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Barbara Becker-Hornickel

FDP 19.03.2026 Sitzungen 8/128

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Manchmal zeigt sich die Qualität eines Gesundheitssystems in den Momenten größter Verletzlichkeit des Menschen. Die Geburt eines Kindes gehört zu diesen Momenten. In der Regel läuft sie selbstbestimmt ab. Dafür danke ich allen Hebammen und Ärzten ausdrücklich. Aber in der Realität, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Gruppe der FDP) aber in der Realität gibt es in deutschen Kliniken während und nach der Geburt viele Formen respektlosen Umgangs. Wir müssen uns als Politik die Frage stellen: Welche Rahmenbedingungen schaffen wir für diesen Moment? Dafür schlagen wir vor ein systematisches, landesweites Monitoring zu Geburtserfahrung, Interventionsraten und zum Erleben von Respekt, Aufklärung und Mitbestimmung, das wissenschaftlich begleitet wird und transparent berichtet. Aktuell messen wir, was leicht selber ist, etwa Kaiserschnittraten, aber wir erfassen nur lückenhaft, wie Entscheidungen zustande kommen, ob Einwilligung, tatsächlich informiert war, ob Frauen sich respektiert fühlten. Dabei ist das Erleben von respektvoller Behandlung, Selbstbestimmung und Beteiligung ein zentraler Prädiktor für Zufriedenheit und für psychische Verarbeitung. Ein Monitoring schafft hier eine Lerninfrastruktur. Es macht Unterschiede zwischen Regionen, Kliniken und Versorgungsmodellen sichtbar. Es erlaubt, Ursachen zu identifizieren, etwa Personalschlüssel, Geburtsvolumen, Organisationskultur. Das ist im internationalen Qualitätsmanagement längst Standard. Berichte geben eine belastbare Grundlage, statt anekdotische Evidenz zu diskutieren. Die psychische Gesundheit um Schwangerschaft und Geburt stärken durch den Ausbau traumabezogener Hilfe, angemessener Nachsorge nach belastenden Geburtserfahrungen sowie ambulanter und stationärer Strukturen. Peripartale psychische Störungen gehören zu den häufigsten Komplikationen rund um Schwangerschaft und Geburt. Sie wirken in die Familie hinein auf Bindungen, auf Partnerschaft, auf das Risiko späterer Entwicklungsprobleme beim Kind. Und wir wissen, belastende Geburten erhöhen das Risiko für posttraumatische Reaktionen. Wenn diese nicht erkannt werden, können Chronifizierungen entstehen mit hohen Folgekosten für das Gesundheitssystem und schwerem Leid für die Betroffenen. Nachsorge nach belastenden Geburten muss strukturiert werden, etwa durch Angebote von Geburtsnachgesprächen, klare Weiterverweisungspfade und niedrigschwellige Beratungszugänge. Wir fordern ein abgestimmtes Konzept mit psychiatrischen und psychosomatischen Versorgungsstrukturen für spezifische Behandlungs- und Überleitungswege und stärkere interprofessionelle Zusammenarbeit. Ein abgestimmtes Konzept schafft Verbindlichkeit, Screeningzeitpunkte, zum Beispiel in der Schwangerschaftsvorsorge und im Wochenbett, definierte Verantwortlichkeiten zwischen Gynäkologie, Pädiatrie, Hebammenwesen, Hausärzten und Psychiatrie/Psychosomatik. Das schützt vor dem klassischen Versorgungsfehler: zu spät und zu unkoordiniert. Und es stärkt die interprofessionelle Kultur. Geburtshilfe ist Teammedizin, und so muss auch die psychische Versorgung organisiert sein. Verbindliche Fortbildungsangebote zu Gewaltprävention, deeskalierende Kommunikation, Shared Decision Making zur respektvollen Geburtshilfe – viele Grenzverletzungen entstehen nicht, weil Einzelne absichtlich böse handeln, sondern weil Systeme unter Druck stehen und Kommunikation nicht professionell genug abgesichert ist. Deeskalations- und Kommunikationsfortbildung erhöhen die Handlungssicherheit in Stresssituationen, und das ist eine Stresssituation für alle. Digitale, mobile und telemedizinische Angebote stärken, Bürokratie gezielt reduzieren, ohne Qualitätssicherung zu gefährden – in unserem Flächenland muss Versorgung erreichbar sein. Telemedizinische und mobile Beratung kann schnelle Orientierung geben, unnötige Wege reduzieren und kritische Fälle identifizieren. Digitale Dokumentation und Vernetzung verbessert die Übergabe zwischen Hebamme, Klinik und ambulantem Bereich. Und Bürokratieabbau ist hier eine Qualitätsfrage. Wir brauchen mehr Zeit für Gespräch, Aufklärung und Betreuung. Ich freue mich auf die Debatte. – Danke! (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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