Christian Pegel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Werte Abgeordnete! Einen wunderschönen guten Morgen! Zunächst herzlichen Dank! Das Thema Fachkräftesicherung wird uns in der Tat nicht nur in der privaten Wirtschaft, sondern selbstverständlich auch im öffentlichen Dienst immer stärker umtreiben, das tut es jetzt schon. Schwierigkeiten, jede Stelle nachzubesetzen, hat der Abgeordnetenkollege Christian Winter dankenswerterweise angesprochen. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass es uns in den nächsten 15 Jahren eben nicht mehr gelingt, jede Person durch eine Person zu ersetzen. Von daher bleiben Herausforderungen auch bei den Stellen, der Entbürokratisierung, der Digitalisierung und mit Sicherheit auch der Vereinfachung. Aber wir brauchen umgekehrt auch eine Durchlässigkeit, die im Übrigen in anderen Bereichen ja durchaus mit Mut bewiesen ist. Hauptgrund bleibt der demografische Wandel. An dem werden wir, selbst wenn wir ab morgen alle fleißig anderes täten, nichts mehr ändern können in den nächsten zweieinhalb Arbeitsgenerationen, die vor uns liegen. Und deswegen brauchen wir, und das ist die eine Baustelle, weiterhin eine stabile eigene Ausbildung. Dafür ist die Fachhochschule Güstrow im Übrigen ein großartiger Ort, und die hat eben eine Mischfunktion. Auch dafür werbe ich. In Güstrow werden Studiengänge für den gehobenen Dienst angeboten, im Justizbereich, in der Polizei, aber insbesondere auch in der allgemeinen Verwaltung und dort für Land und Kommunen. Aber in Güstrow werden durchaus auch mittlere Dienste ganz klassisch ausgebildet, im Übrigen auch da für verschiedene Bereiche. Also das, was wir quasi in der freien Wirtschaft als duale Ausbildung umschreiben, findet in Güstrow gleichermaßen statt, und auch dort Kommunen und Land an vielen Stellen Hand in Hand. Aber das alleine wird bei den Stellenbedarfen, also bei den Besetzungsbedarfen, bei den Menschenbedarfen alleine nicht ausreichen. Und von daher brauchen wir Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. Die brauchen wir im Übrigen schon immer, weil es eine Vielzahl von auch sehr spezialisierten Bereichen gibt, für die wir eben nicht in Güstrow ausbilden und auch gar nicht ausbilden können. Es gibt eine Vielzahl von Verwaltungsfunktionen, wo ich über das Verwaltungs-Know-how hinaus technisches Know-how, IT-Know-how, naturwissenschaftlich verschiedenste Fragestellungen, sehr spezifische thematische Fragestellungen beherrschen können muss. Von daher ist es auch gar nichts Neues, aber der Bedarf wird wachsen, und wir sehen, dass wir an der Stelle deutlich stärker auch die Öffnung in andere Bereiche hinein brauchen. Dabei ist es im öffentlichen Dienst vielleicht noch einen Hauch schwerer. Christian Winter hat dankenswerterweise angesprochen, dass sich viele Lebensbereiche daran gewöhnt haben, dass manchmal so getan wird, als ob die Menschwerdung erst beim Bachelor- oder Masterabschluss begönne. Völliger Quatsch, da bin ich unstreitig. Ich bin selbst Realschüler, der Erste, der dann hinterher das Abitur in der Familie gemacht hat. Von daher scheue ich mich sehr und bin sehr demütig vor allen Bildungsabschlüssen. Umgekehrt müssen wir wissen, dass das, was an vielen anderen Stellen so reingewachsen ist, in den 90ern ganz stark, dass man aufgrund der großen Zahl von Bewerbungen für Auszubildendenstellen sich quasi weitgehend auf Abiturientinnen und Abiturienten konzentrieren kann. Und jetzt in Berufen, die ich 89/90 im Übrigen noch als klassischen Zugang für die Realschülerinnen und Realschüler erlebt habe, als ich mich 89 bewerben musste, da war in den 90ern völlig selbstverständlich, unter Abitur kein Zugang. Und wir müssen momentan an der Stelle in vielen Bereichen, glaube ich, auch wieder lernen, uns in eine, nach meiner Überzeugung, Normalisierung der Schulabschlüsse, die wir voraussetzen, hineinzubewegen. Aber der öffentliche Dienst hat da eher einen viel tradierteren Zugang. Der öffentliche Dienst hat in den 50er/60ern einen sehr klar mittleren, gehobenen und höheren Dienst mit verschiedenen Bildungsabschlüssen getrennt. Das heißt, wir haben eine viel größere Aufgabe, weil wir eben nicht nur sagen, komm, guckt mal alle zurück in die 80er oder 90er, das ist eigentlich unser Ursprung, sondern wir zum Teil mit sehr tief verinnerlichten Überzeugungen umgehen müssen, ab welchem Niveau und welcher Stufe ich eigentlich was tun kann. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass Sie uns mit diesem Antrag Unterstützung gewähren wollen. Sie haben dankenswerterweise vorgestern bereits in die Ausschüsse verwiesen die Novellierungsanregungen der Landesregierung, den Gesetzentwurf der Landesregierung für das Landesbeamtengesetz. Wir haben dort bereits Änderungen angeregt, eine, nämlich im Beamtenverhältnis, auch für höhere Eingruppierungen zuzulassen, wer sich an anderer Stelle im öffentlichen Dienst schon entsprechend bewährt hat. Wir haben einen deutlich erleichterten Zugang für das Beamtenverhältnis auf Probe für die höheren Laufbahngruppen, für Berufsgruppen des technischen Dienstes vorgeschlagen. Und wir wollen gern Soldatinnen und Soldaten, die zum Teil 12/15/16 Jahre mit großer Führungserfahrung, mit extrem guten Ausbildungen aus der Bundeswehr zu uns wechseln wollen, ebenfalls quasi einen Wechsel auf Augenhöhe mit Beamtinnen und Beamten ermöglichen. Es sind also Öffnungen vorgeschlagen. Ihr Prüfauftrag schaut darüber hinaus, dafür herzlichen Dank! Und weil ich weiß, dass ganz viele sagen, geht denn das überhaupt, passt das – die Frage kann man zunächst aufwerfen, weil du natürlich mit Artikel 33 Grundgesetz immer die Bestenauslese, die Vergleichbarkeit brauchst, und je mehr unterschiedliche Zugänge ich zulasse, desto herausfordernder werden die Vergleichbarkeiten. Aber ich werbe mal dafür, dass Nordrhein-Westfalen bereits beweist, dass es geht. Die haben nämlich, und dann bin ich vor allen Dingen bei den besonderen Berufszugängen, die wir brauchen, die haben für die Berufsgruppen im technischen Bereich, hier insbesondere im Arbeitsschutz, sich ganz deutlich an der Stelle schon geöffnet. Da ist vielleicht auch ein bisschen Not dabei, aber da gehts uns nicht anders als den nordrheinwestfälischen Kolleginnen und Kollegen. Es ist ein gutes Zeichen dafür, dass jemand beweist, dass es geht. Ich freue mich also über den Prüfauftrag, wir schauen uns das gerne an. Und gerade in den vielen spezielleren Bereichen, glaube ich, schreit es zwischenzeitlich danach, dass wir klassischen Ausbildungsberufen mit dann einem Einblick in die Verwaltung, den kann aber jeder jederzeit bekommen, relativ schnell die Möglichkeit geben, uns qualitativ extrem zu verstärken. – Wir brauchen jede und jeden, und von daher herzlichen Dank für diesen Antrag! Ich wünsche erfolgreiche Debatte. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
