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Christine Klingohr

SPD 09.10.2025 Sitzungen 8/116

„Sorgende Gemeinschaften für Mecklenburg-Vorpommern – Prävention, Gesundheit und Strategien für ein gutes Leben“ – sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, wir leben in einer Zeit, die viele Menschen als angespannt und herausfordernd erleben. Ob Gesundheit, Familie, Alltag, das fordert uns alle. Gerade deshalb müssen Prävention und Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt rücken, denn sie stärken uns körperlich, seelisch und gesundheitlich. Es geht um mehr als nur um Gesundheitsprogramme, es geht um Zusammenhalt, Teilhabe und Verantwortung füreinander, um sorgende Gemeinschaften, die unser Land tragen. Und genau deshalb gehört dieses Thema hierher, hier in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Wir sprechen heute über eine zentrale Zukunftsfrage: Wie wollen wir in Mecklenburg-Vorpommern leben und wie wollen wir alt werden? Allein und einsam oder in einer Gemeinschaft, die trägt, die sich kümmert, die sorgt? Wir alle wissen, unser Land ist stark, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Aber diese Stärke ist keine Selbstverständlichkeit, sie braucht Aufmerksamkeit, Strukturen und Unterstützung. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Fast ein Drittel unserer Bevölkerung ist inzwischen über 65 Jahre alt, und die Tendenz steigt. Im Gespräch mit älteren Menschen höre ich oft denselben Satz: „Frau Klingohr, das Schwerste ist nicht die Krankheit, das Schwerste ist die Einsamkeit.“ Einsamkeit ist kein Randthema. Sie betrifft Körper, Seele und Gemeinschaft gleichermaßen. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, Einsamkeit kann so gesundheitsschädlich sein wie Rauchen oder starkes Übergewicht. Darum dürfen wir nicht erst handeln, wenn Menschen schon einsam sind. Wir müssen früher ansetzen. Einsamkeit beginnt oft leise, manchmal in Lebensübergängen, in der Pflege von Angehörigen, beim Verlust eines Partners oder bereits im jungen Alter, wenn soziale Bindungen fehlen. Wenn wir über Einsamkeit sprechen, dürfen wir nicht nur an ältere Menschen denken. Einsamkeit betrifft auch Kinder und Jugendliche. Und sie nimmt zu. Die Anhörung in der Enquete-Kommission „Jung sein in Mecklenburg-Vorpommern“ hat das deutlich gezeigt. Jugendliche berichteten dort von fehlenden Treffpunkten, von Druck, digitaler Überforderung und von sozialer Isolation. Wer in jungen Jahren erlebt, dass Gemeinschaft trägt, wer in Schule, Kita oder im Sportverein spürt, ich gehöre dazu, der bleibt auch im Alter Teil der Gemeinschaft. Darum ist es ein Erfolg – und die Zahl ist heute hier schon des Öfteren gefallen –, dass in Mecklenburg-Vorpommern über 94 Prozent der Kinder in eine Kita gehen. Damit sind wir gemeinsam mit Thüringen und Brandenburg bundesweit in der Vorreiterrolle. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, die machen ja jetzt zu nacheinander.) Hier lernen Kinder früh, was Zusammenhalt bedeutet, und Eltern werden entlastet. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Genau das ist frühe Teilhabe, das ist soziale Prävention. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Die Rolle der Familie kennen Sie auch, ne?!) Sorgende Gemeinschaften, (Zurufe von Horst Förster, AfD, und Thomas de Jesus Fernandes, AfD) sorgende Gemeinschaften leben vom Mitmachen. Knapp 40 Prozent der Menschen in unserem Land engagieren sich ehrenamtlich. Damit sind wir führend unter den neuen Bundesländern. Ob in Feuerwehren, Sportvereinen, Pflegebegleitung oder Nachbarschaftshilfe – überall finden sich Menschen, die sagen, ich tue das, weil mich jemand braucht. Ehrenamt ist kein Lückenfüller, Ehrenamt ist Lebensfreude, Solidarität und Verantwortung in Aktion. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Und genau deshalb arbeiten wir an einer landesweiten Engagementstrategie, die Anerkennung gibt, Unterstützung bietet und den Zugang zum Ehrenamt erleichtert, denn Engagement darf nicht vom Zufall abhängen. Ein Beispiel dafür ist der Runde Tisch gegen Einsamkeit im Alter oder, schöner gesagt, der Runde Tisch für ein gutes Leben im Alter, der seinen Abschlussbericht vorgelegt hat. Er zeigt klar, Begegnungsräume, Mobilität, digitale Teilhabe und Ehrenamtsförderung sind entscheidend, um Einsamkeit zu verhindern. Diese Initiative geht auf die Enquete-Kommission „Älter werden in MV“ der vorherigen Legislaturperiode zurück. Mit dem Pakt für Pflege haben wir Strukturen geschaffen, die echte Wirkung entfalten. Als Land fördern wir Modellprojekte vor Ort, verschiedene Arten von Besuchsdiensten über Mehrgenerationentreffs bis zu Begegnungscafés. Dafür stellen wir bis 2028 jährlich 1,2 Millionen Euro bereit. Die Nachbarschaftshilfe leistet einen großen Beitrag, um die Arbeit der 19 Pflegestützpunkte gezielt zu erweitern. Dort, wo Beratung und Organisation auf menschliche Nähe treffen, entstehen neue, niederschwellige Angebote, besonders im ländlichen Raum. Nachbarschaftshilfe ist damit eine Ergänzung zu unseren Pflegestrukturen. Sie macht deutlich, Pflege ist nicht nur Versorgung, sondern auch Beziehung. Eine sorgende Gemeinschaft braucht auch eine funktionierende Gesundheitsversorgung, darum betrachten wir Pflege, Prävention und Gesundheit immer zusammen. Wir gestalten die Krankenhausreform aktiv mit, um wohnortnahe Versorgung zu sichern. Und das Landarztgesetz haben wir weiterentwickelt, damit junge Ärztinnen und Ärzte motiviert werden, in unseren Regionen, in unserem Land zu arbeiten. Unsere Gesundheitskommission hat sich schwerpunktmäßig den Themen Geburtshilfe und Kindermedizin, Prävention, Telemedizin sowie der Überarbeitung des Geriatrieplans gewidmet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Landesstrategie Gesundheitsförderung und Prävention. Ihr sind vier Landeskonzeptionen zugeordnet: die Bewegungsförderung, die Suchtprävention, psychische Gesundheit und die Förderung der Gesundheitskompetenzen. Diese vier Säulen zeigen: Prävention ist kein einzelnes Projekt, sie ist ein verbindendes Prinzip, das Gesundheit, Bildung, Arbeit und Teilhabe zusammenführt. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Prävention wird auch von uns praktisch gelebt. Mit dem ersten landesweiten Präventionsfachtag in der Palmberg Arena in Schwerin kamen erstmals Akteurinnen und Akteure aus allen Bereichen zusammen: BioCon Valley, die Krankenkassen, der Landessportbund, Kommunen, Unternehmen, Vereine und Ehrenamtliche. Dort wurde Prävention nicht nur diskutiert, sondern aktiv umgesetzt: Workshops, Bewegung, Gesundheitsbildung. Zum ersten Mal wurde ein betrieblicher Präventionspreis an kleine und mittelständische Unternehmen verliehen, die sich besonders für die Gesundheit ihrer Beschäftigten einsetzen. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Sehr geehrte Damen und Herren, ein weiterer zentraler Partner für die Gesundheitsförderung und Prävention in Mecklenburg-Vorpommern ist das Kuratorium Gesundheitswirtschaft. Dort arbeiten Expertinnen und Experten – aus meiner Fraktion Frau Dr. Sylva Rahm-Präger – aus Wissenschaft, Wirtschaft, Krankenkassen und Politik in verschiedenen Arbeitsgruppen unter anderem speziell zum Thema Prävention zusammen. Gemeinsam werden Handlungsempfehlungen erarbeitet, wie Prävention nicht nur gedacht, sondern auch wirtschaftlich, sozial und regional umgesetzt werden kann. Genau diese Verzahnung von Forschung, Praxis und Politik ist ein echter Standortvorteil für unser Land. Und ich möchte an dieser Stelle auch auf die diesjährige Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft hinweisen, die in diesem Jahr stark geprägt war von den Themen Prävention und Gesundheitsförderung. Diese Konferenz zeigt eindrucksvoll, dass Mecklenburg-Vorpommern die Themen Gesundheitsförderung, betriebliche Prävention und sorgende Gemeinschaften als wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsfelder versteht. Dort kommen Unternehmen, Kommunen, Verbände und Wissenschaft zusammen, um voneinander zu lernen und gemeinsam Strategien zu entwickeln, wie wir Gesundheit in allen Lebensbereichen stärken können. Neben all diesen Strategien dürfen wir die vielen Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen im Land nicht vergessen. Sie geben Menschen Halt, Orientierung und Mut. Diese Strukturen verbinden professionelle Hilfe mit Selbstwirksamkeit. Wenn wir von einem Zukunftsbild für Mecklenburg-Vorpommern sprechen, dann dürfen wir genau hier keine Luftschlösser zeichnen. Wir haben Verantwortung, und das heißt, wir sprechen über das, was konkret umsetzbar ist und bereits begonnen hat. Ein gutes Beispiel dafür ist auch der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, der auch mithilfe von Landesmitteln ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept gemeinsam mit der Hochschule Neubrandenburg entwickelt hat. Hier fließen genau die wissenschaftlichen Erkenntnisse und praktische Umsetzungsideen zusammen. Diese Ergebnisse sind wegweisend für ganz Mecklenburg-Vorpommern. Wenn wir über sorgende Gemeinschaften sprechen, dann gehört auch dazu, dass jede und jeder Einzelne Verantwortung übernimmt, für sich, für andere und für das Zusammenleben in der eigenen Gemeinde. Selbstverantwortung und gegenseitige Verantwortung sind zwei Seiten derselben Medaille. Ein gutes Leben in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet, niemand wird vergessen, niemand bleibt allein. Wir tragen Verantwortung füreinander und jede und jeder trägt Verantwortung für sich selbst. Das ist genau soziale Prävention, das ist Gesundheitspolitik mit Herz, das ist die Zukunft für Mecklenburg-Vorpommern. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)

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