landtag-mv.de ↗

Simone Oldenburg

07.05.2026 Sitzungen 8/131

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wohin man auch schaut, was man auch liest, die Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig. Sie ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität im Alltag, in der Arbeitswelt und vor allem natürlich auch in den Klassenzimmern. Sie ist also mitten in unserem Leben angekommen. Künstliche Intelligenz ist kein Hype, der wieder verschwindet, er bleibt. Deshalb ist der verantwortungsvolle Umgang mit KI-gestützten Systemen der Dreh- und Angelpunkt auch in der Schule. Daher haben wir in Mecklenburg-Vorpommern früh gehandelt und liegen im bundesweiten Vergleich, auch wenn das nicht jeder glauben mag, sehr weit vorn. Denn wir haben nicht erst losgelegt, als die öffentliche Debatte Fahrt aufgenommen hat, sondern bereits zu einem Zeitpunkt, als viele noch gezögert haben. Unser Ansatz war von Anfang an klar: nicht abwarten, sondern aktiv gestalten. Wir haben mit unserer Strategie uns zum Ziel gesetzt, die Schülerinnen und Schüler nicht zu reinen Anwendern von Künstlicher Intelligenz zu machen, sondern sie zu befähigen, KI zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll zu nutzen. Denn die Künstliche Intelligenz ist kein neutrales Werkzeug, sondern sie kann Fehler machen, Vorurteile reproduzieren und sie kann falsche Informationen überzeugend darstellen. Deshalb brauchen wir keine unkritische Begeisterung, sondern digitale Mündigkeit statt Technikgläubigkeit. Sehr geehrte Damen und Herren, bereits in den Jahren 2022 und 2023 haben wir Fortbildungsangebote aufgebaut, Webinare mit jeweils mehr als 50 Teilnehmenden durchgeführt und zum Nachschauen aufgezeichnet. Wir haben digitale Lehr- und Lerneinheiten für alle Lehrkräfte über itslearning zur Verfügung gestellt, die Fortbildungsreihe entwickelt „Mit Kindern digitale Welten erkunden“ und besonders im Hinblick auf die Datenschutzgrundverordnung und die Deepfakes im Zeitalter von KI. Wir haben einen Podcast „IQ M-V trifft“ zum Themenfeld KI ins Leben gerufen und den schon erwähnten landesweiten Handlungsleitfaden entwickelt. Damit gehörte Mecklenburg-Vorpommern zu den ersten Bundesländern, die KI systematisch in die Schule integriert haben. Das war kein Zufall, sondern das war das Ergebnis einer klaren strategischen Entscheidung mit Beginn in der vorhergehenden Regierung. Deshalb haben wir auch mit unserem Leitfaden „Gemeinsam die Welt der generativen KI-Systeme erkunden“ frühzeitig Orientierung geschaffen, weil er zentrale Fragen aufwirft. Frau Rösler hat einige von ihnen genannt. Besonders wichtig bei diesem Leitfaden ist es, dass er kein statisches Dokument ist, sondern er ist bewusst so aufgebaut, dass er immer mit digitalen Medien und Materialien verknüpft ist, die kontinuierlich aktualisiert werden. Dieser Leitfaden befindet sich in ständiger Aktualisierung, denn wir wissen, dass Künstliche Intelligenz sich schnell entwickelt und dass Bildung da Schritt halten muss. Das ist zunächst einmal eine Chance, denn zum einen erhalten Schülerinnen und Schüler ein individuelles Feedback und Lernmaterialien werden differenziert bereitgestellt und zum anderen werden Lehrkräfte bei Routinetätigkeiten auch entlastet. Aber das ist, und das ist für uns entscheidend, KI ersetzt keine Lehrkraft, sondern sie schafft Freiräume für das, was Schule im Kern ausmacht: Beziehung, Pädagogik und auch individuelle Förderung. Sehr geehrte Damen und Herren, durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht ist es notwendig, dass wir ganz bewusst die Lern- und Prüfungskultur verändern, indem wir stärker auf eigenständiges Denken, Reflexion, Argumentation und mündliche Formate setzen. Denn einfache Reproduktion von Wissen, das kann KI längst besser. Was sie aber nicht kann, ist kritisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu entwickeln. Und genau darauf kommt es an! Auch deshalb sind unsere Lehrkräfte ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor. Darum haben wir massiv in ihre Fortbildung investiert. In Kooperation mit Partnern wie fobizz wurden seit 2020 insgesamt 166.000 Fortbildungen absolviert. Seit 2020 stehen über 100 Fortbildungsangebote zum Themenfeld KI zur Verfügung. Es wurden weitere innovative Formate entwickelt, wie zum Beispiel die Möglichkeit für Lehrerinnen und Lehrer, zwei Fortbildungsintensivkurse zu belegen und so eine Zusatzqualifikation zu erhalten. Das zeigt ganz eindeutig, dass die Lehrkräfte unserer Schulen sehr wohl bereit sind, sich auf den Wandel einzulassen, und wir begleiten sie selbstverständlich dabei intensiv. Ein besonders deutliches Signal dafür war die KI-Fachtagung. Über 300 Schulleitungen befanden sich unter den über 750 Teilnehmenden. Das zeigt, die Schulen wollen diesen Weg gehen, nicht nur bei der Reproduktion alter Mechanismen, sondern beim Wandel des Lehrens und Lernens in einer Kultur der Digitalität. Wichtig ist auch, dass wir die KI konkret erproben. So testen wir zum Beispiel FelloFish bei Schulen, was Frau Rösler ebenfalls erwähnte, und die Ergebnisse sind vielversprechend. Das alles ist aber kein Ersatz für pädagogisches Handeln, aber eine sinnvolle Ergänzung, mit der gearbeitet werden muss, die weder ignoriert noch verboten werden darf. KI darf genutzt werden, aber sie muss gekennzeichnet werden. Denn wer sie nutzt, muss offenlegen, in welchem Umfang dies geschehen ist. Das ist eine Frage von Fairness, von Bildungsqualität und auch von Bildungsgerechtigkeit. Sehr geehrte Damen und Herren, diesen Weg werden wir konsequent weitergehen. Dazu gehören für uns folgende Schritte: Wir bilden eine multiprofessionelle Arbeitsgruppe KI, die theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen zusammenführt. Wir werden die Fortbildungsangebote weiterentwickeln und die Schulen noch stärker im Transformationsprozess unterstützen. Ein zentraler Baustein wird dabei die personelle Stärkung des Medienpädagogischen Zentrums sein. Denn die Nachfrage nach Beratung, Unterstützung und Fortbildung wächst, und darauf müssen wir umfassend reagieren. Deshalb planen wir zudem den Aufbau einer zentralen Anlaufstelle für Künstliche Intelligenz am Medienpädagogischen Zentrum, wo die Fortbildungen gebündelt werden, Schulen beraten werden, Innovationen vorangetrieben werden und wo die aktuellen Entwicklungen mit der Praxis verbunden werden können. Denn wir setzen auf Verantwortung, Realismus und Gestaltungskraft, weil es unsere Aufgabe ist, die Schülerinnen und Schüler nicht vor KI zu schützen, sondern sie auf den Umgang mit ihr vorzubereiten durch die Vermittlung von Kompetenz, Reflexionsfähigkeit und auch Verantwortungsgefühl. Das ist ein langer und intensiver Prozess, den wir gemeinsam gestalten, denn der kann auch nicht von KI ersetzt werden. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)

Alle Reden von Simone Oldenburg Protokoll ↗