Barbara Becker-Hornickel
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Vor wenigen Tagen haben wir den Frauentag gefeiert. Jeden Tag stehen Frauen in unserem Land vor der Herausforderung Beruf, Familie, Sorge, Partner und Elternschaft. Das müssen wir alle bewältigen. Auch ich bin ja, denke ich, das sieht man, eine Frau, begeisterte Frau, bin ich gern. Frauen tragen Verantwortung, und trotzdem erleben sie im Alltag unterschiedliche Hürden auf dem Weg zu echter Gleichberechtigung. Mecklenburg-Vorpommern steht in manchen Bereichen vergleichsweise gut da. Die Erwerbstätigenquote von Frauen liegt bei uns bei 70 Prozent. Berufstätige Frauen sind bei uns selbstverständlich. Aber Gleichberechtigung endet nicht bei der Frage, ob jemand arbeitet, entscheidend ist auch, unter welchen Bedingungen gearbeitet wird. Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit, sind überdurchschnittlich in sozialen Berufen vertreten, etwa in Pflege, Bildung oder im Einzelhandel, und verdienen im Durchschnitt weiterhin weniger als Männer. Ja, wir müssen unsere Mädchen und jungen Frauen ermutigen, auch ins Handwerk und in gut bezahlte technische Berufe vorzudringen. Hören wir doch endlich auf mit dem Märchen, Mädchen könnten nicht genauso gut rechnen wie Jungen! Das ganze Gegenteil, denke ich, ist der Fall. (Beifall Ann Christin von Allwörden, CDU, und David Wulff, FDP) Der Gender-Pay-Gap ist in Mecklenburg-Vorpommern zwar kleiner als im Bundesdurchschnitt, doch er verschwindet damit nicht. Besonders sichtbar werden diese Unterschiede im Alter, wenn sich die Brüche in der Erwerbsbiografie nach 1990 auswirken. Altersarmut hat auch hier deshalb häufig ein weibliches Gesicht. Es ist heute schon ein paar Mal angesprochen worden – auch ich habe die Studie gelesen vor ein paar Tagen –, 21 Prozent der männlichen Generation Z sind der Meinung, dass Frauen ihnen gehorchen müssten. Boomer-Männer waren nur 6 Prozent dieser Meinung. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Ja, da läuft doch was falsch in unserer Gesellschaft. (Beifall David Wulff, FDP, und Hannes Damm, fraktionslos) Und auch beim Schutz vor Gewalt sehen wir Herausforderungen. Frauenhäuser und Beratungsstellen leisten unverzichtbare Arbeit. Doch vielerorts sind ihre Plätze knapp und die Nachfrage hoch. Ich danke Anne, die die Zahlen auch genannt hat. Wir brauchen gute Bedingungen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Arbeitsmodelle und moderne Betreuungsangebote. Aber wir Frauen müssen auch verstärkt unsere Rechte einfordern – einfordern jeden Tag, auf jedem Gebiet. Mut zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit für Frauen durch populäre Vorbilder in Wirtschaft und Politik, das brauchen wir auch. Meine Enkelinnen – davon habe ich vier – haben gefragt, Oma, warum machst du das. Da habe ich gesagt, ich mache es für euch, alles das, was ich kann, das könnt ihr auch, (Beifall David Wulff, FDP) einen erfolgreichen Beruf, erfolgreich auch auf anderen Gebieten. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD und David Wulff, FDP) In diesem Zusammenhang lohnt sich der Blick auf das Gleichstellungspolitische Rahmenprogramm des Landes. Es ist ein Programm, das Gleichstellung als Querschnittsaufgabe in allen Politikfeldern verankern soll und Maßnahmen entlang verschiedener Lebensphasen, von Bildung über Arbeitswelt bis hin zu Gesundheit und Schutz vor Gewalt formuliert. Aber auch wir kritisieren, viele der Maßnahmen sind zunächst nur als Prüfaufträge angelegt und stehen unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel. Gerade deshalb wird es entscheidend sein, dass die Landesregierung die angekündigten Ziele auch mit klaren Prioritäten und Ressourcen unterlegt. Es gibt noch viel mehr anzusprechen, eines ist mir aber noch überaus wichtig zu nennen, die Gendermedizin. Das geht zu langsam voran. Frauen haben ein Recht auf beste Behandlung. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke, Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und David Wulff, FDP) Und Gleichberechtigung, das geht nicht nur durch Programme allein, sondern sie tragen ohne Frage dazu bei, (Jens-Holger Schneider, AfD: Sehr gut!) aber schlechte Gerechtigkeit beginnt in den Köpfen, in allen Köpfen. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der Gruppe der FDP und Sandy van Baal, fraktionslos)
