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Enrico Schult

AfD 12.11.2025 Sitzungen 8/118

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, für dieses pädagogische Motto wären unsere Regionalschulen genau die richtige Adresse. Sie gerade sollten dieser Losung folgen, da Lernen für das Leben, Lebenskompetenz erwerben zuallererst bedeutet, die Befähigung für eine Berufsausbildung sicherzustellen, da man ohne einen Beruf weder seine Existenzmittel noch die Achtung und Wertschätzung durch die Gesellschaft erwirbt. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Wir alle, wir alle müssen etwas leisten können, berufspraktisch und lebenspraktisch. Dazu bedarf es bestimmter basaler Kenntnisse und gleichfalls einer Haltung, ohne die man nicht gesellschaftsfähig ist, werte Kollegen: Zugewandtheit, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, Ausdauer, Kraft, Selbstüberwindung, Fleiß. Die Kenntnisse, aber auch die Tugenden gehen immer mehr zurück. Und das sage nicht ich, das sagt die Azubi-Umfrage der IHK. 85 Prozent der Betriebe stellen Defizite in der Ausbildungsreife unserer Schüler fest, werte Kollegen. Sie sind die eigentlichen – ich komme jetzt noch mal zu den Regionalschulen –, sie sind die eigentlichen, die hauptsächlichen Schulen des Landes, so, wie einst die Hauptschulen eben die wichtigsten Grundlagen für Arbeit und Beruf vermittelten, mittlerweile völlig degradiert sind und innerhalb der Regionalschulen nur noch eine Art Schattendasein in Richtung des geringwertigen Abschlusses der Berufsreife führen, wobei der immer noch respektabel ist, wenn man bedenkt, dass zehn Prozent der Schüler an unseren Schulen ohne jeglichen Berufsabschluss – nicht ganz zehn Prozent, pardon –, ohne jeglichen Berufsabschluss die Schule verlassen. Hauptsächlich sollten die Regionalschulen zur Mittleren Reife führen, werte Kollegen. Wer diese Mittlere Reife früher absolvierte, im alten Westen, der hatte was drauf und fand problemlos in Verwaltungsberufen und qualifizierten Tätigkeiten wie in Sparkassen und Banken Verwendung. Er begann eine Karriere als höherer Angestellter, werte Kollegen. Mit der Mittleren Reife jedenfalls galt man schulisch als grundsolide ausgebildet. Ähnlich verhielt es sich auch mit dem Abschluss der Polytechnischen Oberschule in der DDR. Sehen Sie sich heute die Mathematikprüfung zur Mittleren Reife an, dann bemerken Sie, das ist bereits reduziertes mathematisches Grundwissen, was da nachgewiesen werden soll. Es prädestiniert nicht gerade für handwerkliche und technische Berufe. Alles folgt allzu simpel der Devise, jeder soll durchkommen, ganz zu schweigen von Arbeitshaltungen, zu denen bereits die Schule doch erziehen müsste: sich im Griff haben, früh hochkommen, den Tag mit Mumm angehen, pünktlich in der Berufsschule oder auf der Baustelle sein und dort noch den Elan mitbringen, ein bisschen was zu schaffen. Nein, genau das läuft nicht mehr, werte Kollegen, und das beklagen viele Unternehmen im Land. Obwohl über niedrigschwellig eingerichtete Prüfungen die Schule rein nominell immer häufiger mit guten Zeugnissen abgeschlossen werden konnte, sind die Absolventen immer weniger in der Lage, überhaupt noch ein Bewerbungsschreiben hinzubekommen, und ihre Kenntnisse im Übrigen im Elementarbereich, vor allem in der Mathematik, sind nicht nur defizitär, sondern oftmals desaströs. Das gilt ebenso für Deutsch, also für die sprachliche Befähigung. Ich erinnere daran, jeder dritte 9.-Klässler verfehlt mittlerweile die Mindeststandards in Mathe und in den Naturwissenschaften laut dem IQB-Bildungstrend. Woran liegts, werte Kollegen? Die Bildungspolitik will sich selbst ein gutes Zeugnis eben dadurch ausstellen, dass sie möglichst allen – verdient oder nicht – ein gutes Zeugnis ausdrucken lässt. Das bedeutet tendenziell aber Etikettenschwindel, auch zum Zwecke ministerieller Öffentlichkeitsarbeit, sehr geehrte Frau Oldenburg, das muss man hier so deutlich ansprechen. Längst hat dieses Verfahren alle schulischen Abschlüsse inflationiert, das Abitur ja sowieso, denn so viele 1,0-Abiturienten wie jetzt gab es noch nie, obwohl es andererseits auch noch nie so viele Studienabbrecher in den ersten Semestern gab, die über eigens eingerichtete Sonderkurse von den Universitäten erst zu der minimalen Hochschulreife geführt werden müssen. Wir erinnern daran, dass der Bewertungsmaßstab an den Regionalschulen in der Ära Brodkorb 2015 geändert wurde, in der Weise abgeflacht, dass man für gute und befriedigende Leistungen immer weniger bringen muss. Und wenn ich mir die Bewertungsmaßstäbe anschaue, beispielsweise jetzt in der Mittleren-Reife-Prüfung von 2025, dann muss man feststellen, dass es da einen Unterschied gibt, wie in der Mittleren-Reife-Prüfung bewertet wird und wie beispielsweise bei schriftlichen Leistungskontrollen bewertet wird. Bei schriftlichen Leistungskontrollen bekommt man die Eins bei 96 Prozent, in der Mittleren-Reife-Prüfung schon bei 90 und bei der Zwei ist es 80 Prozent bei schriftlichen Leistungskontrollen und in der Mittleren-Reife-Prüfung schon bei 75 Prozent. Da haben wir eine Unwucht, sehr geehrte Damen und Herren, und da sieht man eben, dass die Prüfung eben nicht so das abverlangt, was abverlangt werden müsste. Günther Jauch schloss im altsprachlichen Gymnasium Steglitz übrigens mit einem Durchschnitt von 3,1 ab und kann ja wohl nicht zu den Trotteln der Nation gezählt werden. Wer heute mit 3,1 abschließt, früher ein solider Schnitt, der lässt auffallende kognitive und sprachliche Defizite erkennen, denn es ist tatsächlich so, wenn Sie heute völlig agrammatisch schreiben, auch in der Mittleren-Reife-Prüfung, dann können Sie immer noch eine 1,0 bekommen. Schauen Sie sich die Bewertungstabelle gerne mal an, werte Kollegen! Apropos Abitur, nach wie vor wird die Regionalschule vor allem dadurch entwertet, dass nach der absolvierten Orientierungsstufe – auch diese Phase stellt in sich ein diskussionswürdiges Problem dar – geradezu eine Fluchtbewegung Richtung Gymnasium einsetzt, das seinerzeit zu einer Art Gesamtschule der Republik avancierte. Die Regionalschulen, oft renoviert und, ja, oft aufwendig renoviert und manchmal richtig gut ausgestattet, werden mindestens aus der Perspektive der Elternhäuser leider immer noch als Resteschulen wahrgenommen. Zu viele gute Schüler, die das Niveau der Regionalschulen heben würden, wechseln daher auf Elternwunsch auf das Gymnasium, eben wegen des gleichfalls abgeflachten Abiturs, das früher mal als Reifeprüfung galt. All die mäßigen Abiturienten und nicht selten die künftigen Studienabbrecher wären gute bis sehr gute Regionalschüler gewesen und eben prädestiniert für einen Abschluss der Mittleren Reife, der seinen Namen verdiente. Sie wären später bessere Azubis als überforderte Studenten gewesen, werte Kollegen. Vielen Eltern, vielen Elternhäusern sind die Regionalschulen zu laut, zu unkultiviert, mittlerweile sogar zu gefährlich, weil Gewalt- und Drogenprobleme beängstigend zunehmen. Die über Jahre politisch nicht nur gewollte, sondern forcierte Migration verschärft kulturelle und Alltagskonflikte in den Regionalschulen. Die kopflose Inklusionsstrategie der Landesregierung tut ihr Übriges. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Man muss den dort arbeitenden Lehrern sehr dankbar sein, aber auch sie erscheinen nachvollziehbar überfordert, was sich im enormen Krankenstand und auch in der Teilzeitflucht deutlich ausweist. Regionalschulen verschleißen Lehrer und stressen die sanfteren und klügeren Schüler. Wir unterstellen, sehr geehrte Kollegen, die wichtigsten erforderlichen Veränderungen in der Bildung im Allgemeinen wie innerhalb der Regionalschulen im Konkreten würden kein Geld kosten. Man bräuchte dafür nicht noch mehr Smartboards anzubauen, man müsste nicht für eine noch bessere Ausstattung sorgen, aber man hätte grundlegend das pädagogische Menschenbild zu revidieren, um endlich wieder zu klaren Erziehungszielen zu gelangen. Und man könnte die Aufgaben von Schule sogar reduzieren, wenn man sie dabei nur konsequent konzentrieren würde auf eine basale und auf eine solide Bildung eben, sehr geehrte Damen und Herren. Sie haben es damals als Innovation dargestellt, dass Grundschüler 20 Minuten am Tag laut lesen sollen. Das ist keine Innovation, sondern das war immer eine Selbstverständlichkeit, selbst in den Dorfschulen des Kaiserreichs. So haben wir grundlegende wie wichtige Übungen über Jahrzehnte vernachlässigt (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) und daher den Verlust der kulturellen Grundbestände zugelassen. Googeln Sie mal, wie die Analphabetenquote im Kaiserreich war, googeln Sie mal, wie sie heute ist, und dann werden Sie merken, es läuft was falsch hier in diesem Land, sehr geehrte Kollegen. (Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) In der Nachfolge einer 68er-Pädagogik wurde lange Bewährtes gekippt, ebenso, wie etwa das Diktat verschwand, wie der literarische Kanon verschwand, die Pflege der Handschrift, damit auch das Beherrschen einer klaren mathematischen Form und überhaupt die Systematik eines entwicklungspsychologischen Erkenntnissen folgenden Unterrichts, der sicher vom Einfachen zum Komplexeren führt. Unser Antrag hat das Ziel: zurück zu klaren Zielstellungen im Einklang mit der Erziehung zur Verantwortung, zur persönlichen Selbstregulierung, mithin zu Geduld, Ausdauer und Fleiß, werte Kollegen. Wir setzen auf solide Inhalte, auf Leistung und Erziehung. Wir wünschen uns einen Absolventen der Regionalschule, der etwas draufhat, der zu sich steht, die Motivation mitbringt. Und er soll sozusagen nicht mit irgendwelchen Ankreuzrätseln durch die Prüfung gebracht werden, er soll sich das selber erarbeiten. Und das würden Ihnen auch die Unternehmer ...

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