Jutta Wegner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir reden heute über Künstliche Intelligenz in Kitas. Ich möchte mich auch inhaltlich mit dem Antrag auseinandersetzen. Manche sehen darin eine Chance: Roboter, die Geschichten vorlesen, digitale Sprachassistenten, die mit Kindern sprechen. Aber unsere Kinder brauchen keine Maschinen, sie brauchen Menschen. Die ersten Lebensjahre sind die empfindlichste Phase des Lebens. Hier wird das Fundament gelegt für Sprache, Denken, Empathie und Vertrauen. Und dieses Fundament entsteht nicht durch Technik, sondern durch Beziehung. Eine bekannte Studie der University of Washington hat gezeigt, Babys, die Mandarin von echten Menschen hörten, konnten die Sprachlaute unterscheiden. Babys, die dieselben Wörter nur über Bildschirm oder Audio hörten, konnten es nicht. Die Forschenden schrieben, soziale Interaktion ist der Schlüssel zum Spracherwerb. Und auch neuere Studien, etwa in „Frontiers in Psychology“, bestätigen, der Wortschatz und die Sprachentwicklung hängen direkt von der Qualität der menschlichen Interaktion ab. Kinder lernen Sprache, wenn jemand wirklich zuhört, reagiert, nachfragt, wenn sie gesehen und verstanden werden. Sie reagiert, ja, aber sie fühlt nichts. Sie kann nicht trösten … Entschuldigung, ich habe eine Zeile vergessen: Sie kann nicht trösten, nicht lächeln, nicht mit einem Blick sagen, ich verstehe dich. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir stehen vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, Überlastung, zu große Gruppen. Da klingt die Idee verführerisch, KI könnte entlasten oder Aufgaben übernehmen. Doch das wäre ein Irrweg. Wenn wir anfangen, Maschinen in die Gruppen zu stellen, verdrängen wir das, was Kinder am dringendsten brauchen: menschliche Nähe. Kein Algorithmus ersetzt die Stimme, den Blick, die Wärme einer echten Erzieherin. (Patrick Dahlemann, SPD, und Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: Richtig!) In den ersten Lebensjahren formt sich das Gehirn. Jede Geste, jedes Lächeln, jedes Gespräch prägt diese Entwicklung. (Patrick Dahlemann, SPD: Ja.) Wenn wir diesen Raum mit künstlichen Stimmen füllen, riskieren wir, Kindern genau das zu nehmen, was sie starkmacht: Vertrauen, Sprache, Beziehung. Darum brauchen wir nicht mehr Technik in den Kitas, sondern mehr Menschen, mehr Erzieherinnen und Erzieher, bessere Bedingungen, kleinere Gruppen. Das ist echte Digitalisierung, im Sinne der Menschlichkeit den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. KI kann uns in Verwaltungen helfen, in Organisationen, in Bürokratie, aber in der direkten Arbeit mit Kindern gilt: Finger weg! Denn kein Kind erinnert sich später an eine App, aber jedes Kind erinnert sich an eine Erzieherin, die gelächelt, getröstet und zugehört hat. Das ist Bildung, das ist Menschlichkeit, und genau das sollten wir schützen. Wir lehnen den Antrag deshalb ab. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
