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Dr. Harald Terpe

GRÜNE 19.03.2026 Sitzungen 8/128

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Das Problem, das dieser Antrag beschreibt, ist nicht zu leugnen. Lange Transportwege zur Schlachtung sind schlecht für die Betriebe, für die Tiere und auch für Klima und Umwelt. Für Landwirte bedeutet sie höhere Kosten und häufig schlechtere Erlöse. Für die Tiere bedeuten sie Stress und zusätzliches Leid. Nach der Schließung des Schlachthofs in Teterow im Jahre 2019 ist nun der Wegfall des Standorts in Perleberg für viele Betriebe bitter. Aber, meine Damen und Herren von der AfD, Ihr Antrag tut so, als gebe es eine einfache Lösung: (Thore Stein, AfD: Das steht doch gar nicht drin.) Man müsse nur irgendwo neue Schlachtkapazitäten schaffen. So einfach ist es leider nicht. Wir sollten ehrlich darüber sprechen, warum wir überhaupt in diese Situation gekommen sind. Die Realität ist, der Schweinesektor in Deutschland ist über Jahrzehnte wie kein anderer landwirtschaftlicher Bereich immer stärker auf Export und Massenproduktion ausgerichtet worden, auch hier in Mecklenburg-Vorpommern. Immer größere Ställe, immer mehr Spezialisierung und eine starke Konzentration entlang der gesamten Wertschöpfungskette, ein System, das darauf ausgelegt ist, immer größere Mengen zu produzieren, bei immer kleineren Margen pro Tier. Dabei wurden regionale Strukturen verdrängt. Kleine und mittelständische Betriebe sowohl in der Tierhaltung als auch in der Verarbeitung sind dabei auf der Strecke geblieben. Und ich erinnere daran, dass wir in dieser Sitzungswoche schon mehrfach über monopolisierte Strukturen gesprochen haben und wie schädlich die sind. Spätestens in der Corona-Krise haben wir gesehen, wie anfällig ein solches System ist. Ein System, das stark auf globale Märkte und Export ausgerichtet ist, reagiert extrem empfindlich auf Krisen und Marktschwankungen. Heute erleben wir ähnliche Probleme durch Exportbeschränkungen infolge der Afrikanischen Schweinepest. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer jetzt so tut, als ließe sich das Problem allein durch neue Großschlachthöfe lösen, greift schlicht zu kurz, denn das eigentliche Problem ist strukturell. Wir produzieren in Deutschland zu stark für den Weltmarkt bei gleichzeitig sinkendem Konsum im Inland. Und deshalb müssen wir uns die grundsätzliche Frage stellen: Wie wollen wir unsere Lebensmittel künftig produzieren? (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Selber!) Die großen agrarpolitischen Dialogformate der letzten Jahre, etwa die Zukunftskommission Landwirtschaft oder die Borchert-Kommission zur Tierhaltung, haben eines sehr deutlich gezeigt, der gemeinsame Wunsch vieler Akteure entlang der Wertschöpfungskette ist klar: Landwirte, Verarbeiter, Umweltverbände und auch viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen weniger Tiere, aber besser gehaltene Tiere und gleichzeitig mehr Wertschöpfung für die landwirtschaftlichen Betriebe. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wer soll denn das Fleisch noch kaufen?) Hier schulden wir eine langfristige politische Umsetzung. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Jaja!) Das deckt sich auch mit der gesellschaftlichen Realität. Der Konsum von Schweinefleisch in Deutschland geht seit Jahren zurück. (Heiterkeit und Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Tierwohl, Umwelt- und Gesundheitsfragen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Schweine stark zurückgegangen, und trotzdem liegt der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch in Deutschland immer noch bei rund 120 Prozent. Wir produzieren also deutlich mehr, als im Inland überhaupt nachgefragt wird – stimmt natürlich für Mecklenburg-Vorpommern nicht ganz so. Das zeigt, das eigentliche Problem ist nicht, dass wir zu wenig produzieren. Das Problem ist, dass unser System zu stark auf Masse statt auf Wertschöpfung setzt. Wir brauchen ..., für eine Zukunft der Nutztierhaltung müssen wir es schaffen, regionale Wertschöpfung, höhere Tierwohlstandards und wirtschaftlich tragfähige Betriebe zusammenzubringen. Der AfD-Antrag greift hier viel zu kurz. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall Dirk Bruhn, Die Linke, und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Enrico Schult, AfD: So richtig überzeugend war das auch nicht, Herr Dr. Terpe, das haben Sie gemerkt, ne?!)

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