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Christine Klingohr

SPD 09.10.2025 Sitzungen 8/116

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Und, Herr Peters, weil Sie mich persönlich angesprochen haben, auch sehr geehrter Herr Peters! Ich stimme Ihnen zu, die gesundheitliche Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Thema, um das wir uns alle gemeinsam kümmern müssen. Das steht außer Frage. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Auch ich möchte hier mit meinem Wortbeitrag dazu beitragen, Ihnen aufzuzeigen, an welchen Stellschrauben wir arbeiten, an welchen Stellschrauben wir weiter drehen müssen, aber will auch mit Ihnen darüber diskutieren, was wir anders sehen als Sie. Und da schließe ich nahtlos an gestern an. Herr Dr. Terpe hat es eben auch ganz geschickt in seiner Rede gehabt, nämlich es geht noch mal um die Studienplätze. Und Dr. Terpe hat eben ausgeführt, wenn wir mehr ausbilden, dann sollen wir es auch vom Bund honoriert bekommen. Menschenskinder, coole Idee, aber wir haben als Mecklenburg-Vorpommern dann genau diese Finanzen nicht in unserer Landeskasse! Und genau deshalb haben wir gestern schon hier vorgetragen, dass wir circa 400 Studienplätze im Bereich der Humanmedizin zur Verfügung haben, und gemessen an der Bevölkerung ist das der zweithöchste Wert im Vergleich aller Bundesländer. (Zuruf von Jan-Phillip Tadsen, AfD) Wir tragen folglich vergleichsweise hohe Kosten und bilden einen erheblichen Teil der Ärztinnen und Ärzte für andere Bundesländer aus. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Es ist überhaupt nicht plausibel oder zielführend, dieses Ungleichgewicht weiter zu verstärken und neue Studienplätze zu schaffen, die viel Geld kosten, aber keinen direkten Nutzen für Mecklenburg-Vorpommern bringen. Und auch gestern habe ich bereits aus dem Gutachten „Unimed MV 2030“ ausgeführt, dass dort klar festgehalten wird, dass Fachkräftegewinnungsinitiativen nicht allein auf eine Erhöhung der Anzahl der Plätze zielen dürfen, da es im Augenblick nicht gelingt, genug Absolventen nach dem Studium tatsächlich an Mecklenburg-Vorpommern zu binden. Auch das haben Sie angesprochen. So viel sei aber erst mal zu dem Aspekt der Erhöhung der Studienplatzzahlen gesagt, den der vorliegende Antrag thematisiert. Entscheidend – und da sind wir uns auch einig – ist also vielmehr, dass wir dafür sorgen, dass mehr Absolventinnen und Absolventen nach Abschluss ihres Studiums bei uns im Land bleiben und eine berufliche Tätigkeit hier bei uns aufnehmen. Ich will daher vortragen, was in diesem Bereich derzeit weiter auf den Weg gebracht wird. Über die Ausweitung des Landarztgesetzes zum Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz wurde bereits von der Ministerin ausgeführt, und wir haben gestern ausführlich dazu diskutiert. Dieser Schritt ist auch unbestritten sehr gut für unser Land. Darüber hinaus möchten wir bei den Zielvereinbarungen für die Universitäten hier im Land ansetzen, damit die Gewinnung von Absolventen direkt an den Hochschulen eingeplant wird. Auch eine Maßnahme in diese Richtung soll die Neustrukturierung der Begleitung des praktischen Jahres sein. Dazu gehört der Ausbau von Mentoringangeboten sowie ergänzenden Kurs- und Schulungsangeboten. Weitere Aspekte des Antrages sind Patientensteuerung und Entbürokratisierung. Und Sie schlagen eine stärkere Vernetzung durch Gesundheitskonferenzen und den Ausbau telemedizinischer Anwendungen vor. Um zunächst auf die Vernetzung einzugehen, bereits im April 2022, auf Beschlussfassung des Landtages, wurde die Expertenkommission zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen. Diese setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Bereiche des Gesundheitswesens, wie der Kassenärztlichen Vereinigung, der Landeskrankenhausgesellschaft, Patientenvertretung, Kommunen, der Wissenschaft und der Praxis sowie des Gesundheitsministeriums, zusammen. In diesen Sitzungen evaluieren die Expertinnen und Experten, genauso, wie Sie es auch mit den Bürgerinnen und Bürgern gemacht haben, mögliche Optionen und erstellen Konzepte mit Handlungsempfehlungen zu genau diesen Bereichen. Durch den regelmäßigen Austausch und die gemeinsame Arbeit an den Handlungsempfehlungen der Gesundheitskommission wird die Vernetzung und Zusammenarbeit der Partner im Gesundheitswesen gefördert. Zum Thema Entbürokratisierung wurde sich in der Kommission darauf geeinigt, dass unter Leitung des Sozialministeriums Hebammen, Ärzte und Krankenversicherungen einen Katalog mit bestehenden bürokratischen Hürden und damit verbundenen Lösungsvorschlägen erstellen. Hier läuft aktuell eine Maßnahme, von der wir uns eine große Wirkung erhoffen. Kommen wir zum nächsten Punkt, der Telemedizin. Das Land hat sich infolge auch eines Arbeitsauftrages der Gesundheitskommission auf den Weg gemacht, dass alle Krankenhäuser in MV miteinander Telekonsile abhalten können. Aufbauend auf eine erste Machbarkeitsstudie wurde eine Projektkonzeption erstellt. Nun ist geplant, eine Telekonsilplattform MV aufzubauen, damit alle Krankenhäuser in MV Telekonsile miteinander abhalten können. Dies soll dazu beitragen, den fachlichen Austausch zu verbessern, den Zugang zu erleichtern sowie die Qualität der Diagnostik und Therapieentscheidungen zu steigern. Sie alle kennen zudem aus meinem Heimatlandkreis Ludwigslust-Parchim, der sich mit den aktuellen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum auseinandersetzt, das Projekt „LuP-Regio“. Der Rückgang der Hausarztdichte, der zunehmende Fachkräftemangel in der Pflege, ein steigender Anteil älterer und chronisch kranker Menschen sowie verschiedene Hürden, wie weite Fahrtwege oder lange Wartezeiten auf Facharzttermine, macht neue Lösungen notwendig. Am Beispiel des Krankenhauses in Crivitz wird eine wohnortnahe Leistungsstruktur erprobt, die auf eine Bevölkerung mit einem hohen Anteil älterer Menschen zugeschnitten ist. Zu diesem Zweck werden zurzeit eine ambulante fachärztliche Grundversorgung sowie integrierte Mobilitätsangebote, wie ein bedarfsgerechter Transport zum Behandlungsort, aufgebaut. Weiterhin wird dieses Krankenhaus mittels digitaler Schnittstellen mit umliegenden Krankenhäusern vernetzt, sodass bei Bedarf über telemedizinische Beratungen und Fallkonferenzen ein Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen möglich ist. Zudem werden Community Health Nursing, also speziell ausgebildete Pflegefachkräfte, die ambulanten, präventiven und gesundheitsfördernden Leistungen im Versorgungszentrum koordinieren. Hier haben wir ein Projekt in MV, dessen Erkenntnisse für das ganze Bundesland genutzt werden könnten. Und mein Kollege Torsten Koplin hat es angesprochen, die Schulgeldfreiheit für die Gesundheitsfachberufe, 3,2 Millionen Euro jährlich stellen wir bereit, auch im nächsten Doppelhaushalt. Ich finde, das ist eine kluge, eine richtige, eine weitreichende und umsichtige Verantwortung, mit der wir die Gesundheitsfachberufe stärken, auch wenn der Bund genau jetzt in diese Finanzierung nicht eingestiegen ist. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Sehr geehrte Damen und Herren, vor dem Hintergrund all dieser Aktivitäten können wir nur bestätigen, dass der heute vorgelegte Antrag ganz grundsätzlich sehr wichtige Themen anschneidet. Wir haben uns diesen Themen auch in der Tiefe gewidmet. So gut gemeint einige Vorschläge sein mögen, sie gehen aktuell an der Realisierbarkeit auf Landesebene vorbei. Ich will aber gerne auch noch eigene Vorschläge machen, für die Sie sich mit uns gemeinsam auf Bundesebene einsetzen können. Sie schlagen vor, eine Meldepflicht für freie psychotherapeutische Behandlungsplätze und eine zentrale Terminvermittlung einzureichen. Das ist eine exzellente Forderung, um auf die Bundesgesundheitsministerin zuzugehen. In diesem Zuge nehmen Sie gerne folgende Vorschläge mit: (Katy Hoffmeister, CDU: Änderungsantrag!) Es sollte unter Beteiligung des Bundes eine Vereinbarung getroffen werden, dass sich alle Bundesländer gemäß ihrer Bevölkerungszahlen an der Bereitstellung und Finanzierung von Medizinstudienplätzen beteiligen. Dadurch könnten bundesweit mehr Studienplätze geschaffen werden, und die Kosten würden fair verteilt werden. Herr Dr. Terpe hat es angeschnitten. (Beifall Philipp da Cunha, SPD) Auf Bundesebene sollte eine eigene Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten beschlossen werden, so, wie es ursprünglich durch die Ampelregierung bereits geplant war. Die gesonderte Beplanung dieser Arztgruppe sollte zukünftig eine zielgenauere Steuerung der Niederlassungsmöglichkeiten ermöglichen, um den Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung für Kinder und Jugendliche flächendeckend zu verbessern. Sie sehen, viele wichtige Maßnahmen befinden sich aktuell sowohl in der Umsetzung, aber wir haben auch gemeinsam noch einen weiten Weg vor uns. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)

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