Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Gleich zu Anfang: Selten hat mir Frau Shepley so aus dem Herzen gesprochen wie heute. Leider ist sie jetzt ja nicht mehr hier, aber ich denke, sie hört es trotzdem. Und ich danke auch Herrn Butzki für die Erwähnung, dass auch die FDP hierzu einen Antrag eingebracht hatte. Ich erinnere mich noch gut, Herr Butzki, Sie waren der Meinung, wir können ihn ja zurückziehen, aber ich denke, er hat auch diese Diskussion, die in meinen Augen sehr wichtig ist, mit angestoßen. Ja, der Antrag, der uns hier vorliegt, verkennt in unseren Augen die Realität. Laut einer Bitkom-Studie nutzen 88 Prozent der Kinder zwischen 10 und 12 und 98 Prozent zwischen 13 und 18 Jahren Smartphones. Und daher muss moderne Bildung junge Menschen auf eine digitalisierte Welt vorbereiten. Wir, wir müssen Verantwortung für Medienkompetenz übernehmen. (Daniel Peters, CDU: Dann sagen Sie mal, wie!) Der vorliegende Antrag ist aus unserer Sicht immer noch gar nicht fertig. Er ist aus unserer Sicht kontraproduktiv, weil er zum Beispiel einen Eingriff in die pädagogische Entscheidungsfreiheit der Lehrkräfte vornimmt. Lehrkräfte sind Fachkräfte mit pädagogischer Expertise. Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum ihnen im Antrag untersagt wird, digitale Endgeräte bereits ab Klasse 5 außerhalb des Informatikunterrichts einzusetzen, wenn ein didaktischer Mehrwert gegeben ist. Der Antrag verbietet diesen Einsatz, außer es liegt ein genehmigtes Medienkonzept vor. Das ist wieder Bürokratie. Wer soll das alles in jedem Fall so genehmigen? Wir sagen schlicht und einfach, Lehrerinnen und Lehrer müssen selbst abwägen können, wie sie ihren Unterricht gestalten. Der zweite Kritikpunkt: Wir leben im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz, Big Data und einer digital vernetzten Welt. Die Kompetenzen, die junge Menschen künftig brauchen, wie komplexe Problemlösungen mit digitalen Tools, Selbstregulation, Eigenverantwortung, kritische Medienkompetenz, Informationsbewertung, Fake News erkennen oder Datenschutz lassen sich nicht unterrichten, wenn digitale Geräte nur unter restriktiven Bedingungen erlaubt sind. Besonders irritierend ist die implizite Unterstellung, Lehrkräfte könnten in den Pausen nicht verantwortungsvoll mit ihren privaten Handys umgehen. Wenn wir Lehrkräften nicht zutrauen, in ihrer Pause ein privates Telefonat zu führen oder eine Nachricht zu lesen, senden wir ein fatales Signal: mangelndes Vertrauen in ihre Professionalität. Wir Freie Demokraten lehnen diese Form des übergriffigen Regelns entschieden ab. (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP) Der Antrag schließt ausdrücklich die Möglichkeit für Bring-Your-Own-Device-Konzepte durch die Nutzung ausschließlich schulischer Devices aus. Damit wird Schulen der Weg zu hybriden, ressourcenschonenden Lösungen verbaut. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel und unzureichender schulischer Ausstattung ist die freiwillige Einbindung privater Endgeräte unter pädagogischer Aufsicht und datenschutzkonformer Gestaltung eine pragmatische Option. Dass es in diesem Antrag verboten werden soll, widerspricht dem Grundprinzip von Schulautonomie und Vertrauen in pädagogische Entscheidungen. Die Forderung nach einer Altersgrenze für soziale Medien ist in der Praxis nicht durchsetzbar.
