Jutta Wegner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Finanzielle Bildung ist wichtig, da sind wir uns sicherlich einig. Daher ist es auch richtig, dies hier noch einmal zu debattieren. Worin wir uns allerdings von der FDP unterscheiden, ist der Fokus, den diese Bildung haben sollte. Aus unserer Sicht sollte es nicht in erster Linie um die Frage von Investitionen und Altersvorsorge gehen, sondern um die Themen, die den jungen Menschen heute Probleme bereiten. Bei jungen Leuten zwischen 18 und 30 Jahren nimmt die Überschuldung nach wie vor zu. Finanzielle Bildung kann hier präventiven Charakter haben, indem schon Kinder und Jugendlichen auf die Gefahren von unübersichtlichen Ratenzahlungen, Buy-now-pay-later-Angeboten oder verlockenden Spontankrediten hingewiesen werden. Nicht immer kann man sich das neueste Handy oder die schönsten Sneaker wirklich leisten, auch wenn es noch so einfach erscheint. Wir haben mit den Verbraucherzentralen auch Institutionen, die genau diese Art von Bildung als Präventionsangebot anbieten. Diese gilt es zu stärken. Klug angelegte finanzielle Bildung befähigt, Risiken zu erkennen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Ich kann aber auch sagen, das, was wir nicht brauchen: Die Art von angeblicher finanzieller Bildung, die Jugendlichen nahelegt, dass, wenn jeder und jede nur an sich denkt, am Ende an alle gedacht ist. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Jeannine Rösler, Die Linke) Nicht alle Kinder haben die gleichen Chancen, nicht jede Familie kann unterstützen oder hat gar Geld übrig, um in Aktien zu investieren. Und selbst wer informiert ist, kann durch Krisen alles verlieren, durch Wirtschaftskrisen, Krankheit, die Folgen der Klimakrise wie Hochwasser und Stürme. Dass wir dafür ein verlässliches Solidarsystem brauchen und dieses gestärkt werden muss, das ist auch Teil der finanziellen Bildung. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wie kann man denn nur so ideologisch verklebt sein, dass man das alles …) Deshalb sagen wir, finanzielle Bildung ja, aber nur mit einem Fokus auf die gesamte Gesellschaft. Verlässliche Renten, eine solidarische Gesundheitsversorgung, das sind die besten Mittel gegen individuelle Armut, … (Zuruf von Horst Förster, AfD) Hatten Sie nicht letztens soziale Marktwirtschaft in die Verfassung haben wollen? … nicht ein Depot bei einem der diversen Neobroker. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Wir sagen, finanzielle Bildung ist richtig, finanzielle Bildung ist notwendig, finanzielle Bildung ist nötig. Aber Bildung ohne Solidarität ist unvollständig, Bildung ohne Nachhaltigkeit ist gefährlich. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Finanzielle Bildung – Ja! Soziale Sicherheit – Ja! Verantwortung für alle – Ja! – Vielen Dank, wir stimmen dem Antrag zu! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
