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Torsten Koplin

Die Linke 28.01.2026 Sitzungen 8/124

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Von dieser Stelle aus herzliche Genesungsgrüße an unseren Kollegen Henning Foerster. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wer heute durch unser Land fährt, sieht an einigen Stellen das Erbe der 90er- und 2000er-Jahre. Damals noch galt das Motto „Masse statt Klasse“. Es ging darum, Kapazitäten aus dem Boden zu stampfen, Bettenburgen zu bauen und möglichst schnell möglichst viele Menschen für die Strände unseres Landes zu gewinnen. Doch diese Zeiten des ungebremsten Mengenwachstums sind vorbei, und das ist gut so. Heute steht Mecklenburg-Vorpommern an einer Schwelle: Wir bauen nicht mehr in Betten, wir bauen an der Qualität. Das ist kein Luxusproblem, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit, denn, schauen wir der Realität ins Auge, ein Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern, besonders an der Ostseeküste, ist mittlerweile teuer geworden. Und wer als Gast tief in die Tasche greift, der bringt zu Recht eine prall gefüllte Erwartungshaltung mit. Wenn die Preise steigen, darf das Angebot nicht auf der Stelle treten. Der Gast von heute will kein Betongold, er will ein Erlebnis, das sein Geld wert ist. Hier setzt die vorliegende Novelle des Kurortgesetzes an. Neben den notwendigen technischen Anpassungen geht es uns als Linke um eines: Das Versprechen, das wir dem Gast geben, muss auch eingelöst werden! Nehmen wir das Prädikat anerkannter „Tourismusort“, wir haben mittlerweile rund 50 davon im Land. Hier mal die Frage: Was assoziieren Sie mit diesem Titel? Wenn ich ein Schild sehe, auf dem „Tourismusort“ steht, dann erwarte ich ein Aushängeschild, dann erwarte ich Leben, Infrastruktur und Profil. Bisher reichte oft schon eine landschaftlich bevorzugte Lage. Aber seien wir mal ehrlich, wenn man einige Kilometer unserer wunderschönen, insgesamt über 1.900 Kilometer langen Küstenlinie abgefahren ist, dann ist fast jeder Ort landschaftlich bevorzugt. Das ist unser Naturerbe, aber noch keine touristische Leistung, wie wir wissen. Ein Prädikat darf kein bloßes Etikett sein, das mit der Zeit ausbleicht. Es muss ein Gütesiegel sein, deshalb schärfen wir mit diesem Gesetz nach. Wir präzisieren die Ansprüche, wir wollen, dass der Gast nicht nur wegen der Landschaft kommt, sondern wegen der Qualität bleibt, die er im Ort vorfindet. Und am besten hat dieser eine Ort dieses eine gewisse Etwas, diesen Fokus, diese Besonderheit, an die ich mich als Gast dann auch gern noch erinnern werde. Meine Damen und Herren, ein zweiter Punkt ist uns als Linke wichtig: unser Leitgedanke vom Tourismus für alle. Tourismuspolitik darf keine Nischenpolitik für Gutverdiener sein. Wenn wir über Barrieren sprechen, dann meinen wir beides – die Stufen im Kopf und die Stufen vor der Tür. Da geht es um die sozialen Barrieren. Wir kämpfen für den Erhalt vielfältiger Angebote im gesamten Tourismus, insbesondere aber immer auch im Kinder- und Jugendtourismus. MV muss ein Land bleiben, in dem sich auch die Familien mit schmalem Geldbeutel und die Schulklasse aus dem Binnenland einen Aufenthalt leisten können. Und dann geht es um die baulichen Barrieren. (Wolfgang Waldmüller, CDU: Was hat das mit dem Gesetz zu tun?) Ein Rollstuhlfahrer, eine Rollstuhlfahrerin oder eine junge Familie mit Kinderwagen darf nicht am Strandaufgang scheitern. Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have, sondern ein Menschenrecht auf Teilhabe. Ich höre oft die Forderung, macht doch die hundertprozentige Barrierefreiheit zur harten Bedingung für jedes Prädikat. Ich verstehe diesen Anspruch, er ist moralisch und faktisch absolut richtig. Aber wir müssen auch ehrlich sein, würden wir diesen Maßstab morgen zum Gesetz machen, könnten wir fast alle Prädikatsschilder im Land sofort abschrauben. Diese Erkenntnis muss deshalb aber auch ein Weckruf sein. Die Einnahmen, die unsere Tourismushochburgen generieren, müssen konsequenter in die Barrierefreiheit fließen. Jeder Euro, der in eine Rampe gesteckt wird oder durch den eine Rampe entsteht oder ein Leitsystem verbessert wird, ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes. Lassen Sie uns den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur an der Zahl der Übernachtungen messen, sondern auch daran, wie willkommen sich alle Menschen bei uns fühlen, egal mit welchen körperlichen oder finanziellen Voraussetzungen sie zu uns kommen. Sehr geehrte Damen und Herren, in diesem Sinne werbe ich um Ihre Zustimmung zur Überweisung in die Ausschüsse. Lassen Sie uns gemeinsam am touristischen Profil unseres Landes arbeiten! – Haben Sie vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)

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