Stefanie Drese
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Der Fußball ist in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern ohne Zweifel die populärste Sportart. Keine andere Sportart erreicht so viele Menschen, begeistert Jung und Alt gleichermaßen und besitzt eine vergleichbar integrative Kraft. Fußball stiftet Gemeinschaft, ermöglicht Teilhabe und vermittelt häufig Werte wie Respekt, Fairness und Teamgeist. Doch so sehr der Fußball verbindet, so sehr wird er leider auch immer wieder von gewalttätigen und aggressiven Auseinandersetzungen überschattet. Das gilt sowohl für den Profibereich, etwa durch sogenannte Fangewalt, als auch für den Amateur- und Jugendfußball, wo es zu verbalen Entgleisungen bis hin zu tätlichen Angriffen kommt. Besonders bedroht sind davon Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Ich denke, wir sind uns fraktionsübergreifend einig, Gewalt und Aggression, insbesondere im Kinder- und Jugendfußball, aber auch gegenüber Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern allgemein, ist ein absolutes No-Go. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und René Domke, FDP) Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter im Amateurbereich arbeiten ehrenamtlich und sind neutral. Sie sorgen in ihrer Freizeit dafür, dass Spiele fair und regelgerecht ablaufen. Ohne sie kann kein geregelter Spielbetrieb stattfinden, ohne sie können keine Spiele stattfinden und ohne sie würde der Breitensport in seiner Existenz bedroht sein. Wenn sie bedroht oder gar angegriffen werden, ist das ein Angriff auf das gesamte Spielsystem. Ich möchte daher an dieser Stelle als Sportministerin des Landes meinen ganz besonderen Dank an alle Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in unserem Land aussprechen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Sie sorgen ehrenamtlich dafür, dass Tag für Tag und insbesondere an den Wochenenden Hunderte von Spielen in allen Altersgruppen und Ligen stattfinden. Sie haben keine Beleidigung, sondern unsere, meine Wertschätzung verdient. Bei der Befassung mit dem vorliegenden Antrag ist es meines Erachtens wichtig, bei dem Thema Gewalt im Sport und vor allem im Fußball zu differenzieren. So hat sich die Sportministerkonferenz gemeinsam mit der Innenministerkonferenz in den vergangenen Jahren regelmäßig mit dem Thema Gewalt im Fußball befasst und Konkretes auf den Weg gebracht. Und ich kann Ihnen auch versichern, sowohl seitens des Sports selbst als auch des Deutschen Fußballbundes, seiner Landesverbände und vieler Vereine als auch seitens der Kommunen, des Landessportbundes und des Landesfußballverbandes wird viel getan, um Gewalt im Fußball entgegenzutreten. Dabei geht es um Präventionsprogramme und Kampagnen insbesondere auch zur Wertschätzung der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, über härtere Sanktionen durch die Sportgerichtsbarkeit, über Meldesysteme für Gewaltvorfälle sowie über Fanarbeit und sozialpädagogische Maßnahmen. All diese Initiativen haben eines gemeinsam: Respekt, Fairness und Toleranz zu fördern, den Spielbetrieb zu sichern und langfristig die Fußballkultur des respektvollen Miteinanders zu schaffen. Ohne die Problematik kleinreden zu wollen, bin ich überzeugt, wir haben in erster Linie ein Problem des Umgangs auf und neben dem Fußballplatz miteinander, der aber nur in den seltensten Fällen strafrechtsrelevant ist. Dafür sprechen die Zahlen, die uns vom Landesfußballverband zur Verfügung gestellt wurden. Aktuell gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 956 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter im Amateurbereich, die jedes Jahr rund 18.000 Spiele leiten. Der Anteil der Spiele mit einem angezeigten Gewalt- oder Diskriminierungsvorfall, also körperliche Gewalt, Beleidigung oder Bedrohung, liegt bei 0,24 Prozent. Und das bezieht sich auf alle Spiele, alle am Spiel Beteiligten, nicht nur auf die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Zum Vergleich, bundesweit liegt der Wert bei 0,45 Prozent. Das heißt, wir verzeichnen relativ wenig direkte Gewaltvorfälle, und auch prozentual liegt dieser Anteil in Mecklenburg-Vorpommern deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Das ist ein Beleg dafür, dass hier im Land insbesondere durch den Landessportbund und den Landesfußballverband sehr gute Präventionsarbeit geleistet wird. (Michael Noetzel, Die Linke: Richtig!) Dazu zählen Veranstaltungen wie der Fachtag Gewaltprävention, Trainer-Schiedsrichter-Dialoge oder kleinere Projekte zur Weiterbildung von Jugendmannschaften. Unterstützt wird dies auch vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung. Auch die Landespolizei teilte mit, dass aktuell keine Übergriffe auf Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in den polizeilichen Vorgangssystemen dokumentiert sind und das Themenfeld Gewalt im Amateurfußball zum Nachteil von Schiedsrichtern für die Landespolizei keine Relevanz im polizeilichen Alltag einnimmt.
