Torsten Koplin
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Mein Vorredner hat ein ziemlich düsteres Bild gemalt, und ich finde, das kann man so nicht stehen lassen. (Torsten Renz, CDU: Er hat die Herausforderungen dargestellt, Herr Koplin!) In unserem Land (Zuruf von Torsten Renz, CDU) wird in der Verwaltung sehr verantwortungsvoll gearbeitet. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Wir haben tolle Leute, hoch kompetente Leute an Bord, (Sebastian Ehlers, CDU: Das hat ja auch keiner bestritten! – Zuruf von Torsten Renz, CDU) und das soll auch weiterhin so sein. (Sebastian Ehlers, CDU: Hat er das Gegenteil gesagt?) Und insofern wird diese Frage der Personalentwicklung und der Gewinnung von Fachkräften mit höchster Verantwortung und sehr sensibel behandelt. Ja, wir alle sind doch wohl daran interessiert, eine funktionsfähige Verwaltung zu haben. Das kann ich weder bei Herrn Holm noch eben bei Herrn Liskow erkennen. (Torsten Renz, CDU: Bei Herrn Holm?) Wenn man so, wenn man linear runtergeht und sagt, ja, weniger Leute – müssen wir weniger in der Verwaltung haben, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) und Künstliche Intelligenz wird das alles schon regeln. (Beate Schlupp, CDU: Das hat doch gar keine gesagt! – Zuruf von Martin Schmidt, AfD) Das wird sie teilweise müssen, aber sie ist kein Allheilmittel. Und was die Personal… (Zurufe von Martin Schmidt, AfD, Beate Schlupp, CDU, und Wolfgang Waldmüller, CDU) Ne, Angst haben wir vor dem gar nicht, keineswegs. Und was die Personalkostenquote betrifft, (Martin Schmidt, AfD: Nachts schlecht geträumt.) da sind wir im Bundesvergleich so ziemlich die Bescheidensten. Das will ich an der Stelle auch unbedingt noch mal erwähnen. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Herr Winter hat mit dem Begriff oder mit dem Wort „Respekt“ begonnen, was mir sehr sympathisch ist. Ich möchte mit dem Wort „Potenzial“ beginnen. In diesem Land, im Herzen unserer Gesellschaft schlummern nämlich gewaltige Potenziale, Potenziale, die viel zu oft übersehen, unterschätzt oder gar ausgeklammert werden. Wir reden viel von Fachkräftemangel, von Nachwuchsproblemen und von der Notwendigkeit, die Verwaltung zu stärken. Doch solange der soziale Aufstieg vom Zufall der Herkunft abhängt, solange Bildungswege nicht wirklich gleichwertig behandelt werden, bleibt unsere Gesellschaft unter ihren Möglichkeiten. Wir Linke stehen für eine Gesellschaft, die jedem Menschen Aufstiegschancen eröffnen möchte. Doch das gelingt nicht ohne das aktive Anzapfen der verborgenen Ressourcen, der unsichtbaren, scheinbar unsichtbaren Leistungsträger. Wir müssen die Hürden beseitigen, die Menschen von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abhalten – seien es zu starre Bildungsvoraussetzungen, soziale Barrieren oder Diskriminierung am Arbeitsmarkt. Gerade deshalb fordern wir: gleicher Zugang zu öffentlichen Ämtern für beruflich und akademisch Qualifizierte, Schluss mit der Bevorzugung formaler Abschlüsse, Schluss mit dem Mythos, dass nur Abitur und Studium den Zugang ins Herz der Verwaltung eröffnen dürfen. Wer Berufserfahrung hat, wer sich durch Weiterbildung qualifiziert, wer Verantwortung übernimmt, verdient die gleichen Chancen. Es ist Zeit, dass wir die Durchlässigkeit unseres Systems stärken und die Verwaltung endlich zum Motor des sozialen Aufstiegs machen. Die wahre Kraft unserer Gesellschaft kommt von innen, von den Menschen, die täglich arbeiten, sich weiterentwickeln, ihre Familien umsorgen, ernähren, neue Kompetenzen erarbeiten. Wir dürfen uns nicht mit bürokratischer Bequemlichkeit zufriedengeben, sondern müssen bestehende Strukturen weiterentwickeln. (Beifall vonseiten der Fraktion Die Linke) Das machen wir, das bringt auch unser Antrag zum Ausdruck. Gerade die Landesverwaltung kann hier Vorreiter sein. Lassen wir zu, dass Erfahrung, praktische Intelligenz und Engagement zählen und nicht bloß Zeugnisse und formale Titel. Was heißt das konkret? Es heißt, dass wir Qualifizierungsmaßnahmen gezielt ausbauen, den Zugang zur Beamtenlaufbahn öffnen und Hemmnisse für Tarifbeschäftigte abbauen. Das heißt, dass jeder, der seine Kraft und seine Fähigkeiten einbringt, Wertschätzung erfährt und die Chance erhält, aufzusteigen. Wir stehen an einem Scheideweg. Entweder lassen wir zu, dass die gesellschaftliche Kluft weiterwächst, oder wir geben den Menschen zurück, was ihnen ohnehin zusteht: Vertrauen in ihre eigene Kraft. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
