, und es ist mittlerweile wohl bekannt, dass die Ergebnisse von KI-Anfragen nicht immer korrekt sein müssen. KI kann sogar fantasieren, das Ergebnis kann der größte Blödsinn sein. Ursächlich hierfür ist der Programmcode, der die Outputgenerierung einer KI steuert. Damit ist dann auch ganz offensichtlich, die Nutzung von KI erfordert erfahrene und informierte Anwender/-innen, die dann das präsentierte Ergebnis auch einordnen und auf ihre Plausibilität überprüfen können. Und genau dazu muss es uns gelingen, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, und das können wir nur, indem wir systematisch vermitteln und Schüler dies auch systematisch erlernen. Und ja, Mecklenburg-Vorpommern steht in diesem Prozess gar nicht schlecht da. Wir stehen sogar ziemlich gut da. Die Ministerin hat es eben schon ausgeführt, wir haben uns seit einiger Zeit auf den Weg gemacht, und ich möchte einfach einige Punkte noch mal hervorheben und vielleicht auch versuchen, auf die Dinge einzugehen, die Sie gerade angesprochen haben, Herr Renz. Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland, das flächendeckend Informatik lehrt, und das ist eine maßgebliche Voraussetzung dafür, dass Schüler/-innen grundlegende Kompetenzen zu KI-basierten Technologien erwerben und diese Technologien dann auch anwenden können. Und diese Art des Unterrichtes, die müssen wir einfach ausweiten und die müssen wir weiter gestalten. Diese Chance, die wir dort haben, müssen wir auch systematisch nutzen. Lehrerinnen und Lehrer nehmen verstärkt an Fortbildungen zu Künstlicher Intelligenz und ihrem Einsatz im Schulalltag teil. Das ist gut so, denn Künstliche Intelligenz verändert sich so rasend schnell – ein Jahr, nachdem ich eine Fortbildung besucht habe, ist der Inhalt vielleicht schon wieder veraltet. Das heißt, ich muss mich wirklich ständig weiterbilden als Lehrkraft, und ich muss als Ministerium dann eben auch die entsprechenden Voraussetzungen schaffen, um immer wieder neue Angebote da geben zu können, an denen dann Lehrer auch teilnehmen können, und der Handlungsleitfaden weist bereits einige wichtige Punkte auf. Ich möchte auf ein paar wesentliche Punkte eingehen, die mir beim Thema KI im Schulalltag wichtig sind. Es muss ein grundlegendes Verständnis aufseiten der Schüler darüber bestehen, wie KI-Modelle überhaupt arbeiten und wie KI-Modelle ihre Ergebnisse generieren, denn nur dann kann ich auch verantwortungsvoll und gewinnbringend diese Ergebnisse anwenden. Und dafür müssen eben auch digitale Kompetenzen vermittelt werden, im Informatikunterricht, im Mathematikunterricht, aber eben auch in den gesellschafts- oder sozialwissenschaftlichen Fächern. Natürlich sind Medienkompetenz und Quellenkritik dabei zwei ganz wichtige Punkte. Jedem Anwender muss klar sein, dass eine KI nur auf der Grundlage der ihr zur Verfügung stehenden Daten Ergebnisse produziert. Ist die Datenbasis schief, fehlen also wesentliche Daten, oder greift die KI auf falsche oder ungenaue oder gefälschte Daten zurück, dann weist auch das Ergebnis einen Bias auf. Damit werden Medien- und KI-Kompetenzen aber auch zu Schlüsselqualifikationen, und Schulen haben den Auftrag, ihre Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, Risiken im Umgang bei der Nutzung von KI zu bewerten und dann eben auch mit diesen Risiken verantwortungsvoll umzugehen. Und das gelingt natürlich nur, wenn Schüler KI-Instrumente auch im geschützten Schulumfeld mit datenschutzkonformen Inhalten testen und die Anwendung einüben können. Das passiert hier bei uns in MV im Schulportal fobizz, und auch dies ist ein sehr wichtiger Schritt, damit Schüler im Schulalltag KI-Kompetenzen entwickeln können und lernen können, wie man mit KI umgeht und wie man KI auch bei entsprechenden Aufgaben einsetzen kann. Aber das Wichtigste ist, Lernprozesse müssen konsequent neu gestaltet werden. Der Fokus liegt also immer weniger auf einem Auswendiglernen von Zahlen, Daten und Fakten und richtet sich immer stärker in Richtung kritischer Reflexion von erlernten Inhalten und auf das Erkennen von Zusammenhängen, und das gelingt durch fächerübergreifendes Arbeiten. Und da freut es mich sehr, dass wir seit Februar dieses Jahres den Modellversuch „Globales Lernen“ an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern eingerichtet haben, denn genau dort wird dieses fächerübergreifende Lernen ausprobiert. Und ich wünsche mir, dass wir hier viel mehr Schulen die Möglichkeit geben, an diesen neuen Lernprozessen auch zu partizipieren. Und wir brauchen auch veränderte didaktische Methoden und Aufgaben. Wir brauchen eine individuelle, lebensnahe Gestaltung, mehr Projektarbeiten und Experimente im Schulalltag, mehr Diskussionsformate, bei denen sich Schülerinnen und Schüler dann eben auch verstärkt mit selbstständig formulierten Gedanken einbringen. Und wir brauchen mehr kreative und soziale Formen des Lernens, bei denen der gemeinsame Lernprozess im Vordergrund steht und dann eben auch bewertet wird. Und damit kann dann auch eine Veränderung der Leistungsbewertung einhergehen. Da KI-Texte nicht zuverlässig erkennbar sind, braucht es eben vermehrt mündliche Prüfungen und Lernprozessbewertungen. Und damit wandelt sich Schule, damit wandelt sich Unterrichtsgestaltung und damit wandeln sich Lernprozesse. Schule wird vom Wissensvermittler zum Kompetenzvermittler. Damit gehen große Chancen einher, Chancen auf eine größere Bildungsgerechtigkeit, Chancen aber auch zur Entlastung von Lehrkräften, gerade durch den Einsatz von KI zur Unterrichtsvorbereitung, aber auch zur klasseninternen Differenzierung, wenn zum Beispiel unterschiedliche Aufgaben für unterschiedliche Schülergruppen erstellt werden, für Feedbackprozesse und natürlich auch für Lernprozesse. Wir kommen zu einer Förderung von kritischem Denken, zu einer verstärkten Auseinandersetzung, was ist denn eigentlich wahr und was ist falsch, gibt es eigentlich nur Schwarz und Weiß, wo ist das Grau in der Mitte, Quellenkritik – sind alles Dinge, die wir verstärkt diskutieren können. Dies ist ein Prozess, der natürlich nicht von jetzt auf gleich funktioniert. Der Prozess, mit KI umzugehen, ist ein Prozess, den nicht nur Schüler lernen müssen, sondern den auch Schule lernen muss. Und er bietet auch die Chance, dass Schülerinnen und Schüler auf Augenhöhe sich mit Lehrern begegnen und neue Themen, Inhalte, gesellschaftliche Fragen behandeln können, dass man auch gemeinsam kreativ wird. Das bedeutet dann aber auch wieder eine immense Beweglichkeit, die wir von den Lehrkräften abfordern, bei der Gestaltung des eigenen Unterrichts, bei der Lernbegleitung von Schülern. Und wenn wir ganz ehrlich sind, dann ist es doch das, was den Lehrerberuf ausmacht. Und ich würde mich sehr freuen, wenn wir den Weg, den wir begonnen haben, beim Einsatz von KI an den Schulen in MV zu beschreiten, wenn wir diesen Weg weitergehen in Richtung einer kompetenzbasierten Unterrichtsgestaltung, bei der Schüler und Lehrer eben auch gemeinsam auf Augenhöhe lernen und Freude und Motivation an der Gestaltung von Lernprozessen haben. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
