Barbara Becker-Hornickel
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Sorgende Gemeinschaften, das klingt nach Wärme, Nähe, Solidarität und Geborgenheit. Und das, was uns hier vorgetragen wurde, war doch durchaus ein bunter Strauß von Maßnahmen, die irgendwo, wenn man es hört, und ja, es wäre so, würde mich persönlich auch schon mal glücklich machen. Aber was nutzen diese schönen Schlagworte, wenn es im Alltag der Menschen nicht oder selten ankommt? Der Ton in der Gesellschaft wird rauer. Achtung vor der Lebensleistung alter Menschen sinkt. Freundlichkeit wird Mangelware. Es tut mir richtig weh, das auszusprechen. (Zuruf von Christine Klingohr, SPD) Und die Fakten sprechen eine klare Sprache. Laut dem Glücksatlas 2024 sind die Menschen in Deutschland trotz Inflation, trotz Ukrainekrieg und trotz angespannter Wirtschaftslage insgesamt wieder zufriedener geworden, nur in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Mit 6,17 Punkten bilden wir das bundesweite Schlusslicht. Damit ist die landesweite Lebenszufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr noch mal gesunken. Im Rest der Republik hat sie meist zugenommen. Einen traurigen Spitzenreiter in einer ganz bestimmten Sache bildet unser Mecklenburg-Vorpommern, wenn es um die Zahl der Alkoholkranken geht und auch um Suchtkranke. Sie haben viel von Einsamkeit gesprochen, aber Sucht macht einsam. Wir vermissen hier das viel versprochene, aber bisher nicht ausreichend abgebildete Engagement in der Landesregierung. Zu weiteren konkreten Alltagsproblemen in Mecklenburg-Vorpommern zählen: Es fehlen Pflegekräfte, es fehlen Ärzte, die Wege zur Apotheke werden immer weiter, alles Themen, die wir heute hier schon, denke ich, weitgehend besprochen haben. Versuchen Sie einmal, auf einem Dorf in Mecklenburg wohnend, einen Facharzttermin zu bekommen! Menschen kämpfen mit endloser Bürokratie, Pflegende mit Überlastung, Familien mit fehlender Verlässlichkeit. Eine allgemeine Frustration macht sich breit. Ich bin die Letzte, die meine Heimat, dieses wunderbare Land Mecklenburg-Vorpommern schlechtreden will, aber die Realität, ich habe es gerade erlebt: Ich war beim Erntedankfest in meiner Gemeinde, eine wunderbare Veranstaltung, die war toll, alle Vereine haben sich vorgestellt. Aber das, was die Menschen mir erzählt haben, ich bin nun nicht allzu oft in dieser Gemeinschaft unserer Gemeinde, aber das war bedrückend. Ich hätte gern etwas anderes gehört, was all die schönen Dinge, die uns vorgetragen wurden, dem auch entsprochen hätte. Aber das Vertrauen der Bürger sinkt, wenn die Regierung zwar von sorgenden Gemeinschaften spricht, aber nicht dafür sorgt, dass die grundlegende Versorgung funktioniert, (Christine Klingohr, SPD: Wir selber sind es. Nur wir selber können es machen.) der Ruf nach Beratung und Hilfe gefühlt nicht gehört wird. (Christine Klingohr, SPD: Jeder Einzelne.) Es gibt durchaus gute Beispiele in diesem Land. (Julian Barlen, SPD: Vor allem, Sie leben in einer privilegierten Gemeinde auch noch. Der gehts richtig gut.) Eine lebendige Vereinskultur, ich sagte es gerade, ist in den Dörfern und Städten zu finden. (Julian Barlen, SPD: Da würde ich eher ein fröhliches Fest feiern.) Dort wird echte Gemeinschaft gelebt. Und ich denke, auch zu unserer Ehrenamtsstiftung, die dort einen großen Rückhalt und Beitrag leistet, haben wir auch in der Vergangenheit gesprochen. Ich finde es nach wie vor eine wichtige, gute Arbeit, die hier geleistet wird. Gerade in den Vereinen wird die Verbindung zwischen den Generationen gefördert, der Einsamkeit in diesem Fall wirklich entgegengewirkt, und zwar von Menschen jeden Alters. Trotzdem, es tut mir weh, diesen Satz zu sagen, aber ich empfinde es so: Es wird mir hier einfach zu viel weiße Salbe auf existierende Probleme geklebt. – Danke! (Beifall David Wulff, FDP)
