Thore Stein
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Ich darf diese Rede heute hier stellvertretend halten, daher sehen Sie es mir nach, dass ich nicht ganz so tief im Stoff stecke. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der CDU) Ja, dieser CDU-Antrag … (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Ja, Herr Reinhardt, genau, das, der Gedanke kam mir auch gerade, als ich es ausgesprochen hatte, dass, ja, ich nicht so tief im Thema bin. Also, der CDU-Antrag hat natürlich erst mal einen absolut richtigen Titel und niemand wird sich, glaube ich, der darin enthaltenen Aufforderung widerstreben wollen, gar keine Frage, und ich glaube auch, was sowohl Frau Hoffmeister als auch die Frau Ministerin hier vorgetragen haben, dürfte in keinster Weise auf irgendwie Ablehnung oder Widerspruch stoßen, denn jeder von uns wird wissen und bestätigen können, dass Sucht im Alltag unserer Mitmenschen durchaus ein relevantes Problem ist. Wahrscheinlich wird auch jeder jemanden kennen, der von einem solchen Schicksal betroffen ist und all seinen Folgen. Sucht ist vielfältig, das haben wir ja auch schon ausreichend gehört. Nach wie vor ist der Alkohol auch in Mecklenburg-Vorpommern das beherrschende Suchtmittel Nummer eins, auch wenn es gerne vielleicht in der Debatte etwas hinten runterfällt, weil man sich da vielleicht auch selber ertappen würde mit der Frage, ob man da nicht ein wenig lax hin und wieder mit umgeht – würde ich für mich selbst auch attestieren. Was aber gerade beim Alkohol mittlerweile auch sehr erschreckend ist und was sich auch bei allen anderen Drogenarten ja durchaus zeigt, das ist der sogenannte Erstkonsum, und der sinkt eben über alle Drogenarten mittlerweile rapide ab. Und das ist vielleicht auch das Novum, was wir in den letzten Jahrzehnten so noch nicht gekannt haben. Beim Alkohol – ich habe jetzt hier die Zahlen aufgeschrieben bekommen – liegt der Erstkonsum bei 14 Jahren, das Gleiche mittlerweile eben auch, und das ist wirklich erschreckend, beim Kokain. Da liegt der Erstkonsum auch schon im Bereich der Minderjährigen, also 17-/18-Jährige, die regelmäßig zu Drogen wie Kokain greifen. Und das ist also wirklich ein Alarmzeichen. Und wer, wer selber Kinder hat – ich habe ja selber auch Kinder – und dann mittlerweile auch mit der Schulauswahl konfrontiert ist, der sieht sich eben nicht nur mit Themen konfrontiert, wie ist es dort im Unterricht, wie ist das Programm außerhalb des Unterrichts –, sondern mittlerweile suchen sich Eltern auch Schulen aus nach der Frage, wo ist die Drogenproblematik am kleinsten, ja. (Enrico Schult, AfD: Genauso ist es.) Und da reden wir nicht über das, was ich aus meiner Schulzeit kenne, die noch gar nicht so lange zurückliegt, wo hin und wieder mal einer zum Joint gegriffen hat – und das war schon ein Skandal in der Schule –, wir reden mittlerweile über härteste Drogen, teilweise in der 7./8./9. Klasse. Und ich glaube, das sollte uns allen zu denken geben. Und vielleicht liegt hier auch eigentlich der Schlüssel, hoffentlich zumindest, zu einer Besserung dieser Situation, nämlich nicht in der, nicht in der Beratung, wenn es zu spät ist, sondern viel eher in der Aufklärung und der Prävention, bevor es überhaupt dazu kommt. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und da sollten wir primär mal mittlerweile in den Schulen anfangen, und, und leider und so hart das auch ist, durchaus im frühen Alter. Also ich denke, man muss mittlerweile einem 12-jährigen Schüler durchaus zumuten, im Unterricht eben auch über solche Themen zu sprechen. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Und da tut dann vielleicht auch hin und wieder mal eine Bildungsfahrt zu solchen Themen not, nicht nur zu anderen von Ihnen favorisierten Themen, dass man eben auch mit Schülern mal in eine Suchtklinik fährt und einfach mal zeigt, wozu der Missbrauch von Drogen führen kann (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) und dass das eben nichts ist, worauf man sich überhaupt erst einlassen sollte. Und das Zweite, was wir hier auch offen ansprechen sollten: Wo finden denn Drogen, wo finden denn Drogen ihr Einfallstor in die Gesellschaft, wo sind sie besonders empfänglich? Und das ist ja häufig da der Fall, wo Familien kaputt sind. Ja, kaputte Familien, zerrüttete Umfelder, nicht mehr intakte soziale Gemeinschaften, das alles sind ja nachweisbar Gründe dafür, dass insbesondere junge Menschen (allgemeine Unruhe – Glocke der Vizepräsidentin) dann eben halt auch eben zu Rauschmitteln greifen, um hier vielleicht auch etwas zu kompensieren oder auch einfach nur eine Ausflucht zu suchen. Das heißt, wer also Drogenabhängigkeit, Drogenproblematik bekämpfen möchte, der muss natürlich auch dafür sorgen, dass die Gesellschaft intakt bleibt, ja. Und ganz erschreckend, wenn ich diese Zahlen eben durchgelesen habe, das ist natürlich immer so, diese Begleitumstände von Sucht, ja. Und wenn wir alleine sehen, dass es in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Tausend Kinder gibt, die in Haushalten leben, wo also einer oder beide Elternteile also eine Suchtproblematik haben, dann ist das ja nicht nur für die Betroffenen schlimm, es ist ja sogar eigentlich viel schlimmer für jene, die als Schutzbedürftige in diesen Haushalten leben. Also ich glaube, uns allen ist diese Problematik bewusst. Ich glaube auch, dass hier niemand in irgendeiner Art und Weise auf die Idee käme, zu sagen, das ist alles gar nicht so dramatisch und wir müssen hier noch liberaler umgehen und noch mehr Freiheit für noch mehr Drogenkonsum, egal welcher Art. Also ich glaube, diese Versündigung an der Gesellschaft, insbesondere an den Jüngsten und Schwächsten, möchte sich hier keiner irgendwie attestieren lassen. Daher ist der Antrag auch in seiner Intention absolut richtig, wir stimmen da auch zu. Er wird wahrscheinlich eh abgelehnt werden, nein, er wird abgelehnt werden, weil man sich am Ende natürlich hier wieder nicht vorwerfen lassen möchte, dass man nicht genug tut, Frau Ministerin. Auch das gehört natürlich zum Spiel dazu hier. Aber ich glaube, die Problematik sollte uns allen klar sein, und, ja, in letzter Konsequenz wird hier, glaube ich, niemand sagen, dass wir hier nicht in Zukunft auch – egal welcher politischen Couleur wir angehören – nicht etwas zum Besseren wenden wollen. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
