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Jens-Holger Schneider

AfD 13.11.2025 Sitzungen 8/119

Liebe Landsleute! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ja, zu später Stunde jetzt solch ein schwieriges Thema, wo ich mir im Grunde genommen vorstellen kann, dass jeder seine Vorstellungen davon hat, wie er selbst beigesetzt werden will, wie die Beisetzung von Angehörigen funktionieren soll. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, dass wir unseren Vater in einer Seebestattung beigesetzt haben, sehr würdevoll, sehr gut. Und er hatte sich das gewünscht als Seemann, er wollte das so haben, und so haben wir ihm das erfüllt. Ich sage es gleich vorneweg: Bei dieser höchstpersönlichen Sache wird jeder Abgeordnete von uns frei nach seinem Gewissen entscheiden, das wird dann eventuell kein einheitliches Bild abgeben. Ich persönlich werde mich zu diesem Antrag enthalten. Ich war selbst Teil dieser Expertenkommission, und ich weiß, wie hart wir um diese Sachen gerungen haben. Wir haben uns das überhaupt nicht leicht gemacht. Wir haben die ganzen Sachen abgewogen. Wir haben auch über die Tatsache der Aufbewahrung von Asche gesprochen. Jetzt stellen wir uns den Fall vor – und das war es nämlich genau, das läuft nicht ideal –, wir haben eine größere Familie, eine Erbengemeinschaft, und die ist streitbefangen. Wer kriegt die Asche jetzt mit? Für wie lange? Und letzten Endes haben wir gesagt, dass nach sechs Monaten die Asche auf dem Friedhof beigesetzt werden muss. Es gibt Ansätze, das zu ändern. Es gibt die sogenannten Kolumbarien, das kommt aus dem Latein und bedeutet Taubenschlag, das sind Urnenaufbewahrungsgebäude, die man auch privat betreiben kann, die man außerhalb von Friedhöfen setzen kann, damit jederzeit der Zugang für Angehörige gewahrt ist. Wir haben auch sehr, sehr, sehr ausführlich über die Ascheteilung gesprochen. Ich sage das jetzt: Ich habe so eine kleine Urne, wo ein Teil meines Vaters drin ist, mein Bruder auch. Das wäre eigentlich nicht zulässig gewesen. Wir waren aber dankbar am Ende des Tages. Es war ein kleiner Teil, weil wir gesagt haben – und deswegen auch diese Argumentation, was die Diamanten angeht –, Diamanten brauchen einen erheblich größeren Teil einer Asche, und normale Aschereste, die bewegen sich in einem bestimmten Kilobereich, und wenn jetzt eine größere Familie, jeder Asche, jeder so einen Diamanten haben will, dann bleibt von dem Verstorbenen nichts übrig. Und dann bleibt im Zweifel für Freunde des Verstorbenen keine Möglichkeit mehr, in irgendeiner Form daran teilzuhaben, weil von dem Verstorbenen schlichtweg nichts übrig ist. Und das ist was, wo ich mich persönlich sehr schwertue und wir uns in der Kommission entschieden haben dafür, das eben nicht so zu machen. Ich weiß, dass es andere Länder machen. Ich weiß, dass es in der Schweiz möglich ist, ich weiß, dass es in den Niederlanden möglich ist. Ich war damals auch dafür, da sehr vorsichtig mit umzugehen, weil es einfach der Würde des Menschen entspricht, dass eben auch Freunde die Möglichkeit haben, zu finden – es gibt diese Möglichkeit, wir haben das in Wismar, wir haben ein anonymes Urnenfeld, aber da gibt es eine Stele, wo die Namen eingraviert sind, dass man weiß, okay, mein Angehöriger, mein Freund, meine Freundin, irgendwer liegt dort –, ich kann ihn auf jeden Fall finden und zuordnen. Wir haben auch darüber diskutiert, ob man die Asche, wie gesagt, länger mit nach Hause gibt. Das ist in anderen Staaten üblich, dass man auf den Riesengrundstücken in den Vereinigten Staaten, da ist der nächste Friedhof sehr, sehr weit weg, dass man auf seinem eigenen Grundstück seine Angehörigen beerdigen kann. Aber den Fall haben wir hier nicht. Und wir hatten Sorge, dass, wenn beispielsweise eine Urne mit nach Hause genommen wird und der ältere Bewohner dieses Hauses verstirbt, sich nicht mehr dran erinnern kann und dann mit der Asche nicht besonders würdevoll umgegangen wird, die im Zweifel weggeschmissen wird. Oder die Asche wird vergraben irgendwo auf dem Grundstück und keiner erinnert sich mehr dran. Genauso ist es, wenn ich das in Seen machen will. dann muss ich mir, dann muss ich mir sehr tiefe Seen suchen, wo nicht die Möglichkeit besteht, dass man da irgendwie, wenn ein Fischer mal in irgendeiner Form an einer bestimmten Stelle fischt, dass er dann eine Urne im Netz oder so was hat. Das muss sichergestellt sein, dass so was nicht geht. Natürlich haben wir die Veränderungen in der Friedhofskultur. Das ist immer auch ein Kostenfaktor gewesen. Ich kann mich entsinnen, dass wir in Wismar eine Friedhofsgebührensatzung vorgelegt bekommen haben von der Verwaltung, die irrsinnige Beträge enthalten hat, und dass das ganz klar war, dass Menschen sich eine Sargbestattung definitiv nicht leisten wollen, weil es einfach zu teuer ist. Dann die Verlängerung der Ruhezeiten sollte irrsinnige Preise nach sich ziehen, und das haben wir der Verwaltung definitiv ins Stammbuch geschrieben: Das geht so nicht, weil es zur Menschenwürde gehört, menschenwürdig begraben zu werden. Und es muss auch die Möglichkeit geben, wenn Leute das aus religiösen Gründen für sich in Anspruch nehmen wollen, dass man eben auch eine Erdbestattung zu vernünftigen Konditionen bekommen kann. Und natürlich sind wir hier religionssoziologisch, da hat die SED ganze Arbeit geleistet, sind wir hier nicht mehr besonders kirchlich gebunden. Und es hat im Nachgang dann die anderen Gründe gehabt, warum das so ist. Aber am Ende des Tages ist es eben so, dass Angehörige sich darüber schon Sorgen machen, wenn die Familie überallhin verstreut ist, weil sie pendeln müssen, weil sie woanders arbeiten, wie das nachher funktionieren soll, und an der Stelle habe ich persönlich für mich damals den Friedhofszwang auch als sinnvoll empfunden, dass am Ende des Tages es immer einen Ort gibt, wo man weiß, da ist derjenige welcher und ich kann zu jeder Zeit von demjenigen Abschied nehmen oder derjenigen. Und vor dem Hintergrund werde ich mich persönlich dieses Antrages enthalten. Es ist ein sinnvoller Antrag, dass man darüber nachdenkt, sich eventuell ein bisschen dem zu öffnen. Das ist jetzt auch ein paar Tage her, aber ich kann dem nicht zustimmen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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