Mandy Pfeifer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag der Fraktion der FDP zielt auf die Entlastung der Erzieherinnen und Erzieher, insbesondere auf den Bereich Sprachförderung und auf die vermeintliche Verbesserung von Bildungserfolgen, ab. Ich würde mir einfach mal gönnen, nicht auf die Entstehungsgeschichte einzugehen, sondern ich habe mich tatsächlich in diesem Bereich inhaltlich mit dem Antrag auseinandergesetzt und würde gerne mal fragen, worüber reden wir. Wir reden über 1- bis 6- oder 10-jährige Kinder. Aber im ganz frühkindlichen Bereich würde ich gerne auf die Kita gucken, also 1 bis 6. Die lernen, sich außerhalb ihres Hauses zu bewegen. Kita ist ein Raum, in dem Kinder außerhalb ihrer Familie auf Gleichaltrige treffen und auf Erwachsene, die nicht Mama und Papa sind. Die Kinder lernen dort miteinander und voneinander und sie lernen nicht nur Kompetenzen, die sie für die Schule brauchen, sondern sie erwerben vor allen Dingen auch soziale Kompetenzen. Was ist unsere Situation? Die Kompetenzen unserer Kinder sinken immer weiter ab, und das, obwohl wir im KiföG die Qualität Schritt für Schritt erhöhen. Wir sehen das in den Schuleingangsuntersuchungen. Und was sind die Gründe dafür? Das ist ja eine Fragestellung, David, mit der haben wir uns ja auch in der Enquete-Kommission beschäftigt. Und was sagen uns die Wissenschaftler? Die Kinder kommen zu früh in den Kontakt mit der digitalen Welt, sagen die Wissenschaftler. (Enrico Schult, AfD: Richtig, Frau Pfeifer!) Ihnen wird nicht mehr vorgelesen, und man darf sich selbst mal fragen, wie oft man selbst Kleinkinder in Fahrradanhängern wahrnimmt, die auf iPads rumwischen. (Enrico Schult, AfD: Jawoll!) Übrigens sind das die Momente, in denen man mit den Kindern genau nicht spricht und eben auch nicht Sprache fördert. Und was wissen wir noch aus dem Bildungskomplex in der Enquete? Persönliche Bindungen sind essenziell für den Bildungserfolg. Sie geben den Kindern die emotionale Basis für Selbstvertrauen, Neugier und Lernbereitschaft. Und sie sorgen dafür, dass Kinder ihre Emotionen regulieren können, Ängste überwinden und sich auf das Lernen einlassen können. Und auch für die Beziehungen mit Eltern, damit eine gelingende Erziehungs- und Bildungspartnerschaft gelingt, ist die persönliche Bindung zwischen den Erzieherinnen und Erziehern und den Eltern das A und O. Und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Enquete sagen uns auch, im Moment reden wir nicht mit KI, sondern über KI. Deshalb möchte ich gar nicht ausschließen, dass es irgendwann mal auch KI in Kitas gibt, aber dafür braucht es ein pädagogisches Konzept und einen gezielten Einsatz in der Anwendung. Dieses Konzept müssen Träger erarbeiten und in ihre pädagogische Arbeit einbetten. Und das ist kein Prozess, auch hier wieder, den man verordnen kann, sondern dem man sich innerhalb seines Kitaeinrichtungskonzeptes widmen muss. Bis dahin unterstützen wir die Kitas mit der Fortführung der Sprach-Kitas, mit der Ausgestaltung der sozialräumlichen Gegebenheiten, die dort für mehr Personal sorgen, wo viele Kinder mit Herausforderungen zusammen sind, und mit der Bildungskonzeption für 0- bis 10-Jährige. Wir haben zudem die Kompetenzen für die Sozialassistenten erweitert, damit aktuell Gruppenteilungen stattfinden können und eben Sprachförderangebote auch in kleineren Gruppen von Erzieherinnen und Erziehern geleistet werden können. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Und ich finde, auch vor dem Hintergrund, dass wir unter den Erscheinungen der digitalen Welt aktuell wirklich zu leiden haben und dass es wichtig ist, dass wir mehr miteinander reden, ist es richtig, dass wir auch diese persönliche Beziehung zwischen Erziehern und Kindern in Kindertagesstätten stärken. Und deswegen würde ich aktuell mit dem, was ich weiß, von einem Einsatz von KI in Kitas absehen. – Ganz herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
