Dr. Harald Terpe
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Christine, wer würde sich nicht wohlfühlen, wenn man diesen Vortrag von dir gehört hat, wo viele Ansätze beschrieben werden, was man alles machen könnte, und wo ja auch sicherlich schon eine ganze Menge Ideen reingeflossen sind. Aber du wirst es sicherlich verstehen, mit einer langen Lebenserfahrung weiß ich natürlich auch, dass das eine sehr ideale Welt ist, die du skizziert hast, und die Realität tatsächlich auch anders aussieht. Und klar, die sorgenden Gemeinschaften, die Organisation von Prävention und Teilhabe im Quartier, das ist ein langes bündnisgrünes Thema auch gewesen. Wir haben viel auch um Prävention gerungen, auch um Finanzierung von Prävention. Und da haben wir zum Beispiel die erste strukturelle Hürde. Wir haben bis heute nicht geschafft, dass sozusagen sich solidarisch verschiedene Player an der Finanzierung der Prävention beteiligen. Wir haben damals durchgesetzt auf Bundesebene, dass sozusagen die Krankenkassen für Prävention sich engagieren, aber beispielsweise nicht die kommunalen Spitzenverbände und beispielsweise auch nicht die Rentenversicherung. Das sind also zwei wesentliche Player, die nicht mitfinanzieren. Aber wir brauchen natürlich, in den Kommunen brauchen wir auch die Finanzierungsmodalitäten. Und da nehme ich mal das, was ja eine gute Entscheidung war, Pflegestützpunkte zu organisieren, überhaupt die Möglichkeit zu schaffen, Pflegestützpunkte zu haben. Und sicherlich ist es so, dass man in so einer großen Stadt wie Rostock da auch einen gewissen Vorteil hat, nicht, dass sich dann so was auch gleich bildet. Aber die Realität in den Pflegestützpunkten und was tatsächlich geleistet werden kann, hat auch strukturelle Hürden im Prinzip. Ich könnte dir ein Beispiel, also ich habe ja eine große Familie und die Vorsorgevollmacht für vier meiner Seniorinnen und Senioren gehabt. Und damit ist es zwangsläufig, dass man auch mal in Kontakt mit dem Pflegestützpunkt kommt. Aber wenn du da wieder rauskommst und sie dir dann gesagt haben – und ich meine, ich kann das dann auch durchsetzen, weil ich ja gut vernetzt bin in Rostock –, und die sagen dir, also du brauchst gar nicht darauf zu hoffen, dass du irgendwo einen Pflegeplatz kriegst, schick mal deine Senioren wieder ins Krankenhaus und weigere dich dann als Angehöriger, sie wieder mit nach Hause zu nehmen, dann kriegst du einen Pflegeplatz. Ich hatte Gott sei Dank Möglichkeiten zu sagen, nein, meine Mutter nehme ich nach Hause und pflege sie selbst ein halbes Jahr, aber ich bin sozusagen da auch ein privilegierter Mensch. Die Realität für viele Angehörige, für viele Freundinnen und Freunde sieht leider anders aus. Und da haben wir strukturell eine Menge aufzuholen. Über dieses Geld habe ich schon gesprochen. Also, ich glaube, sorgende Gemeinschaften bieten Chancen, mehr soziale Nähe, bessere Gesundheitsprävention, längeres selbstbestimmtes Leben zu Hause, Stärkung des Zusammenhalts, vielleicht gerade im ländlichen Raum. Aber da sollten wir zwischen Land und Stadt überhaupt gar keinen Unterschied machen, weil das trifft für beides zu. Wenn man aber die Realität sozusagen in der ambulanten Pflege sieht, dann wird es so sein, dass du auf dem Land Pflegekräfte hast, die mehr im Auto sitzen, als pflegen zu können. Und auch in der Stadt spielt das eine Rolle, wenn die Pflegekräfte kamen. Also ehrlich gesagt, länger als 20 Minuten, 25 Minuten, manchmal zweimal am Tag, war die Pflege dann nicht. Und dann sind Seniorinnen und Senioren 23 Stunden vielleicht alleine zu Hause. Wenn ich dann die Möglichkeit habe als Familie, und wir sollten wirklich die Familie als …
