Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Na ja, in der für uns gebotenen Kürze: Einsamkeit fängt nicht mit dem Alter an. Fast jede zweite Person, junge Person in Deutschland fühlt sich einsam. Es war hier auch schon Thema, aber die Bertelsmann-Studie von 2024 zeigt, 46 Prozent der 16- bis 30-Jährigen geben an, einsam zu sein, 10 Prozent davon stark. Unter arbeitslosen jungen Menschen liegt der Anteil sogar bei 75 Prozent. Menschen mit niedriger Bildung sind ebenfalls häufiger betroffen. Ihre Lebenszufriedenheit liegt im Durchschnitt nur bei 6,75 Punkten von 10. Diese Zahlen machen deutlich, Einsamkeit ist kein Phänomen des Alters. Sie zieht sich durch alle Generationen. Und gerade der Abschlussbericht des Runden Tisches gegen Einsamkeit im Alter greift dieses Thema auf und zeigt, wie Generationen voneinander abhängen. Wer schon jung einsam ist, bleibt es oft auch im späteren Leben. Einsamkeit beginnt also nicht im Alter, sie wächst mit. Deshalb müssen wir Einsamkeit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen, als Herausforderung, die Jung und Alt gleichermaßen betrifft. Der Bericht, der uns vorliegt, 44 Seiten, spricht eine klare Sprache: Einsamkeit entsteht aus Strukturen, zum Beispiel durch fehlende Begegnungsorte, mangelnde Mobilität, Armut oder digitale Ausgrenzung. Doch sie ist auch ein Spiegel unserer Lebensweise. Immer mehr Menschen leben allein, wechseln häufig den Wohnort oder arbeiten ortsunabhängig. So gehen soziale Bindungen verloren. Hier braucht es durchaus politische Antworten, aber auch, ja, vor allem persönliche Verantwortung und die Kraft und die Möglichkeit zur Realisierung all dessen, was wir hier heute gehört haben. Der Bericht setzt Schwerpunkte und er weist eine Sammlung, ja, ein Bündel von Maßnahmen auf. Sie stärken die Kommunen, fördern Nachbarschaft, Ehrenamt und die digitale Teilhabe. Er schafft Räume, in denen Menschen sich begegnen können, und erinnert uns daran, dass Verantwortung doppelt ist: Eigenverantwortung und Verantwortung füreinander. Jeder von uns kann der Einsamkeit etwas entgegensetzen, durch Offenheit, durch Zeit, durch Mitgefühl. Diese Kraft muss gelehrt und verliehen werden. Einsamkeit ist keine persönliche Schwäche, sondern eine gemeinsame Herausforderung. Sie betrifft die Studierende genauso wie den Rentner, die Alleinerziehende ebenso wie den pflegebedürftigen Menschen. Die Aussagen dieses Berichts verbinden Erkenntnis mit Empathie und weisen den Weg in eine Gesellschaft, in der es sich dann auch gut leben lässt oder leben lassen sollte, wenn man es denn will und zulässt. Wir nehmen diesen Bericht zustimmend zur Kenntnis. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
