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Stefanie Drese

09.10.2025 Sitzungen 8/116

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wie wollen wir selbst im Alter leben? Angesichts unserer Strukturen als Flächenland mit seinen vielen kleinen Dörfern und Ortschaften, mit seinen manchmal doch weiten Wegen und auch unserer überdurchschnittlich alten Bevölkerung ist das eine Frage, die sich sicher bei uns allen schon einmal aufgedrängt hat. Welche Angebote gibt es bei mir, meinen Eltern oder Großeltern eigentlich in Pantoffelnähe? Wo findet man Gesellschaft im höheren Alter? Und wer hat vielleicht ein Auge auf meine Liebsten oder greift ihnen unter die Arme, wenn man vielleicht selbst nicht vor Ort sein kann? Nun mag Mecklenburg-Vorpommern das Land mit den zweitältesten Einwohnerinnen und Einwohnern sein – unser Altersdurchschnitt liegt bei 48,1 Jahren –, aber auch deutschlandweit verschiebt sich die demografische Pyramide. Deutschlandweit sind so bereits fast 30 Prozent der Bevölkerung 60 Jahre und älter. Es ist also keine überraschende Entwicklung, von der wir hier sprechen. Und deshalb gibt es auch bereits erste Ansätze, wie man sich gesamtgesellschaftlich darauf einstellen kann, wie man das Wohlbefinden und die Lebensqualität in unseren Städten und Dörfern verbessern und Isolation gerade auch im ländlichen Bereich entgegenwirken kann. Dazu gehört die Idee der Caring Communities oder sogenannte sorgende Gemeinschaften, die ganz bewusst versuchen, eine Gemeinschaft, Gemeinde oder auch Nachbarschaft so zu gestalten, dass sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen. Und obwohl ältere Menschen hier natürlich zur engeren Zielgruppe gehören, sollen alle davon profitieren, Pflegebedürftige genauso wie Alleinstehende oder einsame Menschen, Personen mit demenziellen Erkrankungen genauso wie Angehörige, gesunde Menschen genauso wie dort lebende Familien. Denn im Grunde geht es darum, dass ein lokales soziales Netz entsteht, das zum Beispiel Ältere dabei unterstützt, möglichst lange zu Hause wohnen zu bleiben, zum Beispiel, indem jemand beim Einkaufen hilft, das dafür sorgt, dass Kinder und Jugendliche Unterstützung finden, wenn das Leben sie vor Herausforderungen stellt, und dass es Treffpunkte gibt, in denen Familien zusammenkommen können. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, im Pakt für Pflege, der auf meine Initiative hin im vergangenen Jahr vom Landespflegeausschuss beschlossen wurde, haben wir deshalb auch eine Arbeitsgruppe mit dem Titel „Sorgende Gemeinschaft“ gegründet, um mit allen involvierten Akteurinnen und Akteuren Expertenwissen zu bündeln und Strukturen für Caring Communities zu erarbeiten. Dass wir dabei gemeinsam an einem Tisch sitzen, ist wichtig, denn die Kommunen vor Ort spielen eine Schlüsselrolle. Sie kennen ihre Gemeinden und Bedarfe vor Ort, können Netzwerke knüpfen, freiwilliges Engagement fördern, Anlauf- und Beratungsstellen schaffen oder Sensibilisierungskampagnen starten. Dabei unterstützen wir sie als Land mit einer Kofinanzierung zur Umsetzung von Modellvorhaben für Unterstützungsmaßnahmen und -strukturen vor Ort und im Quartier in Höhe von jährlich 1,2 Millionen Euro bis zum Jahr 2028. Gleichzeitig stellen wir als Land an anderer Stelle die Weichen – im Bereich Pflege zum Beispiel – für die Einführung der Nachbarschaftshelferinnen und -helfer sowie mit der Förderung der Pflegestützpunkte, die dazu beitragen sollen, dass gute Pflege und umfassende Beratung nicht vom Wohnort abhängen. An dieser Stelle setzt auch der „Landesplan Pflege“ ein, den wir wie auch den Geriatrieplan gerade überarbeiten. Ersterer soll dabei insbesondere weiße Flecken identifizieren und Empfehlungen für die Entwicklung oder Weiterentwicklung von Angeboten der Pflege enthalten. Ausdrücklich hervorheben möchte ich auch den Runden Tisch gegen Einsamkeit im Alter, der in meinem Ministerium angesiedelt war und vor Kurzem seinen Abschlussbericht vorgestellt hat. Die Ergebnisse betten sich dabei sehr gut in den Kontext der Caring Communities ein und empfehlen insbesondere die Stärkung von Begegnungsorten wie Dorfgemeinschaftshäusern, Vereinsheimen oder Bibliotheken, Angebote in Pantoffelnähe eben, die Menschen im eigenen Wohnumfeld zusammenbringen und den Stadtteil niedrigschwellig lebendig gestalten. Zu einer sorgenden Gemeinschaft gehört neben einer pflegerischen aber auch die gesundheitliche Versorgung. Neben den größeren Aspekten wie der laufenden Krankenhausreform, der Weiterentwicklung unseres Landarztgesetzes und unserer Landesstrategie zur Gesundheitsförderung und Prävention möchte ich hier ganz bewusst auch die vom Land geförderten Selbsthilfe- und Kontaktstellen hervorheben, also die Option, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen, auch bei Gleichgesinnten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir drehen also schon an verschiedenen Stellschrauben, um den Weg hin zu sorgenden Gemeinschaften zu ebnen, denn dass solchen unterstützenden Hilfsangeboten künftig noch mehr Bedeutung zukommen wird, das ist absehbar, genauso wie der Bedarf nach Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu kommen und Einsamkeit zu vermeiden. Eine sorgende Gemeinschaft ist kein Luxus, sie ist in Mecklenburg-Vorpommern eine Notwendigkeit. Sie ist die Antwort auf viele Herausforderungen, die wir in einem Flächenland täglich spüren. Nun können wir als Ministerium oder Kommune die Leitplanken hierfür vorgeben, aber letztlich lebt das Konzept von sozialer Wärme, von Ehrenamt und von dem Einsatz der Menschen vor Ort. Deshalb bin ich auch froh, dass wir heute im Landtag hier darüber diskutieren und vielleicht auch ein Stück weit dafür werben, denn es sind gar nicht immer die großen Stellschrauben, die den Unterschied machen. Gemeinschaft beginnt häufig mit dem ersten Schritt, und das kann bereits eine Bank zum Plaudern und Verweilen im Ortskern sein, das Angebot der Nachbarn, nach der älteren Dame nebenan zu schauen, oder der Hinweis der Lehrkraft an die Schülerinnen und Schüler, dass es in der Stadt durchaus Unterstützung bei psychischen Belastungen gibt. Wo Verantwortung füreinander übernommen wird, da ist es jeden Einsatz wert und wir profitieren alle davon. Nicht zuletzt deshalb arbeiten wir auch an einer landesweiten Engagementstrategie, um das künftig sogar noch einfacher zu machen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)

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