Christian Winter
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Erst mal einen schönen guten Morgen hier am Freitag, dem dritten Landtagssitzungstag. Wir steigen sozusagen soft ein mit einem aber ganz wichtigen Thema, das auf ganz vielen Ebenen stattfindet, und ich möchte meine Rede beginnen mit dem Thema Respekt. Respekt für die Lebensleistung von Menschen mit beruflichen Qualifikationen. Denn wir haben hier schon häufiger in den Ausschüssen, im Plenum darüber gesprochen, dass viele junge Menschen sich heutzutage nach dem Schulabschluss für ein Studium entscheiden, und das hat unterschiedliche Gründe. Viele Schülerinnen und Schüler, insbesondere nach dem Abitur, verspüren aber auch einen gewissen Druck – einen Druck, auch einen gesellschaftlichen Druck, und ich denke, das kennen viele von Ihnen, vielleicht auch einige als Elternteil, einen gesellschaftlichen Druck, der sagt, geh studieren, wenn du später mal etwas werden willst. Und wie gesagt, ob aus der Perspektive des Zuhörenden oder weil man es selbst gesagt hat, ich glaube, viele hier im Raum kennen diesen Satz. Ich selbst habe mich nach meinem Abitur aus Überzeugung für ein Studium entschieden, aber natürlich kenne ich das von zu Hause auch. Damals, vor 20 Jahren, waren das auch noch Zeiten, wo es ja wirklich auch noch eine engere Situation auf dem Arbeitsmarkt war. Aber natürlich gab es von zu Hause auch einen gewissen Druck, weil in meinem Elternhaus war meine Mutter die Erste in unserer Familie, die studiert hat. Ich sollte und bin dann ja auch der Zweite geworden. Und das spielt natürlich auch eine Rolle in unseren Generationen, die hier aufgewachsen sind, was gerade in der DDR-Zeit natürlich auch noch mal eine besondere Relevanz hatte, das Studium und der Aufstieg damit, wenn man aus Arbeiter- oder, wie in meinem Fall, aus Bauernverhältnissen kam. Wir alle kennen auch den Grund für diesen Druck, denn wenn man sich heute auf eine Stelle bewerben will, dann wird ein Studienabschluss ganz oft auch vorausgeschrieben. Das ist sowohl in der freien Wirtschaft so, aber auch in der Verwaltung – und damit kommen wir jetzt zum Thema des Antrages –, und das, obwohl wir viele wertvolle und hervorragende Berufsausbildungen in Deutschland haben, Berufsausbildungen, auf die ich ja noch aufsatteln kann, zum Beispiel, und darüber haben wir ja auch oft gesprochen, mit dem Meister aufsatteln kann oder mit dem Fachwirt. Laut dem sogenannten deutschen Qualifikationsrahmen sind diese Abschlüsse im Übrigen vergleichbar mit dem Bachelorabschluss. Wenn wir nun aber in die Praxis schauen, dann ist diese Vergleichbarkeit nur sehr begrenzt. In der Verwaltung gibt es zwar mittlerweile Ausnahmen, und es gibt auch viele Stellen, auf die sich beruflich – aber es gibt auf der anderen Seite viele Stellen, wo beruflich Qualifizierte nicht einmal mit erwähnt werden in der Beschreibung und ihnen damit der Zugang verwehrt ist. Und selbst wenn sie es einmal mit einer guten Ausbildung und viel Arbeitseifer in die Verwaltung geschafft haben, dann bleibt ihnen oft der weitere Aufstieg verwehrt. Und das ist nicht nur in gewisser Weise unfair, es kostet auch uns als Bundesland und als Verwaltung großes Potenzial, denn wir reden immer wieder über Bürokratieabbau, über Staatsmodernisierung, und wir handeln da ja auch. Und gerade, was hier die Landespolitik, die Landesregierung auch konkret mit den Gesetzen zur Landesbauordnung, zur Pflege, was gerade mit dem Denkmalschutz in der Mache ist, auch im Landeskrankenhausgesetz, das kann sich sehen lassen. Aber dieser Bürokratieabbau, diese Staatsmodernisierung, die muss vor allem auch in den Köpfen der Menschen gelebt werden, unserer Menschen, die wir ja brauchen. Und da fand ich schon sehr bemerkenswert, wenn ich zum Beispiel die Äußerungen von Herrn Holm höre, der jetzt einfach mal suggeriert, man könne ja einfach in der Verwaltung einsparen, indem man die ganzen Stellen nicht nachbesetzt, und die Leute, die da sind, sollen mal ein bisschen mehr arbeiten, ja! Das ist ein völlig schräges Bild von der Verwaltung. Das trifft überhaupt gar nicht zu, bildet überhaupt gar nicht die Realitäten ab, was los ist. Und wir haben ja auch ähnliche Dinge im Finanzausschuss in der Anhörung am Montag gehört, als wenn die Stellen einfach wegrationalisiert sind. Es wird aber durchaus ignoriert, dass Arbeiten in der Verwaltung gerade mit Blick auf Bürgernähe auch heutzutage anspruchsvoller ist und dass, ja, es gute Konzepte braucht, die Dinge auch inklusive Einarbeitung und so weiter gut nachzubesetzen, sodass die Aufgaben am Ende auch gut erfüllt werden. Und deswegen ist es jetzt an der Zeit, die berufliche Qualifikation der Menschen stärker anzuerkennen, dadurch auch ihre praxisnahen Erfahrungen, weil Leute mit beruflicher Qualifikation, die kommen ja oft auch aus ganz anderen Lebens- und Arbeitsbereichen. Und auch das ist ja eine wertvolle Ressource für den Staat, um effizienter, um bürgernäher, um digitaler – denn gerade im IT-Bereich, da finden wir viele dieser beruflich qualifizierten Abschlüsse und Zertifikate und da haben wir auch einen enormen Personalbedarf –, um die Verwaltung auch in diesen Bereichen fitter zu machen. Und genau das ist das essenzielle Ziel unseres Antrages. Meine Damen und Herren, ich möchte Sie gerne noch mitnehmen auf einen Termin, den ich letzte Woche hatte, denn am 29. September durfte ich an der Zeugnisverleihung an unserer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow teilnehmen. Dort erhielten viele Dutzende junge Leute ihre Abschlüsse, zum einen in der allgemeinen Verwaltung, die haben dort einen Lehrgang abgeschlossen, sind jetzt Sekretärsanwärterinnen/Sekretärsanwärter – das muss ich hier mal ablesen, weil ich selbst ja kein Verwaltungsgewächs bin –, oder es haben auch die Leute, die ihren Abschluss als Bachelor of Law, die dort ihr Verwaltungsstudium abgeschlossen haben, haben dort auch diesen Abschluss erhalten. Der Minister Pegel war auch da, hat ein Grußwort gehalten. Von mir von dieser Stelle auch noch mal herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss nach zwei Jahren Lehrgang beziehungsweise drei Jahren Studium! Ich hatte am Rande der feierlichen Graduierung noch die Möglichkeit, mit Dr. Metzger, das ist der Direktor der Fachhochschule, zu sprechen. Und es ist da auch erstaunlich, denn das, was wir aus allen Bereichen, gerade ich als wirtschaftspolitischer Sprecher, jeden Tag auch aus der Wirtschaft hören, das ist an der FH tatsächlich auch gang und gäbe: Die Ausbildungs- und Studiengänge, wo sich früher die FH die Auszubildenden aussuchen musste, konnte, also auch selektieren konnte, das ist heute beileibe nicht mehr so. Es ist mitunter ein Problem, die Studien- und Ausbildungsgänge, die unter hervorragenden Bedingungen dort ja stattfinden, die überhaupt vollzukriegen. Das zeigt auch noch mal, wie wichtig es ist, hier hineinzugehen, darüber zu sprechen, wie wir unser Personal rekrutieren, da auch neue Wege zu gehen, weil das, was wir dort ausbilden, das ist ja der Nachwuchs für die Landes-, aber im Übrigen auch die Kommunalbehörden. Und ich weiß von vielen Kommunen, gerade unterhalb der Landkreisebene ist es noch mal besonders schwierig, auch Personal zu gewinnen. (Torsten Renz, CDU: Kommt denn jetzt was Neues?) Insofern geht das Land dort auch mit positivem Beispiel voran. Das wissen Sie, dass aufgrund des demografischen Wandels eine Eins-zu-eins-Besetzung schwierig ist. Mit unserem Antrag zur Stärkung der Durchlässigkeit, um die Zugänge für beruflich Qualifizierte und eben auch beruflich Erfahrene in die Landesverwaltung zu ermöglichen, begegnen wir dieser Problemstellung, wollen als Land mit positivem Beispiel vorangehen. Zum Abschluss ist mir aber auch noch mal wichtig zu sagen, dass wir natürlich ausdrücklich auch die Leistung der Akademikerinnen und Akademiker loben. Ich bin ja selbst einer von denen, die ein Studium abgeschlossen haben und in unterschiedlichen Funktionen auch in der Verwaltung bei uns im Land dazu beitragen, dass der Laden überhaupt am Laufen gehalten wird und weiterentwickelt wird. Im Übrigen gilt ihnen genauso mein Dank. Aber den gleichen Respekt, den fordern wir mit diesem Antrag auch ein und mit gleicher Anerkennung, die muss es auch geben für Menschen mit beruflicher Qualifikation. Die halten unser Land genauso am Laufen, und für die machen wir uns mit diesem Antrag stark. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Für diese Menschen muss es im Land mehr Perspektiven geben, auch alternative Qualifikationsangebote, um dann sozusagen – und manchmal fehlt ja noch der eine Verwaltungslehrgang, und es gibt gerade rechtliche Spezifika, die brauche ich also –, aber da gibt es ja auch noch sozusagen Grautöne und nicht nur schwarz und weiß, und da müssen auch Anerkennungsverfahren ermöglicht werden. In diesem Sinne bringe ich heute diesen Antrag der Koalitionsfraktionen ein. Mit dem wollen wir diese Anerkennung stärken, diesen Respekt stärken. Ich freue mich jetzt erst mal auf die Debatte, und ganz besonders würde ich mich dann natürlich auch auf die Zustimmung der anderen Fraktionen freuen. – Erst mal danke für Ihre Aufmerksamkeit heute Morgen! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
