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Barbara Becker-Hornickel

FDP 12.12.2025 Sitzungen 8/123

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich glaube, bevor wir „Frohe Weihnachten“ wünschen können, haben wir ja heute noch etwas vor uns. Also bitte, warten wir das noch ab! Jeder zehnte Jugendliche verlässt in unserem Land die Schule ohne anerkannten Abschluss, mehrfach heute gesagt. Und ich kann dazu nur sagen, diese Entwicklung können wir uns schlicht und einfach nicht leisten. (Torsten Renz, CDU: So ist es.) Hinter jeder fehlenden Abschlussurkunde stehen verpasste Chancen für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und für die Zukunft unseres Landes. Und die Probleme setzen sich fort. Fast jeder Fünfte beendet seine Berufsausbildung ohne Abschluss. Diese Abbrüche bedeuten verlorenes Potenzial, das Mecklenburg-Vorpommern angesichts des Fachkräftemangels dringend braucht. Zugleich zeigt sich aber auch, dass Leistungsbereitschaft bei vielen jungen Menschen durchaus vorhanden ist, wenn über 6.000 Jugendliche die Mittlere Reife schaffen. Bevor ich weitergehe, möchte ich noch eines ausdrücklich hier sagen: Unsere Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, unsere Sozialpädagogen tragen jeden Tag eine enorme Verantwortung und stemmen diese oft unter herausfordernden Bedingungen. Und dafür gilt ihnen unser aufrichtiger Dank! (Beifall René Domke, FDP) Eine große Herausforderung ist der Unterrichtsausfall. An den berufsbildenden Schulen fielen im Schuljahr 2023/24 74.000 Unterrichtsstunden aus. An den allgemeinbildenden Schulen lag die absolute Zahl bei 276 Stunden. Und hinter jeder dieser ausgefallenen Stunden steht eine verpasste Erklärung, steht ein fehlender Lernmoment für unsere Schüler. Und Unterrichtsausfall trifft gerade jene am härtesten, die ohnehin Unterstützung brauchen, und er verstärkt Bildungsungleichheiten. Auch die gestiegene Zahl notorischer Schulschwänzer ist gestiegen. Der Anteil beträgt – hört sich wenig an – 0,29 Prozent. Das klingt nicht dramatisch, aber jeder junge Mensch läuft Gefahr, wichtige Lerninhalte zu verpassen. Sie verlieren den Anschluss an die Klassengemeinschaft, und dann laufen auch sie Gefahr, den Abschluss nicht zu schaffen. Und auch da müssen wir eingreifen. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Frau Rösler, Sie haben es ja auch schon angesprochen, Bildung beginnt nicht erst in der Schule, Bildung beginnt in den Kitas. Und die Grundlage für die Entwicklung der ganzen gesamten Persönlichkeit, die wird in den ersten Jahren gelegt. Und die Bertelsmann Stiftung rät für unsere 3-Jährigen zu einem Schlüssel von 1 : 3, für Kindergartenkinder von 1 : 7,5. Die Realität sieht in diesem Land noch anders aus. Wir haben deutlich größere Gruppen, aber wir haben richtig gut ausgebildete Betreuungskräfte. Das Potenzial ist in meinen Augen da. Die Grundlagen sind gelegt, denn hochwertige frühkindliche Bildung verbessert Entwicklungschancen nachhaltig und ist der erste Schutz davor, dass Kinder später ohne Abschluss dastehen. Leistung ist kein hartes Wort, sondern Ausdruck von Motivation, Verantwortung und Selbstvertrauen. Und Leistung zeigt sich auf vielen Wegen. Deshalb müssen wir die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung leben. Ja, die Regionalen Schulen müssen gestärkt werden. Ich möchte noch mal betonen, eine Meisterausbildung entspricht in ihrer Wertigkeit und Anerkennung im Ungefähren einem Masterabschluss. Beides brauchen wir in unserer Wirtschaft. Doch selbst die besten Konzepte bleiben wirkungslos, wenn wir unsere Schulen in enge Vorgaben pressen. Wir brauchen mehr Freiheit für unsere Schulen – pädagogisch, personell, organisatorisch und finanziell. Schulen müssen eigene Schwerpunkte setzen dürfen, innovativ arbeiten und schneller auf Herausforderungen reagieren. Junge Menschen müssen auf eine Zukunft vorbereitet werden, die wir selbst noch nicht in allen Einzelheiten kennen. (Beifall René Domke, FDP) Wir stehen zu unserer Verantwortung. – Vielen Dank! (Beifall René Domke, FDP)

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