Dirk Stamer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank zunächst für die konstruktive Debatte zu unserem Antrag „Mehr Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker für den ländlichen Raum – Landarztquote ... weiterentwickeln“. Mir ist es hier aus wissenschaftspolitischer Sicht vielleicht wichtig, noch ein/zwei Aspekte noch einmal hervorzuheben. Zum einen ist es mir wichtig, noch einmal ganz deutlich die gute Qualität der ärztlichen Ausbildung in diesem Land, in Mecklenburg-Vorpommern, ganz deutlich hervorzuheben. Die Studien- und Ausbildungsbedingungen an unseren beiden Universitätsmedizinen des Landes sind hoch attraktiv, und das lässt sich mit einer sehr hohen Anzahl von Studienplatzbewerberinnen und -bewerbern ganz deutlich belegen, die über die Anzahl der Plätze deutlich hinausgehen. Und ebenfalls ist im Bereich der Medizinstudiengänge die Quote der Studienabbrecher im Vergleich zu anderen Studiengängen ausgesprochen gering, was ebenfalls für eine sehr, sehr hohe Qualität der Ausbildung spricht. Und die Studierenden der Landarztquote mit ihrer hohen Eignung, haben wir gerade von Herrn Koplin schon gehört, und einer hohen Motivation, dieses Studium abzuschließen, sind hier eine ganz deutliche Bereicherung für unsere Hochschullandschaft. Wichtig ist mir auch, noch einmal zu betonen in dem Kontext der Internationalisierung für die Hochschulen, dass diese Anpassung beziehungsweise die Einführung der Landarztquote einer notwendigen und auch wirklich gewünschten Internationalisierung unserer Hochschulen nicht entgegensteht. Die Drittstaatenquote wird nicht abgeschafft, sondern wir reagieren mit dieser Anpassung auf eine veränderte Lage, denn für unsere Hochschulen ist der internationale Austausch nach wie vor extrem wichtig, denn wir verwenden hier nicht genutzte Ressourcen in der Drittstaatenquote. Und ganz konkret bedeutet dies, dass wir nicht genutzte Plätze der Drittstaatenquote der Landarztquote zuführen. Diese Quote, diese Drittstaatenquote wird dafür moderat abgesenkt. Und diese Plätze sind jetzt frei und können jetzt genutzt werden. Und das ist auch ein Grund mit, warum unser Antrag ganz genau jetzt kommt. Im Zusammenhang mit einem Mehrbedarf an Medizinern im ländlichen Raum wird auch immer wieder eine Anhebung der Studienplatzkapazitäten diskutiert, auch in Ihrem Änderungsantrag heute, Herr Peters. Wir benötigen selbstverständlich mehr Ärzte im ländlichen Raum, das ist absolut richtig. Deutschlandweit besteht hier ein Mehrbedarf von 5.000 Plätzen an der Stelle, Medizinstudienplätzen. Das ist ebenfalls vollkommen korrekt. Herr Lauterbach hat es vor Jahren gesagt. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Es ist aber ebenfalls korrekt, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern ausreichend viele Medizinstudienplätze zur Deckung unseres eigenen Bedarfs vorhalten. Unser Problem oder das Problem dieser Region ist, dass viele der Absolventinnen und Absolventen schlicht nach der Ausbildung das Land verlassen und woanders eine Arbeit als Mediziner aufnehmen. Mecklenburg-Vorpommern – vielen Dank, Herr Glawe – hat frühzeitig darauf reagiert und 2020 das Landarztgesetz auf den Weg gebracht, um hier einen Klebeeffekt sicherzustellen, dass die Absolventinnen und Absolventen nach Abschluss der Ausbildung in diesem Land bleiben und eben halt nicht woanders hingehen, denn es macht für uns wenig Sinn, einfach viele Medizinerinnen und Mediziner auszubilden, die woanders praktizieren, aber nicht in diesem Land. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Und ich muss es noch einmal wiederholen, Frau Klingohr hat es auch schon gesagt, die Expertenkommission Gutachten „Unimed 2030“ kommt ebenfalls genau zu dieser Einschätzung, und das ist – dass also ein Mehr an Studienplätzen nicht sinnvoll ist für das Land Mecklenburg-Vorpommern ohne weitere andere flankierende Maßnahmen –, und das ist auch ein Grund mit, warum wir Anträge, die in diese Richtung gehen, pauschal die Studienplatzkapazitäten zu erhöhen, in der Vergangenheit abgelehnt haben. Denn man muss sich einmal vor Augen führen, es wäre ein sehr ineffizientes Vorgehen, 200.000 Euro pro Studienplatz eines Medizinstudierenden zu bezahlen, die Anzahl der Plätze um 100 zu erhöhen und am Ende darauf zu hoffen, dass einige wenige Personen am Ende in diesem Land bleiben. Das ist ein sehr ineffizientes Vorgehen. Sehr viel effizienter ist es, die Menschen, die angehenden Studierenden mit der Landarztquote frühzeitig an dieses Land zu binden. Ich muss auch noch einmal auf die Stiftung Hochschulzulassung eingehen. Das ist ja auch gesagt worden, diese hat, wie Herr Koplin es deutlich sagte, im Jahr 2024 hier auch den Weg mit bereitet, die Vorabquoten innerhalb einer 20-prozentigen Obergrenze flexibler zu gestalten. Vielleicht auch ein kurzer Blick in die Vergangenheit: Viele Anträge aus der Vergangenheit, die sich mit der Erhöhung der Landarztquote beschäftigt haben, haben hier eine pauschale Erhöhung gefordert, ohne zulasten einer anderen Quote etwas zu reduzieren, und wären damit in summa über diese 20-Prozent-Obergrenze, die bundesseitig festgelegt ist, gekommen. Und das ist auch der Grund mit, warum wir diese Anträge damals schlicht und ergreifend abgelehnt haben. Ich möchte ganz kurz auch noch einmal eingehen auf einen Punkt, und zwar, es wurde ja auch noch gesagt in der Debatte, dass wir keinen ganzheitlichen Ansatz fahren würden, dass wir hier nur singulär uns auf diese Landarztquote beschränken. Das ist tatsächlich nicht wahr. Wenn wir einmal nur aus dem Bereich – Frau Klingohr hat schon was zu den Medizinen gesagt –, wenn wir uns vielleicht einmal noch die Zielvereinbarungen der Hochschulen anschauen, Rostock und Greifswald, dann bieten diese auch einen guten Ausblick auf weitere notwendige Schritte im Bereich der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum, um diese dort sicherzustellen. Und diese Aufgaben werden in diesen Zielvereinbarungen auch sehr ganzheitlich angegangen. Beispielsweise die Erhöhung und Ausweitung der Landarztquote, was wir jetzt machen, ist nur ein Schritt auf einem langen Weg zur besseren Versorgung oder zur besseren medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Es ist beispielsweise vereinbart, dass die Universitätsmedizinen „Maßnahmen“, ich zitiere, „unterstützen, die das Interesse angehender ... Mediziner für die Tätigkeit als“ niedergelassener Arzt „im ländlichen Raum steigern“. Und diese Maßnahmen sollen auch insbesondere das praktische Jahr in den Blick nehmen. Qualität der Ausbildung, Vergütung, Attraktivität in Mecklenburg-Vorpommern sind Fragen, die in diesem Zusammenhang dort adressiert werden müssen. Und dies ist auch ein ganz wichtiger Ansatz, um eine Abwanderung von Medizinstudierenden nach Abschluss ihrer Ausbildung schlicht und ergreifend zu verhindern. Wir möchten, dass diese jungen Menschen dieses Land kennenlernen, lieben lernen und deswegen dann hierbleiben. Und dieser unser Antrag, den wir Ihnen heute vorlegen, dieser ist klar, er ist machbar und er setzt an einer ganz entscheidenden Stelle an: die Menschen für dieses Land Mecklenburg-Vorpommern zu gewinnen, bei der Ausbildung, und ihnen eine ganz verbindliche Perspektive zu geben und eine verbindliche Perspektive für den ländlichen Raum. Ich bitte Sie daher um Zustimmung zu unserem Antrag im Interesse einer weiteren guten medizinischen Versorgung in unserem Land, in den Städten und in den Dörfern. Lassen Sie uns hier gemeinsam auf die Überholspur gehen! – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
