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Christian Winter

SPD 10.10.2025 Sitzungen 8/117

Ja, genau, und das hat ja – also Sie unterstreichen damit ja eigentlich auch noch mal, was Ihr Kollege Liskow gesagt hat, der durchaus des Pudels Kern erkannt hat –, und das habe ich ja eben auch wiedergegeben: Wir brauchen diese beruflich Qualifizierten ja nicht einfach nur als Zielgruppenerweiterung, um jetzt einen größeren Personalpool, größere Kapazität zu haben für Eins-zu-eins-Stellennachbesetzungen, nein, wir brauchen diese Leute speziell mit ihren Erfahrungen, mit ihren Qualifikationen, um die Verwaltung letztendlich smarter zu machen, um dann wirklich zu schauen, wo kann weniger Personal gebraucht werden. Weil, wie gesagt, das ist nichts, was ich irgendwie mit der Machete abschneiden kann. Ich muss gezielt auch sozusagen die Prozesse verändern. Das ist wie mit der Digitalisierung. Ich kann nicht einfach schlechte Prozesse digitalisieren, ich muss sie neu aufstellen. Und dazu brauchen wir diese Leute eben, weil wir nicht eins zu eins nachbesetzen wollen, sondern um dieses neue Mindset, um diese Kompetenzen der Leute für Verwaltungs- und Staatsmodernisierung zu nutzen. Alles klar, aber wie gesagt, das kann ich durchaus verstehen, das war mir auch klar, dass natürlich der Punkt Fachkräftemangel kommt. Mir sind dabei noch mal zwei Dinge ganz wichtig. Also, wie gesagt, das ist ja jetzt hier kein Antrag allein zum Thema Fachkräftemangel. Da muss man sagen, und dazu habe ich ja als wirtschaftspolitischer Sprecher auch schon oft genug geredet, dazu gibt es ja ein ganzes Fachkräftekonzept, was mit allen Beteiligten – Gewerkschaften, Kommunen, Kammern et cetera – aufgestellt wurde, das trifft ja die Komplexität dieser Sache. Das ist hier wirklich ein Antrag, der ein paar Puzzlesteine darstellt, aber eine ganz wichtige Initialzündung. Und der Prozess wird damit angestoßen, das sieht man ja auch in den Prüfaufträgen et cetera. Und ich möchte aber auch noch mal was anderes starkmachen, das ist in die Richtung Jutta Wegner sehr stark gegangen, möchte ich auch mal sagen. Wir müssen auch so ein bisschen von der tradierten Denkweise wegkommen, ich mach einmal was und dann bleibe ich da mein ganzes Leben lang. Was ich mit diesem Antrag oder was wir mit diesem Antrag eigentlich anstoßen wollen, ist auch eine gewisse Flexibilität (Zuruf von Martin Schmidt, AfD) und Buntheit der Erwerbsbiografien, in die Wirtschaft, in die Verwaltung zu gehen, andersherum, und vielleicht auch mehrfach zu wechseln, weil das ist ja nun nicht das Paradies, wenn ich 40 Jahre auf derselben Stelle arbeite. Es kann ja durchaus auch für mich als Arbeitskraft bereichernd sein, aber eben auch für die Dienstherrn oder entsprechenden Unternehmen, dass die Leute mehrfach wechseln. Also ich habe in den letzten Jahren viele Arbeitnehmerinnen meiner Generation, aber auch etwas älter und etwas jünger kennengelernt, die dadurch eine sehr große Erfüllung bringen zum einen, aber auch einen großen Mehrwert an den Stellen, wo sie arbeiten. Und ich glaube, das ist eben auch was ganz Wichtiges, dass man diese neue Denkweise mit hineinbringt und in die Verwaltungsarbeit teilweise auch solche bunten Erwerbsbiografien, die gar nicht, also früher waren es erzwungene Brüche, heute sind es gewollte Wechsel. Das ist zu wenig auch in den Konstrukten mitgedacht, auch im Einstellungsverfahren, und das wollen wir natürlich auch aufbauen. Wie gesagt, wir können hier nicht schon alles vorzeichnen, wie es ist. Wir wollen eine Entwicklung anstoßen. Und deswegen, um diese Entwicklung anzustoßen, finde ich es auch wichtig, diesen Antrag jetzt so zu beschließen. Die Sache wird ja weitergehen, und es gibt natürlich auch, steht den anderen Fraktionen frei, sich dort auch in die Richtung aufzumachen. Und ansonsten war es hier eine sehr gute Debatte. Auch was ich zu Herrn Holm gesagt habe, das war keine Polemik, die ich hier anbringen wollte, sondern das waren, der Zeitung habe ich entnommen, glaube ich, Dinge, die er in seiner Bewerbungsrede hier als Direktkandidat in Schwerin geäußert hat, und ich fand das eher etwas polemisch. Und das war aber sehr, ähm, ja, stand für mich sehr beispielhaft für viele Debatten, die wir gerade auch von der AfD – aber die gibt es auch von anderen Akteuren –, die wir hören, wo einfach uns suggeriert wird, man kann da einfach mal ein paar Stellen wegkürzen, das wäre sozusagen Deadweight Loss, ja, und das würde keinen Unterschied machen, wenn die Stellen nicht mehr da sind. Also in diesem Sinne möchte ich aber auch noch mal starkmachen, als Pendant bleibt natürlich auch die Wirtschaft aufgefordert, selbst pragmatisch, optimistisch voranzugehen, und ich sehe das, wie gesagt, auch als Wechselwirkung, weil die Leute auch in die Verwaltung wechseln und zurück, um so modern und prozessorientiert zu sein. Und am Ende des Tages soll das ein beidseitiger Nutzen sein. Pragmatismus, Freude am Gelingen und auch eine gehörige Portion Optimismus ist eine Denk- und Verhaltenseinstellung, die unser Land mehr denn je brauchen wird, wenn wir in diesen immer schneller sich verändernden Zeiten Schritt halten wollen. Wenn wir letztendlich auch unser Wohlstandsniveau halten wollen, dann können wir nicht so weitermachen wie bisher, dann brauchen wir ein neues Mindset. Wir geben hier ein paar Bausteine, ein paar Puzzleteile mit. Ich denke also, alle, die auch uns voranbringen wollen, unser Miteinander vor den Vorzeichen des Zusammenhalts voranbringen wollen, die konstruktiven Kräfte in diesem Haus können dem einfach nur zustimmen, das habe ich ja so auch vernommen. – In diesem Sinne danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)

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