Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Es genügt ein einziger Blick in eine Kita, um zu verstehen, wie viel Zukunft dort entsteht, wie viel Zukunft dort entsteht. Hier werden Kinder neugierig, mutig und selbstbewusst, und dafür möchte ich mich auch bei allen Erzieherinnen und Erziehern ausdrücklich bedanken. Aber in diesen Räumen zeigt sich auch die andere Seite: ausgelastete Fachkräfte, steigender Dokumentationsdruck, zu wenig Zeit manchmal für die direkte Arbeit mit den Kindern. Genau hier beginnt die Zukunft, die wir gestalten können – mit einem klugen, verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Wir reden hier nicht über Roboter, die Kinder erziehen, wir reden über Chancen, die helfen können, Bildung individueller und wirksamer zu machen, über die Möglichkeit, dass Pädagoginnen und Pädagogen endlich wieder mehr Zeit haben für das, was kein Algorithmus ersetzen kann: Beziehung, Empathie und Zuwendung. Doch bevor wir tiefer in die Sache einsteigen, lassen Sie mich auf einen Vorwurf eingehen, den Vorwurf, der vor der letzten Plenarsitzung hier gemacht wurde von Frau Oldenburg, eines plakativen Vorgehens in Vorbereitung der Plenarsitzung im November. Es wurde behauptet, unser Antrag sei abgeschrieben. Ja, ich sage Ihnen klar, wir stehen voll und ganz hinter diesem Antrag, weil wir überzeugt sind, dass Mecklenburg-Vorpommern sich in der frühkindlichen Bildung nicht abhängen lassen darf. (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP) Der Austausch mit Kollegen aus anderen Landesparlamenten ist bei uns gelebte parlamentarische Praxis. Gute Ideen machen nicht an Landesgrenzen halt. Wenn ein Konzept anderswo diskutiert wird, prüfen wir selbstverständlich, ob es auch für Mecklenburg-Vorpommern sinnvoll ist. Vor allem – und das weiß die Landesregierung ebenso wie die Mitglieder des Bildungsausschusses – haben wir uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Am 13. August 2025 haben wir eine Kleine Anfrage genau zu diesem Thema gestellt. Zudem haben wir einen Bericht im Bildungsausschuss beantragt, der den aktuellen Stand, die geplanten Maßnahmen und die Perspektive der Landesregierung zu Künstlicher Intelligenz in der frühkindlichen Bildung dargestellt hat. Das ist konkrete parlamentarische Arbeit – nachvollziehbar und zielgerichtet. Wer uns hier Plagiarismus vorwirft, scheut sich vor der inhaltlichen Diskussion. Deshalb kehre ich zur sachlichen Auseinandersetzung zurück. Die Kinder, die Eltern und die Fachkräfte haben Anspruch auf eine Debatte, die sich am Thema orientiert. Künstliche Intelligenz kann Sprachentwicklung analysieren, Auffälligkeiten früh erkennen und Fachkräften gezielte Hinweise zur Förderung geben. Das ist besonders wichtig, da jedes vierte Kind Auffälligkeiten bei der sprachlichen Entwicklung aufweist. KI kann Übersetzungen in Elterngesprächen ermöglichen, Dokumentationen automatisieren und Lernangebote individuell anpassen. Jedes Jahr, das wir ungenutzt vergehen lassen, bedeutet verpasste Chancen. (Präsidentin Birgit Hesse übernimmt den Vorsitz.) Deshalb wollen wir, dass das Land die Förderung von KI-gestützten Sprachförder- und Verwaltungsanwendungen in Kitas und Kindertagespflege ermöglicht. Wir wollen eine digitale Plattform, die Übersetzungen, Erklärvideos und interaktive Lernangebote bündelt. Wir wollen Fachkräfte qualifizieren und Fortbildung zugänglich machen. Und wir wollen all das unter strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben tun, (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP) denn wo Kinder betroffen sind, darf es keine Kompromisse geben. Datenminimierung, Transparenz und Zustimmung der Eltern müssen selbstverständlich sein. Die eigentliche Frage ist doch nicht, ob wir KI in Kitas nutzen sollten, die Frage ist, wie wir sie so nutzen, dass jedes Kind davon profitieren kann. Darum: Denken wir Zukunft früh! Nutzen wir Künstliche Intelligenz für echte Bildungschancen, für starke Fachkräfte und für ein Mecklenburg-Vorpommern, das in der frühkindlichen Bildung nicht hinterherläuft, sondern vorangeht. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP)
