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Christian Brade

SPD 13.11.2025 Sitzungen 8/119

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Sport hat in Deutschland seit jeher eine besondere gesellschaftliche Bedeutung. Nach dem Krieg war er Motor für Gemeinschaft, Fairness und Integration. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Mit dem Aufbau des Breitensports entstand eine starke Kultur des Ehrenamts – Menschen, die ihre Freizeit opfern, um Kindern und Jugendlichen Sport zu ermöglichen, als Trainer/-innen, Betreuer und auch Schiedsrichter. Doch mit wachsender Leidenschaft kamen auch Spannungen. Immer wieder kam es zu Respektlosigkeit und Gewalt – ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, die auch vor dem Sport nicht Halt gemacht haben. Fußball, vor allem im europäischen Kontext, hat historische Wurzeln in der Arbeiterklasse. Er wurde oft als Ventil für Frustration und als Ausdruck der sozialen Identität genutzt. (Torsten Renz, CDU: Redest du gerade gegen die Arbeiter, oder was?) Diese Tradition trägt bis heute zur emotionalen Aufladung bei, und das heutzutage nicht nur in der Arbeiterklasse. Besonders im Fußball ist die Gewaltbereitschaft höher als in anderen Sportarten wie zum Beispiel Volleyball oder Handball. Das hat verschiedene Gründe. Fußball ist ein Massenphänomen mit einer enormen emotionalen Bindung der Fans an ihren Verein. (Torsten Renz, CDU: Das ist ja richtig, dass wir das thematisieren.) Diese starke Identifikation kann gerade bei Niederlagen oder provokantem Verhalten, Herr Renz, (allgemeine Heiterkeit) zu aggressiven Reaktionen führen. Hinzu kommen Alkohol, Rivalitäten zwischen den Vereinen und die besondere Stadionatmosphäre, die die Hemmschwelle senken. Gewalt geht dabei überwiegend von Zuschauern aus, nimmt aber auch auf dem Spielfeld, insbesondere im Amateurbereich, zu. (Sebastian Ehlers, CDU: Der Koalitionspartner sagt was anderes.) Gewalt im Sport, insbesondere gegen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, ist ein Thema, das niemanden kaltlässt. Wer am Wochenende auf dem Fußballplatz steht, tut das aus Leidenschaft, aus Verantwortung und fast immer ehrenamtlich. Diese Menschen sind das Rückgrat unseres Sports. Sie verdienen Respekt, Wertschätzung und Schutz. (Michael Noetzel, Die Linke: Richtig!) Ja, es gibt Vorfälle, und ja, jeder einzelne Vorfall ist zu viel. Wenn Schiedsrichter beleidigt, bedroht oder angegriffen werden, ist das beschämend. Aber wir müssen ehrlich sagen, das sind Einzelfälle – zum Glück – und nicht die Regel. Die allermeisten Spiele in Mecklenburg-Vorpommern verlaufen fair, sportlich und friedlich. Das liegt auch daran, dass unsere Vereine und Verbände seit Jahren hervorragende Arbeit leisten. Der Landessportbund, der Landesfußballverband und viele Vereine setzen auf Prävention statt Strafe. Sie fördern den Dialog zwischen Trainer/-innen, Spielern und Schiedsrichtern, bilden Werte in der Jugendarbeit und unterstützen sozialpädagogische Fanarbeit. Auch der Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung steht hier beratend und fördernd zur Seite. Diese Zusammenarbeit wirkt, die Landespolizei bestätigt, Gewaltvorfälle im Amateurfußball tauchen kaum in den Statistiken auf. Das Thema hat keine sicherheitsrelevante Bedeutung im Alltag. Trotzdem dürfen wir die Einzelfälle nicht kleinreden. (Torsten Renz, CDU: Sehr gut!) Sie sind verletzend, schrecken Ehrenamtliche ab und gefährden das, was Sport ausmacht: (Torsten Renz, CDU: Der Erste, der es erkannt hat.) Fairness, Respekt und Gemeinschaft. In meinem Wahlkreis gab es einen Fall, der das deutlich zeigt. Ein Kommunalpolitiker wurde nach einer Auseinandersetzung auf dem Spielfeld mit einem Schiedsrichter selbst vom Spielbetrieb gesperrt. Das zeigt, Vorbildfunktion gilt für uns alle, egal ob Spieler, Zuschauer oder Amtsträger. Nun schlägt die CDU vor, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter unter besonderen strafrechtlichen Schutz zu stellen und Bodycams einzuführen. Das klingt entschlossen, ist aber, glaube ich, nicht praxistauglich. Eine Bodycam zeigt immer nur einen Ausschnitt, nicht das gesamte Geschehen. Die Auswertung dauert lange, die Emotionen sind längst verflogen und Datenschutzfragen bleiben offen. Wer darf gefilmt werden, wer darf die Aufnahmen sehen, und wo werden sie gespeichert? Technisch aufwendig, rechtlich schwierig, im Amateurbereich schlicht nicht umsetzbar. Was wirklich hilft, das ist das, was wir bereits haben, und das sollten wir stärken: Bewusstseinsbildung in den Vereinen, denn dort entsteht Haltung. Vereine können Schulungen für Trainer und Eltern anbieten, klare Regeln für Zuschauerverhalten festlegen und ihre Jugendmannschaft zu Fairnessworkshops schicken. Respekt wächst da, wo man ihn täglich übt, und genau das tun viele Vereine schon heute, oft spätabends nach der Arbeit, mit wenig Geld, aber viel Herzblut. Das ist das Ehrenamt, das unseren Sport trägt. Statt es mit Gesetzen oder Technik zu überfrachten, sollten wir es stärken, fördern und würdigen. (Torsten Renz, CDU: Hast du unter Punkt 2 gelesen?) Und worüber sprechen wir hier eigentlich? Über die schönste Nebensache der Welt, nämlich Sport. (allgemeine Heiterkeit) Und wir dürfen nicht vergessen, es gibt das Sportgericht, das über solche Fälle entscheidet und für Gerechtigkeit sorgt, und das zeitnah. Na ja, bei einigen ist es vielleicht doch noch ein bisschen anders. (allgemeine Unruhe) Wir arbeiten dran. (Ann Christin von Allwörden, CDU: Wir legen das anders aus zum Teil.) So, zurück zum Thema. (Ann Christin von Allwörden, CDU: Das ist alles ironisch gemeint.) Denn was gibt es Schlimmeres, als nächste Woche nicht auf dem Platz stehen zu dürfen? Also das Hineinregieren der Politik ist hier nicht zielführend. Fairness, Respekt und Ehrenamt lassen sich nicht mit Bodycams erzwingen. (Torsten Renz, CDU: Warum befasst sich denn die Sportministerkonferenz damit?) Sie müssen vorgelebt, vermittelt und geschützt werden. Ich bin mir sicher, dass meine schlüssige Argumentationskette uns alle überzeugt hat und wir diesen Antrag nicht gebraucht haben. Unsere Vereine und Ehrenamtlichen leisten bereits hervorragende Arbeit, genau diese Arbeit müssen wir unterstützen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)

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