landtag-mv.de ↗

Jutta Wegner

GRÜNE 29.01.2026 Sitzungen 8/125

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen heute hier, weil eine Reise uns die Augen geöffnet hat. Unsere Delegation des Bildungsausschusses war im vergangenen Jahr in Riga, und wir haben dort etwas gesehen, das man in einem Bericht nicht festhalten kann, wie sehr internationaler Austausch junge Menschen verändert, wie er Horizonte öffnet, wie er Europa stärkt und wie deutlich er zeigt, was unseren Schülerinnen und Schülern in Mecklenburg-Vorpommern noch fehlt. Wir bringen deshalb diesen Antrag ein, nicht aus Routine, sondern aus Überzeugung. Gern hätten wir ihn auch gemeinsam mit der Regierungskoalition und CDU und FDP eingebracht, die gemeinsame Begeisterung war da. Wir haben gehofft, dass es eine gemeinsame Initiative werden könnte. Internationaler Jugend- und Schüleraustausch muss fester Bestandteil unseres Bildungssystems werden, nicht irgendwann, sondern jetzt, denn die Arbeitswelt wird internationaler. Unsere Demokratie braucht Toleranz und Akzeptanz anderer Kulturen. Und Europa lebt nur, wenn junge Menschen es erleben. Aber Austausch passiert nicht von selbst, er braucht Strukturen, er braucht Beratung, er braucht verlässliche Partner. Und ja, dafür braucht er auch Landesmittel. Ohne sie bleibt alles Stückwerk, ohne sie bleibt Austausch ein Privileg für wenige. Und genau das wollen wir nicht. Ab dem Schuljahr 2026/27 soll jede Schülerin, jeder Schüler erfahren: Welche Möglichkeiten habe ich? Wie komme ich in ein solches Programm? Wer hilft mir? Dafür brauchen wir Personal, klare Zuständigkeiten und ein bisschen Geld, sonst bleibt es bei warmen Worten. Digitale Vorbereitung, analoge Begegnungen, Austausch, auch an beruflichen Schulen, all das ist machbar, aber nur, wenn das Land auch Verantwortung übernimmt. Wir haben in Riga gesehen, wie professionell andere Länder das machen, wie stabil Netzwerke sind, wenn man sie finanziert, wie gut Angebote funktionieren, wenn man sie politisch will. Wir wollen das auch – für MV, für unsere Jugendlichen, für ein Land, das nicht am Rand Europas steht, sondern mittendrin. Deshalb sagen wir klar, Kostendebatten dürfen nicht als Ausrede dienen. Fördermittel, wie „Erasmus+“, sind wichtig, aber sie ersetzen eben nicht die Landesmittel, die eine echte Infrastruktur ermöglichen. Lehrkräfte brauchen Unterstützung, keine zusätzlichen Lasten. Schulen brauchen Ansprechpartner, keine neuen Papiertiger. Und Jugendliche brauchen Chancen, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern. Wir als Opposition setzen ein Zeichen. Wir zeigen, wie es gehen kann. Und wir erwarten, dass die Landesregierung mitzieht. Internationaler Austausch stärkt Demokratie, er baut Vorurteile ab, er macht unser Land offener, klüger, resilienter. Und genau deshalb fordern wir, MV soll hier investieren, nicht morgen, sondern heute. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Jutta Wegner Protokoll ↗