Barbara Becker-Hornickel
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ja, wer heute durch Mecklenburg-Vorpommerns Kitas geht, findet allerorts engagierte Fachkräfte, die täglich ihr Bestes geben und auch gut bezahlt werden, völlig in Ordnung. Aber sie arbeiten an ihrer Belastungsgrenze und darüber hinaus. Ein schlechter Betreuungsschlüssel, steigende Anforderungen, überbordende Bürokratie und Personalausfälle sind Realität. Das kann und darf doch nicht der Standard sein, wenn wir es ernst meinen mit Chancengerechtigkeit, bester Bildung und attraktiven Arbeitsbedingungen! Ich bin schon dankbar für den Antrag der GRÜNEN, weil der demografische Wandel, den sehen wir allerorten. Und in diesem Fall bietet er aus meiner Sicht durchaus die Möglichkeit, den Betreuungsschlüssel, der bekanntlich in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit am schlechtesten ist, endlich kindgerecht anzupassen. Für uns Freie Demokraten ist klar, frühkindliche Bildung ist nicht Aufbewahrung, sondern die erste und wichtigste Stufe unseres Bildungssystems. In diesen ersten Lebensjahren wird so viel für die Zukunft in den Kindern, in den kindlichen Köpfen gelegt, was sie für ihr ganzes Leben prägen wird. Und deshalb, finde ich, ist es wirklich wichtig, sich mit diesem Thema – ich stelle ja nicht infrage, dass es hier nicht der Fall ist –, aber sich dem wirklich besonders zu widmen. Hervorragend ausgebildete Fachkräfte, die, denke ich, haben wir. Weniger Kinder, schlechter Betreuungsschlüssel, da sollte es auf der Hand liegen, den Betreuungsschlüssel anzupassen. Aber nein, da wird diskutiert – und das haben wir in Rostock –, Erzieherinnen zu entlassen oder die Arbeitszeiten zu verkürzen auf zum Beispiel 20 Stunden. Wo bleiben denn da die Fragen nach Altersversorgung, eine auskömmliche Rente für diese Menschen, meist Frauen? Ja, das sind Themen, die uns hier Tag für Tag begegnen. (Präsidentin Birgit Hesse übernimmt den Vorsitz.) Wir sind uns einig, es sind die Kleinsten unserer Gesellschaft, denen wir den besten Start ins Leben ermöglichen müssen. Sie sollen von Anfang an ihre Persönlichkeit frei entfalten, Talente entdecken und stärken, Kreativität und Neugier ausleben dürfen. Deshalb brauchen wir einen bedarfsgerechten, verbesserten Betreuungsschlüssel. (Beifall David Wulff, FDP) Er muss pädagogische Arbeit genauso berücksichtigen wie Ausfallzeiten und Verwaltungsaufwand. Nur so gewinnen wir Zeit für das Wesentliche: unsere Kinder. Zugleich fordern wir den konsequenten Abbau unnötiger Bürokratie, damit sich pädagogische Fachkräfte auch auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können. Und wir setzen uns für den Einsatz multiprofessioneller Teams ein, um bessere Bildung für alle und Inklusion endlich zu ermöglichen. Erzieherinnen und Erzieher brauchen bedarfsgerechte Unterstützung von Sozialarbeitern, Sprachförderkräften und Heilerziehungspflegern. Wer Qualität will, muss priorisieren. Wer Menschen Freiheit und Selbstbestimmung ermöglichen will, muss dafür bereits bei den Kleinsten die Grundlagen schaffen. Der vorliegende Antrag enthält wichtige Impulse zur Verbesserung der Qualität unserer Kitas. Aber ich finde auch die Ideen, die zum Beispiel meine Vorrednerin hier aufgeworfen hat, es ist alles noch in der Diskussion, aber ich habe jetzt nicht wirklich verstanden die Ideen mit den Seniorenbegegnungsstätten. Was hat das jetzt wirklich zu tun mit der frühkindlichen Bildung? Das erschließt sich mir wirklich nicht. Wir stimmen dem Änderungsantrag der CDU zu und genauso dem Antrag der GRÜNEN. – Danke! (Beifall David Wulff, FDP)
