Barbara Becker-Hornickel
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ja, ich lade Sie ein vielleicht zu einem etwas weniger leidenschaftlichen Thema, aber trotzdem, (Zurufe aus dem Plenum: Was?!) genau, danke, ich denke, da kommt auch Leidenschaft auf, (Torsten Koplin, Die Linke: Da drin steckt das Wort „leiden“!) wenn es nämlich um Finanzbildung als Grundlage in unseren Schulen geht. „Ich wette, du kannst niemals meine Klarna-Schulden toppen“, sagt Lena, 17 Jahre, auf TikTok. Im Video zeigt sie ihren Kontostand – H&M und Zara, über 2.000 Euro auf Rechnung. Unter dem Hashtag „Klarnaschulden“, der fast 49 Millionen Aufrufe hat, posten junge Menschen stolz ihre Schulden bei Buy-nowpay-later-Anbietern wie Klarna. (Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) Für viele wirkt das wie ein harmloser Trend, doch die Realität ist ernst. Wer die Rechnung nicht rechtzeitig begleicht, erhält Mahnungen mit Gebühren, es droht ein Inkassoverfahren, und bei Ratenzahlungen fallen Zinsen von bis zu 1,95 Prozent an. Lenas Beispiel verdeutlicht, wie dringend junge Menschen eine fundierte ökonomische Bildung benötigen, um Risiken frühzeitig zu erkennen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen und finanzielle Entscheidungen kritisch zu hinterfragen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wir investieren doch in unsere Zukunft auf Pump!) Finanzielle Bildung ist heute ein zentraler Bestandteil moderner Allgemeinbildung. Wer wirtschaftliche Zusammenhänge versteht, kann Überschuldung vermeiden, Chancen gezielt nutzen und sich sachkundig an gesellschaftlichen und wirtschaftspolitischen Debatten beteiligen. Die Initiative Finanzielle Bildung, die in der 20. Legislaturperiode des Bundestages von Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger ins Leben gerufen wurde, setzte hierfür bundesweit wichtige Impulse. Sie vernetzte Akteure, initiierte praxisnahe Maßnahmen und brachte dieses wichtige Thema auf die nationale Agenda. Leider ist ihre Fortführung im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung nicht vorgesehen. Das ist ein Rückschritt nicht nur für Mecklenburg-Vorpommern, sondern für das gesamte Land. Wir fordern daher die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für die Weiterführung und den Ausbau dieser Initiative einzusetzen. (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP) Eine Wiederaufnahme und Weiterentwicklung ist daher im gesellschaftlichen Interesse. Gleichzeitig soll Mecklenburg-Vorpommern aktiv die Umsetzung des OECD-Vorschlags für eine nationale Finanzbildungsstrategie unterstützen. Diese international abgestimmte Strategie bietet einen klar strukturierten Rahmen, um finanzielle Bildung systematisch und langfristig zu stärken. Für Mecklenburg-Vorpommern eröffnet die nationale Finanzbildungsstrategie die Chance, sich an einem zukunftsfähigen, langfristig angelegten Bildungsrahmen zu beteiligen. Darüber hinaus fordern wir die Landesregierung auf, zu evaluieren, inwiefern Mecklenburg-Vorpommern am OECD-Test, umgangssprachlich Finanz-PISA, teilnehmen kann. Länder wie Australien, Estland, Frankreich oder Italien nutzen diese Studie bereits, um belastbare Daten über die finanziellen Kompetenzen von Jugendlichen zu erhalten. Solche Erkenntnisse ermöglichen gezielte Weiterentwicklung von Lehrplänen, Kooperationen mit außerschulischen Partnern und Fortbildungsangebote auf wissenschaftlich fundierter Basis. Deutschland hat bislang nicht teilgenommen. Mecklenburg-Vorpommern sollte hier Vorreiter sein und ein wichtiges Zeichen setzen. Finanzielle Bildung ist kein Luxus, sie ist eine Notwendigkeit für unsere jungen Menschen und für unsere Gesellschaft. Mecklenburg-Vorpommern hat nun die Möglichkeit, hier Vorreiter zu sein, Verantwortung zu übernehmen und echte Impulse auf Bundesebene zu setzen. Lassen Sie uns diese Chance ergreifen, damit jede und jeder unserer Jugendlichen die Kompetenzen erhält, die sie für ein eigenverantwortliches Leben brauchen. So stärken wir nicht nur die Zukunft unserer Kinder, sondern auch den Zusammenhalt und die Stabilität unseres Landes. (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP) Vielen Dank bis hierher! Ich freue mich auf eine spannende, ja, auch leidenschaftliche Diskussion. – Danke! (Beifall vonseiten der Gruppe der FDP)
