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Stefanie Drese

29.01.2026 Sitzungen 8/125

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel. Digitale Entwicklungen und soziale Veränderungen prägen unser Zusammenleben. So verwundert es nicht, auch freiwilliges Engagement und Ehrenamt verändern sich. Menschen engagieren sich heute vielfältiger, flexibler und digitaler. Sie verspüren jedoch zugleich den Wunsch nach Gemeinschaft, Sinn und Zugehörigkeit. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft wird maßgeblich von freiwillig Engagierten lebendig gehalten. Wir haben darüber bereits gestern in der Aktuellen Stunde debattiert. Engagierte übernehmen Verantwortung, gestalten Gesellschaften mit, bringen Menschen zusammen und bereichern das Zusammenleben. In bewegten Zeiten wie den aktuellen wächst der Wunsch nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Auf diese Weise entstehen Brücken zwischen Generationen, Kulturen, gesellschaftlichen Bereichen und Organisationen. Eine Gesellschaft lebt von diesem unmittelbaren Miteinander. Außerdem erproben Engagierte neue Formen des Zusammenwirkens und machen demokratische Werte im Alltag erlebbar. Die neuesten Zahlen des Freiwilligensurvey zeigen, rund ein Drittel der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern setzen sich regelmäßig für andere ein, sind aktiv in Vereinen, Gruppen, Projekten und Initiativen. Gleichzeitig stehen viele Vereine vor strukturellen Herausforderungen. Die Mitgliederzahlen steigen zwar, aber damit nicht automatisch auch die Zahl der Engagierten, die der aktiven Mitglieder. Diese werden deutlich älter, Vorstandspositionen benötigen eine Nachfolge, manche Engagierte sind lediglich kurzfristig oder für einzelne Themengebiete oder Veranstaltungen aktiv dabei. Alles wird ein bisschen flexibler. Für manche wirkt das unverbindlicher. Das erschwert die Arbeit der Vereine, verunsichert Ehrenamtliche, die schon seit vielen Jahren engagiert sind, und hält jüngere Menschen zuweilen vom Engagement ab. Genau hier haben wir im Land angesetzt und in einem umfangreichen Prozess, dessen Ergebnisse nun vorliegen, die Diskussion dazu angestoßen. Erstmals legt die Landesregierung eine Gesamtstrategie für freiwilliges Engagement in Mecklenburg-Vorpommern vor. Hieran – und das möchte ich ausdrücklich würdigen – waren sehr viele unterschiedliche Akteure beteiligt und wirkten intensiv zusammen. Aus engagierten Menschen von Vereinen, Verbänden, Stiftungen, der Wissenschaft sowie der Wirtschaft wuchs eine breite Gemeinschaft. Vielen Dank für das Engagement! Gemeinsam haben wir etwas Tolles erreicht. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Die Landesengagementstrategie ist ein in die Zukunft gerichtetes, verbindendes und das Vorhaben ergänzendes Instrument. Diese Strategie stärkt das vielfältige und freiwillige Engagement, macht vorhandene Ressourcen sichtbarer und bündelt sie. Diese Strategie befördert die positive und vielseitige Entwicklung des Ehrenamts in unserem Land. Im Zentrum stehen die Engagierten, ihre Bedarfe und auch das, was ihnen Schwierigkeiten bereitet: bürokratische Hürden, die Suche nach Fördergeldern, die Wege zum Engagement. Eines der Ziele, die Gewinnung neuer Engagierter und die Bereitschaft zur Übernahme von Führungspositionen im Engagement, das klassische Ehrenamt, möchte ich besonders betonen. Neue Engagierte werden dringend gebraucht, sie sind in den Vereinen unseres Landes willkommen. Dabei denke ich nicht nur an Jugendliche, sondern auch an viele zukünftige Seniorinnen und Senioren, die mit Expertise, Lebenserfahrung und Energie in neue Themenfelder starten können. Der erste Schritt für ein neues Beschäftigungsfeld fällt vielen nicht leicht, das ist mir bewusst. Dafür stehen mit den MitMachZentralen der Ehrenamtsstiftung, Ehrenamtskoordinatoren in vielen Bereichen und auch den Ehrenamtsmessen umfangreiche Informationsmöglichkeiten und direkte Begleitung parat. Nicht vergessen möchte ich dabei die Ermunterung all jener Gruppen, denen die Beteiligung am freiwilligen Engagement aufgrund von Schwellen und Hemmnissen noch erschwert wird. Hier zählt die persönliche Ansprache, auch über Sprachbarrieren hinweg. Wichtig ist ebenso das Beibehalten von Informationen auf Papier oder in Schaukästen, um auch die nicht so digital Aktiven mitzunehmen. Mit der jetzt vorliegenden Engagementstrategie „Gemeinsam den Wandel gestalten“ geht die Landesregierung aktiv auf kooperierende Institutionen und ihre Engagierten zu, um gemeinsam langfristig die Bedingungen für Engagierte und das Engagement und Engagement Interessierte zu verbessern. Mithilfe der verabredeten Maßnahmen möchte die Landesregierung zeigen, welches Potenzial für freiwilliges Engagement besteht und wie dieses in echtes Engagement verwandelt werden kann. Menschen brauchen Zugang zum freiwilligen Engagement durch sensible Ansprache, durch Veranstaltungen, auf denen Engagierte und Interessierte sich begegnen, digitale Börsen, die leicht auffindbar und klar strukturiert sind, oder sichtbare Zeichen, so etwas wie Engagementplaketten an Gebäuden oder Institutionen, in denen Engagement stattfindet. Wer interessiert ist, sich zu engagieren, sollte die passenden Informationen künftig leichter finden und im direkten Gespräch ermuntert werden mitzumachen. Menschen engagieren sich, wenn sie sich angesprochen fühlen. Dafür fördert die Landesregierung hauptamtliche Mitstreiterinnen und Mitstreiter in den MitMachZentralen und Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren, die sowohl am Engagement interessierte Menschen als auch bereits Engagierte und ihre Organisationen professionell begleiten und unterstützen. Engagement soll dabei allen offenstehen, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder sozialem Hintergrund. Es ist klar, Engagement braucht enge Begleitung, Qualifizierung und gute Rahmenbedingungen. Ein zentraler Wunsch der Zivilgesellschaft im Rahmen der Erarbeitung dieser Strategie war die Schaffung eines landesweiten Engagement-Portals. Hier wollen und sollen sich alle begegnen: die am Engagement Interessierten ebenso wie die Organisationen, die neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter suchen. Durch die Weiterentwicklung der MitMachZentralen zu Freiwilligenagenturen mit landesseitiger Förderung schaffen wir hierfür eine solide Grundlage. Künftig profitiert Mecklenburg-Vorpommern von einer besseren Anbindung an die bundesweiten Engagementnetzwerke mit ihren Fortbildungsangeboten, ihrer Interessenvertretung und verbesserten Fördermöglichkeiten. Als Netzwerkpartner wird unser Land am bundesweiten Engagement-Portal mitwirken und so ein landeseinheitliches Engagement-Portal gestalten. Wir wollen Engagement erleichtern, nicht erschweren. Dazu gehören der Abbau unnötiger Bürokratie, passgenaue Beratung und Begleitung, gezielte Qualifizierung und Weiterbildung für Engagierte sowie transparente und verlässliche Förderstrukturen. Deshalb wollen wir die Förderverfahren vereinfachen, von der Antragstellung bis zum Verwendungsnachweis. Hier sind viele Beteiligte gefragt, neue und vereinfachte Gestaltungsspielräume zu schaffen, damit die Bereitschaft zum Engagement nicht durch übermäßigen Verwaltungsaufwand ausgebremst wird. In der ersten Bündelung von Fördermöglichkeiten im Strategiepapier wurde hier bereits der Anfang gemacht. Dabei konnten insbesondere Möglichkeiten der sogenannten Mikroförderung, die gerade für kleine Vereine und Initiativen, denen mit 500 Euro sehr schnell geholfen ist, aufgespürt und vielen zugänglich gemacht werden. Freiwilliges Engagement verdient Respekt, Anerkennung und Wertschätzung. Dazu zählt neben Ehrungen, Preisen und festlichen Veranstaltungen die Anerkennung im freiwilligen Engagement von erworbenen Kompetenzen in Form von verlässlichen Nachweisen. Dank unserer Ehrenamtsstiftung ist das nun bereits unkompliziert digital möglich. Mit der Verabschiedung der Engagementstrategie ist gleichzeitig der Auftrag verbunden, die geplanten Maßnahmen auf den Weg zu bringen, aktiv zu begleiten und regelmäßig zu überprüfen. Dafür setzen wir innerhalb der Landesregierung mit der Ehrenamtsstiftung, den künftigen Freiwilligenagenturen und einer gezielten Engagementförderung und der gesamten demokratischen Zivilgesellschaft auf kluge Vernetzung. Ebenso soll auch weiteren Schwerpunkten in der zukünftig fortzusetzenden Strategiegruppe Raum gegeben werden. (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU – Glocke der Präsidentin) Liebe Kolleginnen und Kollegen, freiwilliges Engagement ist keine Selbstverständlichkeit. Menschen möchten ihr Engagement wählen.

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